Beide Augen zur Zusammenarbeit anregen

Bei diesem Verfahren wird mit einer Blendenbrille das rechte und linke Auge abwechselnd verdunkelt. Die zentrale Steuerung der Augenmuskulatur wird dabei stimuliert, im Wechsel mal mit beiden und mal mit dem linken oder rechten Auge zu fokussieren.
Man spürt eine Anregung der Augenmuskulatur, da sich der Fokus wechselnd verschiebt. Die Blendenbrille wird an ein Gerät angeschlossen, welches diesen Wechsel zeitlich steuert.
Die Blendenbrille wird während des Lesens getragen oder wenn das Lesen zu anstrengend oder noch nicht entwickelt ist, bei feinmotorischen Tätigkeiten, wie Malen und Basteln. Es sollen Tätigkeiten sein, bei denen das Auge etwas tun muss.

Anwendung:

  • In der LRS-Therapie zur Verbesserung der Fixation und Pupillenbewegung. Im Lesetraining mit den AUDIVA Hörbüchern (siehe Bild), oder auch anderen Hörbüchern und Lesematerialien.
  • Bei Kindern, die zur Stärkung des schwächeren Auges auf einem Auge ein Abdeckpflaster tragen sollen. In diesem Fall wird die Verschlusszeit des stärkeren Auges verlängert, damit das schwächere Auge mehr arbeitet.

Zur Steuerung der Blendenbrille wird der VWT home benötigt (siehe Produktübersicht). Auch der HWT praxis hat den Steuerausgang für die Blendenbrille.

Training mit der Blendenbrille

Eine wechselseitige Abdeckung der Augen, mit einem fließenden Übergang von offen nach abgedunkelt und zurück. Siehe folgende Darstellung:

Durch die Geschwindigkeit des Wechsels wird die Intensität der Anregung gesteuert. Da man bei schneller Anregung unter etwa zwei Sekunden (von einem zum anderen Auge) Schwindel auslösen kann, ist beim HWT praxis die Geschwindigkeit auf zwei Sekunden nach unten begrenzt.

Fixpunkt-Test vor und nach Einsatz der Blendenbrille:

Halten Sie einen kleinen Fixations-Gegenstand in die Mitte vor das Gesicht des Probanden, in der Höhe der Augenlinie, im Abstand von ca. 20 cm. Kreisen Sie langsam den Gegenstand vor den Augen des Probanden, während er diesen beidäugig fixieren soll. Sein Kopf beibt dabei bewegungslos; nur die Pupillen bewegen sich. Der Kreis beschreibt einen Durchmesser, der bis zum linken/rechten Ohr reicht. Beobachten Sie, ob an bestimmten Stellen des Kreises Sprünge in der Pupillenbewegung auftreten. Bei Sprüngen zeigt dies einen Bereich im räumlichen Sehen an, der nicht durch die zentrale Augenmuskulatur-Steuerung abgedeckt ist.

Weitere Testverfahren: Beidäugiges Sehen (Stereosehen, binokulare Fusion): durch den „Lang Test“ im Nahbereich überprüfen (siehe hier).

Anamnese Schriftbild: schauen Sie sich die Diktat- oder Schreibhefte des Schülers an. Ist das Schriftbild nicht auf einer Grundlinie sondern schräg abweichend oder sind die Buchstaben zwar auf einer Grundlinie aber stark zu einer Seite hin geschwenkt, können Zeichen für ein Problem in der visuell-motorischen Kontrolle sein.

Anamnese Verhalten: Neigung zu Ungeschicklichkeit, Dinge werden übersehen, nicht richtig per Hand gegriffen (komplexer bei gleichzeitigen Händigkeitsproblemen), es werden häufiger (als normal) Dinge umgeworfen, stolpern, hinfallen...

Anamnese Haltung: die Körper- bzw. Kopfhaltung ist beim Schreiben/Malen deutlich abweichend auf eine Seite (nicht mittig). Beim Ablesen von der Tafel möglicherweise Schräghaltung des Kopfes (ggf. Lehrer befragen).