Die Lateralisation/Lateralbewegung ist grundsätzlich eine Pendelbewegung zwischen dem linken und rechtem Ohr. Musik und Sprache wird über einen HWT-Gerät oder ein Lateraltrainer (RWT-home) per Kopfhörer gehört. Diese wechselseitige Anregung beider Ohren regt die Hörbahnen zwischen Gehör und auditiven Kortex an. Hierdurch wird das beidohrige Hören verbessert. Auch die phonematische Aufmerksamkeit und die Lautdiskrimination lassen sich durch das Hören von lateralisierter Musik verbessern.

Durch die Bewegung der Klänge wird gleichzeitig über die Formatio reticularis der Nervenstrang zu den Mittelohrmuskeln aktiviert und die Muskeln geraten in Bewegung. Wir bekommen oft die Rückmeldung, dass es zum Jucken oder Kitzeln im Mittelohr kommen kann. Unsere kleinsten Muskeln werden zur Arbeit angeregt! Das Hören von lateralisierter Musik wirkt wie eine Massage der Mittelohrmuskulatur. Bei Menschen mit Mittelohrproblemen, die zur Verknöcherung (Otosklerose) neigen, kann durch diese Wirkung die Beweglichkeit der Mittelohrmechanik unterstützt werden.

Lateralbewegung bei AUDIVA®

Das Empfinden einer Klangbewegung zwischen den Ohren kann auf verschiedene Weise technisch erzielt werden.

Im AUDIVA® Verfahren mit den HWT Geräten wird die Hochtonfilterung mit der lateralen Bewegung verbunden, indem nur bestimmte hohe Frequenzbereiche (Klangfarben) hin und her wandern. Der Höreindruck ist daher so, dass immer auf beiden Ohren ein Signal vorhanden ist, jedoch auf dem einen Ohr die tieferen und auf dem anderen Ohr die höheren Frequenzen. Wenn sich das Audiosignal in der Mitte befindet, wird es vornehmlich von oben kommend gehört. Die Bewegung zwischen den Ohren bekommt damit dreidimensionale Gestalt. Sie läuft z.B. seitlich von links kommend, mittig nach oben und endet auf dem rechten Ohr seitlich. Dadurch wird nicht nur die Lateralisation (wie bereits beschrieben) sondern auch die Fusion beider Ohrsignale in verschiedenen Frequenzbereichen trainiert (1.000 Hz und aufwärts - jener Bereich, der für die sprachliche Kommunikation und für die Koordination im Raum wichtig ist). Hörbeispiele finden Sie hier.

Viele sagen zu diesem Hörerlebnis: "Die Bewegung geht von links nach rechts - oben durch den Kopf". Das liegt daran, dass nach der Ohrübertragungsfunktion die hohen Frequenzen (im Verlauf zwischen 2.000 und 10.000 Hz) vor allem als von oben kommend interpretiert werden.

Die Kombination aus Lateralisation und Hochtonfilterung verstärkt den therapeutischen Effekt

Ein Lateraltraining findet bei Kindern mit auffälligem dichotischen Hörtest statt, wo sich zeigt, dass nur ein Ohr genutzt wird. Das Lateraltraining gleicht dies über die Trainingszeit (i.d.R. 12 Wochen 30 Min. täglich) aus.

Sobald Differenzierungsschwächen vorhanden sind und Laute nicht unterschieden werden können oder bei Artikulationsstörungen braucht es zusätzlich das Hochtontraining um die Frequenzebene zu trainieren.

Ein weiterer Einsatz findet bei Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten oder bei Kindern mit dem Down Syndrom. Im Therapiezentrum Iven in Baiersbronn wird das Audiva® Lateraltraining mit dem RWT home seit Mitte der 90er Jahre erfolgreich eingesetzt.