HörWahrnehmungsTraining im Kindergarten

Frau Dr. Kaija Früchtenicht,  Dipl. Sprachheilpädagogin, untersuchte die Wirksamkeit des AUDIVA®-HörWahrnehmungsTrainings, HWT, mit Musik bei Kindern mit rezeptiven Sprachstörungen im Vorschulalter in Kindergärten im Landkreis OHZ.

In der Fachzeitschrift „Forum Logopädie“, Ausgabe 1/2017 finden Sie den Artikel von Dr. Früchtenicht: „Hörtraining mit Musik bei Sprachverständnissstörungen“.

Siehe dazu das Exposé im Bereich Forschung.

Wie das Hörtraining in Kindergartengruppen durchgeführt wird, erfahren Sie hier.

Fälle, die in dieser Studie nicht aufgenommen werden konnten, weil das Störungsbild nicht den Studienanforderungen entspricht, finden Sie im Folgenden:

Mädchen, 4 Jahre, Sprachentwicklungsstörung

Das Mädchen besuchte als Integrationskind einen Integrationskindergarten und wurde dort logopädisch betreut. Sie litt im Säuglings- und Kleinkindalter häufig an Mittelohrentzündungen.

Diagnose: Mehrwortäußerungen mit erheblichen syntaktischen und morphologischen Defiziten. Kurze Äußerungslänge ohne komplexe Satzstrukturen.
Artikulation: erhebliche phonetisch-phonologische Auffälligkeiten mit erheblichen Unsicherheiten bei der Produktion komplexer Wortgestalten.
Eingeschränkter aktiver Wortschatz insbesondere bei den Verben. Sprachverständnis kontextverbunden.
Therapie: Ab 27.10.09 fand das Hörwahrnehmungstraining, HWT, 4 Mal in der Woche im Kindergarten statt mit insgesamt 40 Sitzungen.

Vor Beginn dieses Trainings erzielte das Mädchen folgende Ergebnisse:

  • TROG-D (Test zur Überprüfung des Grammatikverständnisses): Prozentrang 18
  • AUDIVA Test-CD: Hochtonverstehen 4000 Hz: 0/10  3000Hz: 0/10  2000 Hz: 8/10
  • Mottier-Test: Zweisilbige Nonsense-Wörter 5/10, Dreisilbige Nonsense-Wörter 0/10
  • Sprachstand vor Beginn des Trainings: AVAK: mehrere phonologische Prozesse inkonstante Auslassungen von unbetonten Silben und Endlauten, Reduktion von Mehrfachkonsonanzen, inkonstante und inkonsequente Ersetzungen und Reduktionen von Lauten. Z.B. Spiegel > fiedel, zweimal > feimal, Schwein > Fein /schal /> sal, Inkonstante Ersetzung von /k/, und /g/ mit /t/ bzw. /d/ Assimilationen. Elefant > Efefant. Silbensegmentieren bis 2 Silben, keine Reimworterkennung Keine Nebensätze.
  • Zählt bis 4

Nach 36 Sitzungen HWT à 30 Minuten und 11 weiteren HWT-Einheiten hat das Mädchen folgende Ergebnisse erzielt:

  • TROG-D: Prozentrang 86
  • AUDIVA Test-CD:Hochtonverstehen 4000 Hz : 8/10, 3000Hz 10/10
  • Mottiertest: alle 10 zweisilbigen Nonsense-Wörter, dreisilbigen Nonsense-Wörtern 8/10, wobei sie ihre Fehler bemerkte und sagte, dass das nicht richtig war. Das Mädchen spricht in wohlgeformten Sätzen, zählt bis 12, erkennt Reime, und erfindet selbst welche. Sämtliche phonologischen Prozesse konnten in der Therapie systematisch angegangen werden, nachdem das Mädchen ca. 20 Mal an dem Hörtraining teilgenommen hatte.

Als Restsymptomatik wurde am 19.1. 2010 festgehalten: Die konstante Ersetzung von /sch/ mit /s/. Die konstante Ersetzung vom stimmhaften / s / mit /s/ . Es wurde eine Therapiepause und eine Wiedervorstellung nach 3 Monaten vereinbart. Bei der Kontrolle waren keinerlei sprachlichen Auffälligkeiten mehr zu beobachten.

Ein halbes Jahr nach dem Training ist das Mädchen sprachlich weiterhin unauffällig.

Junge 6, Jahre, Geräuschüberempfindlichkeit

Diagnose:

  • Auditive Differenzierungsschwäche zwischen /sch/ und /s/,
  • Geräuschüberempfindlichkeit. Die Mutter berichtete, dass ihr Sohn aus der Küche flüchtete, wenn sie den Mixer benutzte, und dass er das Geräusch des Haartrockners nicht ertrug.
  • Der Junge konnte zu Beginn der Therapie den /sch/ Laut bilden aber nicht differenzieren.
  • Es wurde die Überprüfung einiger auditiver Funktionen mit der AUDIVA Test-CD durchgeführt:
  • Hochtonverstehen: 4000 Hz 0/10, 3000 Hz 0/10, 2000 Hz 8/10
  • Die Lautunterscheidungstests unter Störgeräusch konnten nicht durchgeführt werden, weil der Junge das Rauschen nicht ertrug.

Die Eltern mieteten das HWT home Gerät für 12 Wochen und führten die Musiktherapie zuhause täglich durch.

Während dieser Zeit fanden 10 HWT-Einheiten in der Praxis statt. Der Schwerpunkt lag an der auditiven Differenzierung der Laute /sch/ und /s/ in allen Wortpositionen.
Nach 8 Wochen HWT berichtete die Mutter überglücklich, dass ihr Sohn zum ersten Mal in seinem Leben der Mutter beim Kuchenbacken geholfen und den Mixer selbst gehalten hatte. Vor dem Haartrockner habe er auch keine Angst mehr.
Gleichzeitig wurde der Junge bei der Lautdifferenzierung immer sicherer.

Der Test für die auditiven Funktionen wurde wiederholt:

  • Beim Hochtonverstehen hat der Junge alle Wörter bei 4000 Hz verstanden.
  • Mit dem Störgeräusch beim Lautunterscheidungstest hatte er keine Probleme mehr.

Die Therapie konnte nach 15 Einheiten erfolgreich abgeschlossen werden.

Erfahrungsberichte Schulen, Kindergärten

Weitere Erfahrungsberichte der letzten Jahre finden Sie hier: Erfahrungsberichte der Schulen und Kindergärten