Die wichtigste Bedeutung des Hörens für den Menschen ist die Sprache. Der Mensch wird mit der grundlegenden Fähigkeit geboren, die Mutterstimme zu erkennen und seine Aufmerksamkeit auf die Mutter auszurichten. Die ersten Lebensjahre verbinden die Sinne multimodal: 

Wie sich die phonologischen und artikulatorischen Fähigkeiten des Kleinkindes entwickeln, veranschaulicht folgende Aufstellung:  

Die Wahrnehmung von Sprache ist die Voraussetzung für das eigene Sprechen des Kindes. Das Ohr und das Gehirn verbinden sich über die Hörbahn. Dies ist ein Entwicklungsprozess, der mit der gesamten Hirnreifung einhergeht. Folgende Abbildung verdeutlicht, welche verschiedenen Leistungen das Gehirn mit dem Ohr zusammen bei der Identifikation der einfachen Silbe [ba] erbringt. Hierbei spielen aufsteigende (ca. 4000) und absteigende (ca. 12.000) Nervenbahnen die Hauptrolle. Die Entwicklung der Hörbahn erfolgt also in beide Richtungen und ist geprägt von Myelinisierung, um die Weiterleitung schnell zu machen.

Grafik: Die Elemente der Sprachverarbeitung nach Spreng

Erkennt oder vermutet das Gehirn das Vorliegen oder wahrscheinliche Folgen einer Vokalfrequenz - etwa eines [a] - so wird die Empfindlichkeit der inneren Haarzellen im Innenohr für diesen Frequenzbereich kurzzeitig erhöht, indem die äusseren Haarzellen die Wanderwelle des [a] aktiv verstärken. Der wahrgenommene bzw. erwartete Vokal wird so aktiv verstärkt und gegenüber dem Störschall hervorgehoben. So werden Laute bzw. Phoneme differenziert und identifiziert, indem sich das Gehirn des Ohres bedient und die absteigenden Bahnen zu den äußeren Haarzellen nutzt. Die Hörverarbeitung über die akustische Rinde und dem Innenohr ist unsere schnellste Sinnesleistung.

Für die Spracherkennung von Wörtern und Sätzen ist diese Störschall-/Nutzschalltrennung die Grundvoraussetzung für den schulischen Erfolg UND dem sozialen Verhalten!

Wie Laut der Störschall in einer Lernumgebung ist, bestimmt, wieviel Energie das Gehirn benötigt, Nutzschall von Störschall zu trennen.
Anders als beim Auge, hat das Gehör KEINEN Schließmechanismus. Alles was von außen einschallt ist sofort als Gehirnaktivität da. Fokussierung im auditiven ist daher umso energiefressender, je lauter der Störschall ist. Diese Tatsache ist oft Ursache für Störungen der Aufmerksamkeit, denn die Energie ist irgendwann verbraucht und es treten Symptome von ADS (Verträumtheit) oder ADHS (Unruhe) auf.

Frequenz- und Zeitebene der Sprache

Zur Analyse dient hier das Wort "Dielenfussboden" aus der Lesung des Buches "Kinderdetektivbüro Alina und Hung" (langsam und deutlich gelesen). Es enthält viele typische Lautelemente, die für die phonologische Bewusstheit wichtig sind.

Spectrale Darstellung Beispielwort "Dielenfussboden". Unten von links nach rechts die Zeitebene auf 10 ms genau. Rechts von unten nach oben die Frequenzebene. Die Lautheit wird durch maximale Schwärzung dargestellt. Hier das Hörbeispiel:

Am Besten mehrfach anhören und dabei das Bild anschauen, um die Elemente herauszuhören.

Die enthaltenden Elemente:

Stimmlose Konsonanten: d, f, ss, p, d

Das d und p sind extrem kurz: nur etwa 30 ms (Zeitebene), die Frequenzen sind bei 2 bis 6 kHz am stärksten (schwärzesten in der Grafik).
Diese Konsonanten der Gruppe d, t, g, k, b, p sind die am häufigsten falsch geschriebenen Phoneme in Diktaten. 
Um diese wahrzunehmen, ist eine schnelle Zeitverarbeitung in der Hörbahn nötig. Sowie das Hören der hohen Frequenzen 2 - 6 kHz.

Das ss und f sind dagegen lang: etwa 150 ms (Zeitebene), die Frequenzen sind beim ss von 4 - 14 kHz besonders stark (schwärzesten in der Grafik), beim f sind die Frequenzen zwischen 5 und 9 kHz stark, jedoch insgesamt leiser im Vergleich zum ss. Der Klangunterschied zwischen ss und f kann z.B. beim Telefonieren (0,5 bis 3 kHz) nicht gehört werden.
Um diese wahrzunehmen, ist eine gute Hörfähigkeit in hohen Frequenzen nötig.

Stimmliche Konsonanten: l, n

Diese Mitlaute sind immer gebunden an die vor- oder nachfolgenden Vokale und tragen die Vokalschwingung mit. Daher sind diese immer im Kontext der Vokale zu sehen.
Beim "iele" und bei 2x "en" sieht man, dass die Querlinien (die Obertöne der Vokale weiterlaufen), jedoch eine Dämpfung hoher Frequenzen eintritt. Diese Dämpfung sind typische Merkmale des n und m.

Vokale: ie, e, u, o, e

Vokale tragen immer die Lautheit der Stimme. Deshalb sind bei allen Vokalen die Querlinien im Bassbereich (ganz unten, unter 1 kHz) besonders schwarz. Dies ist das Volumen der Stimme. Die Querlinien kennzeichnen die Obertöne, die jeden Vokal kennzeichnen und voneinander abgrenzen. 
Die u, o Unterscheidung findet in den tiefsten Lagen der Frequenzen unter 1 kHz statt.
Die i, e Unterscheidung findet im Bereich zwischen 2 und 3 kHz statt. Im Beispiel nicht so gut sichtbar, weil ein i-e Übergang stattfindet. Dieser Übergang ist jedoch ein typisches Merkmal der Sprache als Frequenzänderung (Transienten, Frequenzübergänge als typisches Merkmal, siehe ganz oben auf dieser Seite).

Sprachtherapie Audiva® Phase B

Die akustischen Lernbedingungen werden über das HörWahrnehmungsTraining HWT in Phase B an die Frequenzebene angepasst. Hier stehen entsprechende Filterungen zur Verfügung die es dem Therapeuten ermöglichen, bestimmte Lautgruppen in der Hörwahrnehmung zu verstärken. In der interaktiven Arbeit mit Kind oder Erwachsenem können so spezifische Schwerpunkte in der Frequenzebene gelegt werden.

Dies ist echte akustische Arbeit. Am besten Sie besuchen ein Audiva® Seminar, um sich diese Arbeit praktisch zeigen zu lassen.

Diese SprachArbeit basiert neben der einfachen Technik auf Hörbüchern und Übungsordnern als Inhaltsvorgaben.

Als Einstieg in eine Sprachförderung nach Audiva® sehen wir die Phase A vor. Oft sind Kinder die Therapien leid, wo es immer um das Symptom geht. Kinder und auch Erwachsene benötigen oft eine einfache unspezifische Stärkung der Ohr - Gehirn Verbindung. Dazu ist Phase A entwickelt worden. Die Energiezunahme durch die hohen Frequenzen führt dann zu Prozessen der Selbstheilung.

Allgemeine Anwendungsgebiete von Audiva® Phase B

Die Dyslalie ist eine Störung der Artikulation, bei der das Kind einige Laute oder Lautverbindungen nicht bilden kann oder sie durch andere ersetzt. Neben der partiellen Dyslalie, die nur einen oder wenige Laute betrifft, handelt es sich bei der multiplen Dyslalie um ein umfassenderes phonetisch-phonologisches Problem, bei dem viele Laute im Artikulationssystem betroffen sind. Oftmals besteht dieses Problem nicht nur auf produktiver Ebene, sondern auch auf rezeptiver - die Kinder können zwei Laute auch passiv nicht voneinander unterscheiden. Unbehandelt kann dies schwere Auswirkungen auf die weitere Sprachentwicklung und auf die Entwicklung der Lese-Rechtschreibfähigkeit haben.

Kinder mit einer eingeschränkten Kurz- und/oder Langzeitspeicherung (SES, Teilleistungsstörungen) sprechen oft dysgrammatisch. Es fällt ihnen schwer, grammatische Strukturen korrekt zu produzieren bzw. Wörter und Satzteile richtig zu ordnen. Die Problematik äußert sich typischerweise im Bereich der Pluralmarkierungen, der Verbstellung oder anhand von Inkongruenzen von Subjekt und Verb.

Eine Aphasie ist eine zentral bedingte erworbene Sprachstörung, die meist auf eine Sauerstoff-Unterversorgung des Gehirns zurückzuführen ist, die die Läsion einer sprachrelevanten Gehirnregion zur Folge hat. Dies ist beispielsweise nach einem Schlaganfall, Gehirnblutungen oder einem Schädel-Hirn-Trauma der Fall und daher zumeist ein Störungsbild, das bei Erwachsenen und älteren Menschen auftritt. Je nach Größe und Lokalisation der Läsion können verschiedene Modalitäten der Sprache beeinträchtigt sein, und je nach Art der Aphasie treten folglich Teilleistungsstörungen im auditiven Verarbeitungsprozess auf. Ein häufiges Symptom sind die Wortfindungsprobleme. Der Patient sucht auffällig oft nach den richtigen Worten, seine Äußerungen sind voller Alltagsfloskeln (da auf weniger frequente Wörter nicht zugegriffen werden kann) und er umschreibt häufig die Wörter, die ihm nicht einfallen wollen. 

Bei einer Stimmstörung werden häufig bestimmte Frequenzen oder Frequenzgruppen nicht richtig wahrgenommen. Folglich kann die Sprechmotorik nicht richtig gesteuert werden, was sich auf die Stimmkontrolle auswirkt.

Bei einer psychisch bedingten Kommunikationsunfähigkeit wie dem Mutismus spricht der Patient entweder bestimmten Personen gegenüber bzw. in bestimmten Situationen nicht (selektiver Mutismus) oder schweigt generell (totaler Mutismus). Die Störung ist häufig mit sozialer Angst, Rückzug oder Depressionen verbunden.

Beim Stottern handelt es sich im engeren Sinne um eine Redeflussstörung. Der Patient unterbricht den natürlichen Redefluss immer wieder, indem er Laute, Silben, Wörter oder ganze Phrasen mehrfach wiederholt oder sogenannte „Blocks" auftreten, in denen die übermäßig angespannte Sprechmotorik ein Weitersprechen kurzzeitig verhindert.

Eine Person, die durch Poltern auffällt, charakterisiert sich durch ihre hohe Sprechgeschwindigkeit und ihre unsaubere Aussprache. Es werden Silben verschluckt, Wörter verkürzt, und auch die Sprechmelodie und der Sprechrhythmus leiden unter der „polternden Sprache". Häufig besitzen Polterer ein Störungsbewusstsein insofern, als sie  bemerken, dass sie anders sprechen als andere. Wie die Unterschiede im Detail aussehen, vermögen sie nicht zu sagen. Sie können in der Sprechsituation nur schwer Kontrolle über ihr eigenes Sprechverhalten erlangen.
„Poltern ist häufig mit Störungen der Aufmerksamkeits- und Hörgedächtnisspanne, Sprachentwicklungsstörungen, monotoner Sprechmelodie, Aussprachestörung etc. vergesellschaftet." C. Iven vermutet, dass Poltern mit Störungen der auditiven Verarbeitung und Aufmerksamkeit zusammenhängt. Anhand einer Untersuchung an Polterern stellt sie folgende typische Symptomatik fest (hier Kurzfassung):

Neben der Dyskalkulie im Bereich der mathematischen Fähigkeiten ist auch die Legasthenie als Lese-Rechtscheib-Schwäche meist auf eine Kombination von Teilleistungsstörungen zurückzuführen. Die Alleindiagnose „Legasthenie" kann daher für die Empfehlung bestimmter Trainingsmaßnahmen ungenügend sein. Verschiedene Teilleistungen können eine LRS bedingen. Wir empfehlen dringend, diese Teilleistungen einzeln zu überprüfen, um das Kind therapeutisch optimal fördern zu können.

Teilleistungsstörungen betreffen vorwiegend Jungen (Jungen:Mädchen = 6:1). Die allgemeine Häufigkeit wird auf 10-15% aller Schulkinder geschätzt. Andere Quellen sprechen von 5% LRS- und 5% ADHS-Kindern, wovon unter den LRS-Kindern 15-30% parallel ebenfalls ADHS-Symptome zeigen.
Eine grobe Unterteilung der Teilleistungsstörungen bei LRS lässt sich nach auditiven und visuellen Kriterien vornehmen.
Es sollte immer untersucht werden, ob das Kind auditiv einwandfrei entwickelt ist. Defizite fallen im Alltag nicht automatisch auf: Oftmals können Kinder über die ersten Schuljahre ihre auditiven Schwächen durch Ersatzstrategien kompensieren und unauffällig bleiben.

Beim Erwerb der Lese- und Schreibkompetenz allerdings ist es wichtig, dass visuelle Informationen (Schrift) in auditive umgesetzt werden können (Vorlesen), und umgekehrt auch auditive Informationen graphomotorisch realisiert werden können (Schreiben). Die Kopplung der auditiven Fähigkeiten mit visuellen und graphomotorischen stellt also eine wichtige Grundlage dar.
Auch die Entwicklung der visuellen Informationsverarbeitung spielt eine wichtige Rolle. Zur Überprüfung wird beim Facharzt zunächst die Sehschärfe der einzelnen Augen getestet, und anschließend das beidäugige Sehen, das entscheidend für das räumliche Sehen im Nah- und Fernbereich ist. Bei gestörter binokularer Fusion stimmen die Fokuspunkte beider Pupillen nicht überein, so dass zwei versetzte Bilder wahrgenommen werden (deshalb spricht man auch von Winkelfehlsichtigkeit). Die natürliche Reaktion auf diese Form der Fehlsichtigkeit ist, dass der Betroffene nun innerlich eines der Augen ausblendet, um keine Doppelbilder zu sehen. Die Vernachlässigung eines Auges wird zur Gewohnheit und behindert das räumliche Sehen. Kinder mit dieser Problematik schreiben häufig schief und halten den Kopf oder das Blatt schräg.
Bei Legasthenikern oder Kindern mit entsprechenden Teilleistungsstörungen zeigen sich auch häufig motorische Koordinationsprobleme. Ihnen fällt es oft schwer, Rhythmusfolgen mit den Fingern beider Hände abwechselnd nachzuahmen. Dürfen beide Hände gleichzeitig klopfen, fällt es ihnen leichter. Auch haben sie oft Störungen bei komplexen Fingerfunktionen.  

In einigen Fällen besteht die Verbindung einer Hyperaktivität mit einer Hyperakusis (Geräuschempfindlichkeit). Die Aufmerksamkeit kann durch eine Geräuschkulisse in der Umgebung beeinträchtigt werden, was bis zu einem gewissen Grad normal ist. Allerdings gibt es pathologische Formen der Geräuschempfindlichkeit. In solchen Fällen zeigen sich erhebliche Leistungsunterschiede zwischen Situationen mit und ohne Umgebungslärm. Diese können bei einer Überempfindlichkeit zu ausgeprägten Stresssymptomen führen, und durch die akustische Überforderung Überreaktionen hervorrufen.
Geräuschempfindlichkeit ist oftmals in Verbindung mit anderen Beeinträchtigungen (Schwerhörigkeit, Tinnitus, ...) zu finden und kann Verhaltensstörungen bei Kindern begünstigen (z.B. in Gruppensituationen). Dabei sind es meist bestimmte Arten unharmonischer Geräusche, die als Lärm wahrgenommen werden. Harmonische Klänge wirken in der Regel beruhigend. Eine Hyperakusis kommt bei Kindern oft im Zusammenhang mit Mittelohrproblemen vor, weiterhin bei Autisten, Mehrfachbehinderten und Spastikern.