Übersicht Low-Level Funktionen
Die Low-Level Funktionen bezeichnen Teilleistungen, die vor allem die Hörverarbeitung und weniger die Wahrnehmung betreffen. Sind Low-Level Funktionen, wie z.B. die Ordnungsschwelle erhöht, spricht man auch von einer Automatisierungsstörung. Die Ordnungsschwelle hat jedoch sehr große Schwankungen, so dass es vorkommen kann, völlig normal entwickelte Kinder erhöhte Ordnungsschwellen haben. Deshalb werden auch mehrere Verfahren eingesetzt bzw. mehrere Tests nacheinander durchgeführt.
Nach der Untersuchung von Prof. Dr. Fischer (Forum Logopädie, Mai 2007) sind die Low-Level Funktionen zu rund 60% bei Legasthenikern beeinträchtigt. Vor allem die Tonhöhen-Unterscheidung und die Zeitordnung sind auffällig. Die Zeitordnung entspricht der Ordnungsschwelle seriell in unerem Schema (zwei unterschiedliche monaurale Stimulis mit Zeitfenster als Parameter). Für die Ordnungschwelle lateral / Seitenordnung (Klick L / Klick R) fand er keine signifikante Übereinstimmung bei Legasthenikern.
Low-Level Funktionen werden in der Diagnostik eingesetzt. Viele Arztberichte enthalten bereits Hinweise auf erhöhte Ordnungsschwelle, Zeitordnung, Tonhöhenunterscheidung usw..
Unter dem Begriff Low-Level Training oder "Funktionelle Trainingsverfahren"; verstehen wir folgende Verfahren, die in unseren neuen BrainFit Modellen enthalten sind:
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Alle Verfahren eignen sich auch für die Diagnostik der auditiven / visuellen Verarbeitung, z.B. in der Erhebung vor- und nach einem Training mit dem Hörwahrnehmungstrainer HWT oder dem DichoTrainer.
Auch andere Anbieter von Trainingsverfahren setzen die BrainFit Geräte ein, um Trainingseffekte nachzuweisen oder zu unterstützen, wie z.B. das Institut für Gehirnforschung in Stuttgart.
Wir fertigen dazu auch individuelle Gestaltungen Frontfolie, z.B. mit anderer Beschriftung, Farbgestaltung oder Logo. Sprechen Sie uns an.
Beim Trainieren ist das Ziel in der jeweiligen auditiven und/oder visuellen Fähigkeit einen möglichst guten Wert zu erreichen.
Funktionelles Training dient der Förderung von:
- Merkfähigkeit links-rechts Zuordnung
- auditiven Serialität (Os) und auditiv-visuellen Serialität
- Kurzzeitdiskrimination, Zeitordnung und dichotisch
- auditiv/visuell-motorischen Koordination
- auditiv/visuelle Aufmerksamkeitszuwendung
- schnelleren Verarbeitung auditiver/visueller Reize
- gleichmäßigen Aufmerksamkeitsverteilung auf auditive und visuelle Reize
- Richtungshören in der Horizontalebene
- Tonhöhenunterscheidung
- Mustererkennung
Immer ist das Ziel, möglichst kleine Werte zu erzielen. Sie können sich vorstellen, das je kleiner dieser Wert ist, desto schneller und feiner arbeitet das Gehirn in der Wahrnehmung von Hör- und Sehreizen. Umgekehrt bedeutet dies, man hat eine höhere Frequenz (innere Taktfrequenz), eine höhere Schwingung.
Im Spielmodus (BrainFit Play/Home) ist das bereits umgesetzt: Je höher die Punktzahl, desto höher die Frequenz.
Zu den einzelnen Verfahren:
Ordnungsschwelle lateral / Seitenordnung (Ol):
Die Ordnungsschwelle (in allen BrainFit, im Play nur auditiv) ist der kleinste Zeitabstand zwischen 2 Reizen (Klicks oder Lichtblitze), der nötig ist, um eindeutig zu erkennen, welcher von beiden Reizen (der linke oder rechte) zuerst vorkam. Die Reize kommen im Abstand von 1 bis 999 ms, beginnend mit einem einstellbaren Startwert.
Aufgabe erklären: Du hörst kurz nacheinander zwei Klicks. Auf welcher Seite war der erste Klick, links oder rechts? Drücke entsprechend die linke oder rechte Taste.
Werden die Alterswerte des Patienten nicht erreicht, ist ein separates Ordnungsschwellentraining sinnvoll. Dabei wird vom Testergebnis ausgegangen und der Trainingsstartwert etwa 50 ms höher angenommen. Alle AUDIVA BrainFit Geräte haben einstellbare Startwerte.
In Untersuchungen haben sich bei Kindern mit verschiedenen Formen von Dyslalien (Stammeln) in allen Fällen Verbesserungen nach einigen Wochen regelmäßigem Training in der Merkfähigkeit eingestellt, die z.T. mit dem Mottier-Test erhoben wurde. Es wurden weiterhin Verhaltensbeobachtungen durchgeführt und Verbesserungen bezüglich der Differenzierungsfähigkeit festgestellt. Daher kann ein (isoliertes) Training der Ordnungsschwelle eine sinnvolle Begleitmaßnahme in der Förderung sprachlicher Leistungen sein, wenn Probleme in der Merkfähigkeit und Differenzierung bestehen. Es ist jedoch nicht bei Vorschulkindern oder bei Kindern, die die Aufgabe nicht verstehen und umsetzen können, einsetzbar.
Ordnungsschwelle seriell / Zeitordnung (Os):
Der kleinste Zeitabstand (im BrainFit Home/Play) zwischen 2 verschiedenen monauralen Reizen (Ton-Klick oder Klick-Ton), der nötig ist, um eindeutig zu erkennen, welcher zuerst vorkam. Der Ton-Klick Abstand beträgt 1 bis 999 ms, beginnend mit einem einstellbaren Startwert.
Aufgabe erklären: Achte auf die Reihenfolge der Hörreize. Drücke die linke Taste, wenn Du den Klick zuerst gehört hast oder die rechte Taste, wenn Du den Ton zuerst gehört hast.
Hinweise: Der Ton ist vergleichbar mit einem Vokal. Die Vokale sind besonders lange Phoneme in der Sprache. Der Klick ist vergleichbar mit einem Konsonant (wie z.B.: t). Die Pause (der ms-Wert) entspricht der voice-onset-time bzw. voice-offset-time, also dem Vokal-Konsonant Übergang. Dieses Verfahren ist daher besonders relevant hinsichtlich Lautunterscheidung. Hier sollten die Probanden Werte um 30-40 ms erreichen, was eine gute Lautunterscheidung dokumentiert. Vergleichen Sie dieses Ergebnis mit den Ergebnissen in der Lautunterscheidung nach der Test-CD von AUDIVA.
Fusionsschwelle [F]
Bei dieser BrainFit Version (Home/Play) wird die Fusionsschwelle erstmals lateral ausgegeben, so dass entweder 2 Klicks (einer links, einer rechts = lateral) oder 1 Klick (auf beiden Ohren) angeboten werden. Dadurch wird hier erstmals das dichotische (beidohrige) Hören ins Ergebnis einfließen.
Die Fusionsschwelle ist die kleinste Zeiteinheit, die mindestens zwischen zwei Reizen verstreichen muss, damit zwei Reize gerade noch nicht als ein Reiz wahrgenommen werden.
Aufgabe erklären: du hörst auf beiden Ohren entweder einen oder zwei Klicks. Drücke die linke Taste, wenn Du einen Reiz und die rechte Taste, wenn Du zwei Reize wahrgenommen hast.
Hinweise: bei der Fusionsschwelle wird mit sehr kleinen ms-Werten gearbeitet. Die Anzeige ist daher auf zwei Stellen hinter dem Komma angegeben. Die Fusionsschwelle ist einfacher und eindeutiger als die Ordnungsschwelle (kein Erkennen der Ordnung erforderlich).
Nach Bungert (2002) liegt der Normbereich hier zwischen 0,5 und 1,0ms.
Intermodalität [I]
Die kleinste Zeiteinheit (im BrainFit Home/Play), die mindestens zwischen einem Klick und einem Blitz verstreichen muss, damit noch sicher wahrgenommen werden kann, ob zuerst der Klick oder der Blitz ausgegeben wurde.
Aufgabe erklären: achte darauf, ob erst das Licht oder erst der Klick kommt. Drücke die linke Taste, wenn Du zuerst den Klick gehört oder die rechte Taste, wenn Du zuerst das Licht gesehen hast.
Hinweise: durch die Abwechslung von auditiven und visuellen Reizen können Sie prüfen, ob der Proband besser im visuellen oder auditiven Bereich verarbeitet. Dabei wird deutlich, welche Modalität bei geteilter Aufmerksamkeit vorherrscht oder ob beide Sinnessysteme gleichermaßen Informationen beisteuern können
Synchronität (Fingertapping) (S)
Im BrainFit Home/Play werden auditive und/oder visuelle Reize (im -Play nur auditiv) abwechselnd links und rechts kontinuierlich angeboten, so dass ein einfacher Takt, wie bei einem Metronom entsteht. Die Anfangsgeschwindigkeit wird langsam eingestellt, z.B. 600ms.
Nun hat der Proband die Aufgabe diesen Takt durch Drücken der linken und rechten Taste zu imitieren, so dass ein Klick von links mit einem linken Tastendruck zusammenfällt und umgekehrt.
Konstante Folge (im BrainFit Home): Der Takt wird vorgegeben und ändert sich nicht. Gemessen wird, wie präzise (in Millisekunden) der Proband die Reize beantwortet. Geringe Anforderung, da der Proband keine Anpassungen an veränderte Taktraten leisten muss.
Variable Folge (im BrainFit Home/Play): Der Takt wird schneller, wenn der Proband synchron (also richtig) antwortet und langsamer, wenn er asynchron (also falsch) antwortet. Hohe Anforderung: hier gelangt der Proband in sehr schnelle Taktraten, wenn er das Training beherrscht.
Hinweise: siehe Arbeiten von Frau Dr. Steinbüchel (Institut für medizinische Psychologie, München) und Prof. Peter Wolff (Universität Havard, USA).
Tonhöhenunterscheidung (T)
Die Tonhöhenunterscheidung im BrainFit Home/Play wird in musikalisch übertragbaren Halbtönen realisiert - daher ist ein Vergleich mit einem Keyboard jederzeit möglich: z.B. 2 HT = Tonabstand C - D auf der Klaviatur.
Die einfachste Vorgehensweise ist gleich/ungleich. Hier werden entweder zwei gleiche oder zwei verschiedene Töne angeboten.
In der Vorgehensweise hoch-tief werden zwei Töne angeboten und der Proband soll wahrnehmen, welcher der höhere Ton war; der erste oder der zweite.
Hinweise: Bei Kindern mit auditiven Wahrnehmungsstörungen ist häufig die Tonhöhenunterscheidung reduziert. Diese musikalische Fähigkeit wird auch für die Erkennung von verschiedenen Vokalen und prosodischen Elementen der Sprache benötigt. Aus der Psychoakustik ist bekannt, dass der Mensch einen Frequenzunterschied von 1-2 % unterscheiden kann.
Der kleinste mit dem BrainFit darstellbare Frequenzschritt ist ein halber Halbtonschritt (=3%). Erwachsene sollten in der Lage sein, mindestens bis auf 1 Halbtonschritt zu gelangen.
Richtungshören (R)
Das Richtungshören Im BrainFit Home/Play wird durch links/rechts zeitversetzte Klickgeräusche dargestellt und beruht auf psychoakustischen Erkenntnissen: die Klicks für das linke und rechte Ohr sind zwischen 20 und 1000 µS gegeneinander verschoben. Es wird zufällig gesteuert, welche Seite beginnt. Die Seite, auf welcher der Klick beginnt, wird als Richtungsinformation wahrgenommen, also ist dann links- oder rechtsseitig. Der Proband drückt dann die linke oder rechte Taste, die der Seite zugeordnet ist.
Mustererkennung [M]
Der BrainFit Home bietet Mustererkennung von Tonhöhen und Tonlängen an (BrainFit Play nur Tonhöhen). Die Fähigkeit Muster in akustischen Signalen zu erkennen ist wichtig für das Dekodieren von Sprachlauten wie Vokalen und es trainiert gleichzeitig die Serialität.
Es werden dazu 3 Töne in Serie vorgespielt, wobei sich einer davon in Länge oder Tonhöhe unterscheidet. Analog werden hier 3 Tasten verwendet, die linke, mittlere (Menü) und rechte Taste. Beendet wird ein Ablauf daher mit der Taste + oder -.
Muster als Tonhöhen
Am einfachsten ist die Variante mit Tonhöhen. Es erklingen immer 2 gleiche und ein abweichender Ton. Die Frequenzabweichung ist konstant 6 Halbtonschritte, die Dauer und der Abstand der Töne voneinander verringert sich bei richtiger Antwort um 5% oder verlängert sich bei falscher Antwort um 20% und wird in Millisekunden angegeben.
Muster als Tondauer
Die Variante mit Tondauer ist schwieriger. Es erklingen immer 3 gleiche Töne (1080 Hz). Davon sind 2 Töne mit gleicher Dauer von 100 ms und ein abweichender Ton mit 100ms + angezeigter Wert in ms. Die Dauer des abweichenden Tones verringert sich bei richtiger Antwort um 5% oder verlängert sich bei falscher Antwort um 20% und wird in Millisekunden angegeben.
Hinweise zu Tondauer: Nach Bungert (2002), erreichen 20-29jährige Probanden 13-14 ms (+/-7ms).


