Lateraltraining

Biologische Grundlagen des Lateraltrainings

Lateraltraining ist grundsätzlich eine Pendelbewegung zwischen dem linken und rechtem Ohr. Diese wechselseitige Anregung beider Ohren und damit der Hörbahnen ist ein "ungewöhnliches" Training, da es keine natürlichen Situationen gibt, bei denen sonst ein ständiger Wechsel zwischen dem linken und rechten Ohr stattfindet.

Im AUDIVA Verfahren mit den HWT Geräten wird daher besonderen Wert auf die (für die Hörverarbeitung angenehmste) Art der Lateral-Anregung durch Klangbewegung gelegt, vgl. HWT Präsentation.

Richtungshören

Wie differenziert das Gehör im täglichen Leben auftretenden Richtungsmerkmale ?

... auf der horizontalen Ebene (zwischen den Ohren)?  

Kategorie 1:

Die Bewegung der Richtung wird wahrgenommen, weil die Schallgeschwindigkeit von ca. 330 m/Sek. für eine Zeitdifferenz zwischen beiden Ohrsignalen sorgt. Diese Differenz wird von den Neuronenkernen der ersten Kreuzung beider Ohrsignale nach der Cochlea ausgewertet. Damit wahrnehmbare Richtungen: links-mitte-rechts

Kategorie 2:

Die unterschiedliche Lautstärke beider Ohrsignale. Diese Unterscheidung ist beim natürlichen Hören von geringer Bedeutung. Wenn der Schall z.B. von links kommt, wird er links nur ca. 6 dB lauter gehört als rechts (je nach Nähe der Schallquelle am Ohr). Damit wahrnehmbare Richtungen: links-mitte-rechts
 

Raumwahrnehmung

... Median-Ebene (oben/unten/über/hinter dem Kopf)?

Kategorie 3:

Die Raumwahrnehmung oben/unten vollendet den 3-dimensionalen Bezug des Hörens. Durch die Form der Außenohren werden eingehende Audiosignale gefiltert, bis sie ans Trommelfell gelangen. Diese Filterung ist richtungsabhängig. Die zentrale Hörverarbeitung bewertet dann filterungsbedingte Klangfarbenunterschiede als Richtungsmerkmal in der Medianebene.

Die Differenzierung ist im Bereich ab 1000 Hz und höher besonders sensibel (die farbigen Linien verlaufen mit mehr Abstand). Deshalb ist eine gute Verarbeitung hoher Frequenzen für die Raumwahrnehmung besonders wichtig. Alle HWT Geräte trainieren durch Hochtonfilterung die Wahrnehmung hoher Frequenzen ab 1000 Hz.

Praktischer Test

Wir können diesen Vorgang nachvollziehen (siehe Bild): wenn ein Rauschsignal vor einem Probanden von unten nach oben bewegt wird, so entsteht der Eindruck, dass der gleiche Schall von oben kommend heller klingt als von unten. Diese Wahrnehmung beruht auf der Außenohr-Filterung bis zum Trommelfell.

Diesen Effekt können Sie mit unserem Rauschgenerator testen.

In einem Experiment war die Schallquelle fest an einem Ort positioniert. Man bot den Probanden gefiltertes Schmalbandrauschen (Frequenzen der Filterung entsprechen der Werten in der Grafik) an, welches nur einen Teil des gesamten Frequenzbandes des Hörvermögens repräsentierte. Die Versuchspersonen hörten den Schall jedoch - je nach Filterfrequenz - aus verschiedenen Richtungen (siehe Grafik).
Die Frequenzen bestimmen demnach den Ort, wo wir die Schallquelle in Bezug auf unseren Körper zuordnen. Daher hat die Raumwahrnehmung eines Menschen direkte Auswirkung auf seine Bewegung im Raum, seine Sicherheit oder Unsicherheit sich im Raum zu orientieren und auf seine Koordination.
Eine Störung im Richtungshören führt daher zu Problemen, die an Bewegungsunsicherheit, Störungen im Gleichgewicht oder in der Balance und motorischen Defiziten errinnern. Die Kinder kommen in die Ergotherapie.
Es sollte nie vergessen werden, das Richtungshören zu testen: z.B. mit unserem Rauschgenerator.

Quelle:
Räumliches Hören; Jens Blauert; 1974; Hirzel Verlag Stuttgart
u.a. (siehe auch Literaturliste)

Lateraltraining bei AUDIVA

Das Empfinden einer Klangbewegung zwischen den Ohren kann auf verschiedene Weise technisch erzielt werden.

Im AUDIVA Verfahren mit den HWT Geräten wird dies aus einer Mischung von Kategorie 1 und 3 realisiert. Hier wird die Hochtonfilterung mit der Bewegung verbunden, indem nur bestimmte hohe Frequenzbereiche (Klangfarben) hin und her wandern. Der Höreindruck ist daher so, dass immer auf beiden Ohren ein Signal vorhanden ist, jedoch auf dem einen Ohr die tieferen und auf dem anderen Ohr die höheren Frequenzen. Wenn sich das Audiosignal in der Mitte befindet, wird es vornehmlich von oben kommend gehört. Die Bewegung zwischen den Ohren bekommt damit 3-dimensionale Gestalt. Sie läuft z.B. seitlich von links kommend, mittig nach oben und endet auf dem rechten Ohr seitlich. Dadurch wird nicht nur die Lateralisation (wie bereits beschrieben) sondern auch die Fusion beider Ohrsignale in verschiedenen Frequenzbereichen trainiert (1000 Hz und aufwärts - der Bereich der für die sprachliche Kommunikation wichtig ist und für die Koordination im Raum). 

Viele sagen zu diesem Hörerlebnis: "Die Bewegung geht von links nach rechts - oben durch den Kopf". Das liegt daran, dass nach der Ohrübertragungsfunktion die hohen Frequenzen (im Verlauf zwischen 2 und 10 kHz) vor allem als von oben kommend interpretiert werden.

Anregung der Mittelohrmuskulatur

Durch die Bewegung der Klänge beobachten wir die Rückmeldung, dass es zum Jucken oder Kitzeln im Mittelohr kommen kann. Unsere kleinsten Muskeln werden zur Arbeit angeregt! Vor allem bei Menschen mit Mittelohrproblemen, die zur Verknöcherung (Otosklerose) neigen, können durch diese Wirkung die Beweglichkeit der Mittelohrmechanik unterstützen.

 

An die audiofilen Erwachsenen:

Sie haben sich eine gute Anlage zugelegt und sind davon überzeugt, dass Sie den Sound in optimaler Qualität hören. Nun hören Sie Ihre Lieblingsmusik. Sie blicken normalerweise geradeaus (es geht um die Kopfposition). Sobald Sie Ihren Kopf neigen oder heben, verändern Sie den Schalleinfallswinkel in Bezug Boxen-Ohren. Damit ändert sich automatisch das Klangbild in der Wahrnehmung, da der Winkel Ihrer Außenohren nun anders ist und damit die Übertragungsfunktion Ihres Gehörs... Das können Sie nur mit Kopfhörern umgehen. Auch Hörwahrnehmungstraining (HWT) wird nur mit Kopfhörern durchgeführt.

Dann wird man einwenden, das zum Hören über Kopfhörer spezielle Einspielungen der Musik über Kunstkopfstereo-Mikrofone erforderlich sei.
Doch für die therapeutische Anwendung von Klängen ist die Im-Kopf-Lokalisation über Kopfhörer sogar vorteilhaft. Der Hörende empfindet den Klang nicht im Außen sondern in seinem Innern. Das hilft ihm dabei, mehr bei sich zu bleiben und energetisierende Wirkung der hohen, hochtongefilterten Klänge in sich aufzunehmen.