Hochtontraining
Biologische Grundlagen des Hochtontrainings:
Unsere natürliche Hörschwelle ist eine geschwungene Linie. Demnach hören wir verschiedene Frequenzen verschieden gut: vor allem die sprachrelevanten, hohen Frequenzen werden vom menschlichen Gehör gut wahrgenommen. (siehe auch Beitrag "Hören"). Die folgende Grafik macht die Hör-Bandbreite grafisch deutlich:
Tiefe Frequenzen (bis 1000 Hz):
Sie sehen, wie zwischen 1000 (10 hoch 3) und 500 Hz (links daneben) die Schwelle noch gerade verläuft und ab 500 Hz stark zu steigen beginnt, bis bei 20 Hz schließlich insgesamt 77 dB geringere Hörempfindlichkeit vorliegt.
- Interessanterweise beginnt in dem Maße, wie die Hörschwelle bei tiefen Frequenzen nachlässt, die Vibrationsempfindlichkeit der Hautoberfläche zu steigen. So ist es zu erklären, dass in der menschlichen Sensorik hier ein Übergang vom einem zum anderen Sinnessystem stattfindet. Die Reizung der taktilen Empfindung kennt man aus der Disco. Da Schallwellen sich eben ausbreiten und durch die Luftmoleküle übertragen werden, gerät die gesamte Körperoberfläche ins Schwingen - Millionen von Rezeptoren aus allen Körperregionen geben Signale ans Gehirn - eine wahrlich intensive Empfindung, denn es ist ein "bewegt werden". Dazu passend dann die eigene Bewegung als Tanz...
- Für das Gehör jedoch schädlich. Die Lautstärken, die angeboten werden, um Hunderte von Menschen gleichzeitig anzuregen, sind enorm. Eine Überlastung des Gehörs ist die Folge...
Hohe Frequenzen: (ab 1000 Hz):
Die natürliche Hörkurve verläuft von 1000 Hz nach rechts in den Bereich des besten Hörempfindens (2 bis 5 kHz). Erst ab 6000 Hz beginnt das Hörvermögen wieder abzunehmen.
Lage der Sprachlaute im Hörfeld:
Folgende Grafik veranschaulicht die Lage der Lautgruppen im Hörfeld.
Die Grafik entspricht einem Audiogramm. Sie sehen sofort, dass eine Hochtoneinbuße ab 4000 Hz und 25 dB den Bereich der hohen Konsonanten trifft und entsprechende Wahrnehmungsverluste nach sich zieht. Betrachten wir diesen Fall für Kinder in der lautsprachlichen Entwicklungsphase, so werden bereits geringere Hochtoneinbußen (z.B. durch Mittelohrprobleme) die Hörerfahrungsmenge ("Jahreshörbilanz") der Kinder derartig beeinträchtigen, dass mindestens 50 % von ihnen später (auch wenn die Mittelohrprobleme vorüber zu sein scheinen) sprachauffällig werden (laut einer Untersuchung von Dr. Schönweiler aus Bochum). Um dies zu Überprüfen benutzen Sie den Hörscreener HS 3000.
Wissenswertes zum Hochtontraining:
- Das Hochtontraining ist ursprünglich von Tomatis entwickelt worden, indem er ein Hochtonfilter in die direkte akustische Rückkopplung bei Sängern mit Stimmproblemen einsetzte. Dadurch griff er in den Regelkreislauf des Hörens und Artikulierens ein, verstärkte die Selbstkontrolle des Sängers, so dass dieser wieder bessere Stimmresultate erzielen konnte. Er fand, dass die auditiven Wahrnehmungsprobleme sich direkt in stimmlichen Problemen niederschlagen und dass Verbesserung der auditiven Wahrnehmung stimmliche Verbesserungen mit sich bringen. Diese Tomatis Gesetze bzw. der Tomatis-Effekt kann man visuell mit der Sprach-Farbbild Transforamtion darstellen. Wir haben den Tomatis-Effekt bei Sängern bestätigt und dazu eigene Erfahrungen und Angebote erstellt. Siehe hier.
- Vorsicht bei sogenannter "Konsonantenveredelung", die ebenfalls am Markt angeboten wird: sie ist nichts anderes als eine Hochtonfilterung bei rund 1000 Hz (keine Eckfrequenz einstellbar), verbunden mit einer Kompression des Audiosignales, was zu starken Schwankungen der Hüllkurve führt. Starke Veränderungen der Hüllkurve können das Gehör dabei behindern, sich auf ein bestimmtes Lautstärkeniveau einzustellen.
Das Hochtontraining
(enthalten in den AUDIVA Geräten HWT praxis/home/standard und SWT home)
Aufgrund der Bedeutung der hohen Frequenzen für die sprachliche Kommunikation wenden wir die Hochtonfiilterung an.
- Bei Differenzierungsschwächen (phonematische Differenzierung, Lautverwechselungen) wirkt die Hochtonfilterung kontraststeigernd und führt zu einer verbesserten sprachlichen Eigen- und Fremdwahrnehmung.
- Bei Schwächen in der Tonhöhenunterscheidung (musikalische Frequenzunterscheidung) verbessert die Hochtonfilterung die Frequenzunterscheidungsfähigkeit. Die menschliche Tonhöhenunterscheidung hat zwischen 1000 und 5000 Hz die maximale Empfindlichkeit von 0,6%, während bei 100 Hz die Auflösung auf 3 % abnimmt.
- Die Hochtonfilterung bewirkt eine stärkere neuronale Anregung der Hörnervenbahnen, da mit steigender Frequenz der Energieinhalt der Schwingung physikalisch zunimmt und im Frequenzbereich 2-5 kHz die Hörschwellenempfindlichkeit am größten ist (größte Anzahl Haarzellen im Innenohr).
- Die Hochtonfilterung kann eine Verbesserung der Raumwahrnehmung in der Medianebene bewirken, da die Auswertung der richtungsbestimmenden Frequenzen (vor allem ab 1 kHz) verdeutlicht wird.
Messkurven und Erfahrungen mit dem AUDIVA Training:
Das Gerät HWT (home und praxis), das ein Hochtontraining integriert hat, verfügt über eine Filtersteilheit von 24 dB, eine digital regulierbare Eckfrequenz von 1000 bis 13750 Hz, eine stufenlose Dosierung des Hochtonanteils von 0 bis 100% und eine frequenzabhängige Hochtonverstärkung von bis zu 20 dB.
Demos unter
HWT home/praxis Beispiele
Eine Differenz zwischen tiefen und hohen Frequenzen wird in Seminaren über Kopfhörer und Mozart- /Barockmusik dargeboten. Rund 95 % der Teilnehmer empfinden keinerlei Besonderheit an diesem Klangbild! Wenn dann nach 2-3 Minuten der Gegenvergleich erfolgt, indem auf "Normal" (Filterung = 0%) eingestellt wird, empfinden die meisten das normale Klangbild als zu dumpf! Das zeigt, wie rasch sich das Gehör und die Hörwahrnehmung an ein verändertes Klangbild anpasst.
Wenn dagegen die Einstellung auf auf 100 % hohe Frequenzen gesteigert wird, tritt bei vielen Erwachsenen Unbehagen ein. Dies ist nicht der Fall, wenn - wie im Trainingsplan empfohlen und im Gerät HWT programmiert - die Erhöhung langsam über Wochen erfolgt.
Quellen:
- Handbuch der Tonstudiotechnik; Dickreiter; 1987; Saur Verlag München
- Hals-Nasen-Ohrenheilkunde; Boenninghaus; 1986; Springer Verlag
- Die Tomatismethode - ihr therapeutischer Wert und ihre wissenschaftliche Basis ...; Erich und Ulrike Schott; 1996; Musik-, Tanz- und Kunsttherapie, 7, 67-81; Verlag für Angewandte Psychologie - Hogrefe Göttingen u.a.
(siehe auch Literaturliste)

