Durch das immer offene Ohr findet Hören statt, erste Laute kommen, entwickeln sich zu Worten, grammatikalische Strukturen kommen hinzu (Musik liefert viele solche Strukturen), die phonologische Bewusstheit entsteht und bei Schuleintritt verfügt das Kind über alle Sprachlaute und kann diese voneinander unterscheiden. So ist es für das Schreiben und Lesen lernen bestens vorbereitet.

Der Mensch wird mit der grundlegenden Fähigkeit geboren, Sprachlaute zu erkennen (Mutterstimme) und seine Aufmerksamkeit auf Sprache auszurichten. Die Konditionierung auf aktive Sprachwahrnehmung bzw. Reaktion auf Kommunikation erfolgt im Austausch mit der Umwelt und auf multimodaler Ebene: 

Bereits das Neugeborene kommt mit einer Reihe von Fähigkeiten zur Welt, die für die Entwicklung menschlicher Kommunikation unerlässlich sind. Das Hören von Sprache regt bei Kindern die eigene Sprachentwicklung an und ist eine wichtige Voraussetzung für die spätere Fähigkeit zu artikulieren.

Taube Babys müssen daher so früh wie möglich mit Hörtraining oder Hörhilfen versorgt werden, weil sie sonst erhebliche Probleme beim Sprechen Lernen bekommen. Spät ertaubte Kinder und Erwachsene büßen ihre Sprechmelodie und differenzierte artikulatorische Fähigkeiten ein.

Wie sich die phonologischen und artikulatorischen Fähigkeiten des Kleinkindes entwickeln, veranschaulicht folgende Aufstellung:  

Das Ohr und das Gehirn leisten Beachtliches. Folgende Abbildung verdeutlicht, welche verschiedenen Leistungen das Gehirn & Ohr bei der Identifikation der einfachen Silbe [ba] erbringt.

Grafik: Die Elemente der Sprachverarbeitung nach Spreng (zum Vergrößern, bitte auf das Bild klicken)

Für diese Elemente entwickeln sich im Gehirn Erkennungsmuster, die der Muttersprache entsprechen. Das Gehirn entwickelt die Fähigkeiten:

  • Lautstärkeverlauf (Umhüllende des Sprachsignals)
  • Vokalfrequenzen (charakteristische Vokalfrequenzen), dazu gehören vor allem die Formanten, das sind die Obertöne der Vokale
  • Frequenzänderungen (Frequenzübergänge, Transienten)
  • Pausen (geräuschfreie Pausen) auch Gaps genannt
  • Geräuschblöcke von Konsonanten, die Klangmerkmale von d, t, g, k, b, p, z, s, sch

Erkennt das Gehirn eine Vokalfrequenz - etwa die des gerade eintreffenden [a] - so wird die Empfindlichkeit der inneren Haarzellen für die typischen Formanten des [a] kurzzeitig erhöht. Der wahrgenommene Vokal wird durch die äusseren Haarzellen im Innenohr aktiv hervorgehoben und vom Störschall getrennt (top down, also vom Gehirn zum Ohr reichende Nervenbahnen). So werden Laute bzw. Phonome differenziert und identifiziert. Bis hin zur Spracherkennung bei Silben und komplexen sprachlichen Äußerungen ist diese Störschall-/Nutzschalltrennung eine wichtige Grundvoraussetzung. Diese Prozesse laufen in Millisekunden ab. Die Hörwahrnehmung ist damit unsere schnellste Sinnesleistung.

Alles was Kleinkinder hören, beeinflusst ihre Hörreifung und damit ihre Sprachentwicklung. Eltern sollten einen Blick auf die kindliche Entwicklung haben und es soweit möglich vor negativen Einflüssen von außen schützen. Alles was es hört saugt das Baby auf:

Permanenter Lärm (Radio-, TV-Berieselung, Fluglärm, Straßen- oder Schienenverkehrslärm) vermindert den akustischen Kontrast. Sprachliche Erkennungsmuster können so weniger effizient gelernt werden. Auch häufige Mittelohrentzündungen und Erkältungen (im Kindesalter) führen zu einer verringerten Schallleitung. Der Erfahrungsverlust kann zur Verzögerung in der Sprachentwicklung führen.

Risiken und Ursachen für Entwicklungsstörungen

Vor der Geburt und die Geburt

Defizite im Bereich der Hörwahrnehmung und Sprachentwicklung können ihre Ursache bereits während der Schwangerschaft oder bei der Geburt haben.
Das Kind wird im Mutterleib bereits durch die Lebensumstände der Mutter geprägt. Das Ungeborene wird beeinflusst von der psychischen Verfassung der Mutter, ihrer Neurotransmitter- und Hormonsituation, ihrem Tagesrhythmus, bestimmten Bewegungsmustern, Krankheiten und Medikamenten.

Die Verabreichung von Wehenhemmern stehen im Verdacht Ursache für Autismus zu sein. Das schließt eine bekannte Therapeutin aus ihrer facebook Umfrage in Autismus Gruppen. Sie meldete, dass alle befragten Mütter autistischer Kinder Wehenhemmer oder ähnliche Präparate bekamen.

Lesen Sie den Beitrag von Dr. med. Reinhard Schydlo von unserer Arbeitstagung Ludwigsburg, um mehr zu erfahren.

Nach unseren Erfahrungen seit 1993 sind für Audiva® HörWahrnehmungsTraining besonders Kinder mit Lärmtrauma (Frühgeburt und Inkubator), Impfschäden und Autismus Spektrum erfolgreich therapiert worden.

Kleinkindalter:

Im Kleinkindalter ist die Gestaltung der akustischen Umwelt wichtig. Da die Kleinkinder wie oben erwähnt, alles aufnehmen was sie hören.
Traumatische Erlebnisse wie etwa Streit oder Trennung stressen das Kleinkind. Kinder haben noch, je kleiner sie sind, diese sensiblen Antennen und nehmen vor allem die Stimmungen wahr, die zwischen Personen in der Umgebung vorhanden sind. 
Man sollte sich auch fragen, ob es gesund ist, die Kleinkinder mit zur Guggemusik oder andere laute und schrille Veranstaltungen zu nehmen.

Ständiger Radio- oder Fernsehkonsum, vor allem der Ton überträgt sich emotional auf das Kind. Überlegen Sie nur, welche Emotion in heutzutage laufenden Berichten übertragen wird.

Elektronische Spielzeuge sind heutzutage mit Schallquellen versehen, die sich Kinder direkt ans Ohr halten können. Die oftmals schrillen Geräusche kann den Aufbau der Filterleistung behindern oder sogar die Hörfähigkeit schädigen. Heute sind diese sprechenden Spielzeuge mit Lernfunktionen versehen. Die akustische Qualität ist jedoch oft mangelhaft im Vergleich zu einer Mozart Sinfonie über gute Kopfhörer. Auch im Haushalt sind Geräte im Einsatz, die Lärm abgeben und Kinderohren überfordern.

Wiederkehrende Mittelohrentzündungen und -ergüsse werden oft mit Paukendrainage behandelt, das Trommelfell vernarbt mit den Wiederholungen. Manchmal schließt sich das Trommelfell nicht mehr. Zudem werden Antibiotika gegeben, um die Kinder schnell wieder fit zu machen. Laut Forsa Umfrage 3-2014 bekommen 41% der 4 bis 6 jährigen Kindergartenkinder Antibiotika. Die Mittelohrentzündung steht mit 29% an zweiter Stelle nach Bronchitis.

Ototoxische Medikamente (die als Nebenwirkung das Gehör schädigen - z.B. ein Mittel bei Nierenproblemen - Beipackzettel lesen!) können das Gehör dauerhaft schädigen.

Bliebe noch zu erwähnen, dass Fertignahrung Übersäuerung begünstigen. Das Immunsystem wird geschwächt. Mittelohrentzündungen können dadurch häufiger werden.

Mehrsprachigkeit: Sprachentwicklungsprobleme in Deutsch treten natürlich bei eingewanderten Kindern fremdsprachiger Eltern auf. Tipp: schenken Sie ihrem Kleinen ein Hörbuch (auch bei einigen Therapeuten auszuleihen, die mit unseren Materialien arbeiten). Das langsame und deutliche Vorlesen auf der CD fördert die Sprachentwicklung in deutsch.

Sie können gerne unseren Anamnesebogen nutzen und sich selbst ein Gesamtbild machen. Eine Auswertung in Bezug auf Audiva finden Sie hier. Beobachten Sie z.B. ein besonders erschrecktes Reagieren bei lauten Geräuschen, deutet dies auf eine Hyperakusis (Schallüberempfindlichkeit) hin. Diese führt oft zu Verhaltensauffälligkeiten, die dann wiederum mit Ritalin u.a. Drogen behandelt wird.

 

 

 

Störungen der Aufmerksamkeit, Sprach- und Hörwahrnehmung

Im Bereich der auditiven Wahrnehmung zeigen sich eine Reihe unterschiedlicher Störungsbilder, die Kinder in ihrer sprachlichen und persönlichen Entwicklung beeinträchtigen können. Hierzu zählen v.a. zentrale Hörstörungen, auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS), das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS bzw. mit hyperkinetischem Syndrom ADHS), erhöhte Geräuschempfindlichkeit (Hyperakusis) sowie Dyslalie, Artikulationsschwächen bis hin zur Lese-Rechtschreib-Störung. 
Häufig besteht eine Überschneidung mehrerer Störungsbilder. Bei Kindern ist die Kombination einer zentralen Hörstörung mit einer Aufmerksamkeitskomponente in Form von Konzentrationsschwäche, Geräuschempfindlichkeit, Filterschwäche, AD(H)S etc. häufig anzutreffen.
Bei Erwachsenen gehen Schwerhörigkeit oder Hörstürze oftmals mit Geräuschempfindlichkeit oder Tinnitus einher. Bei Aphasie sind aber auch auditive und/oder Aufmerksamkeitsprozesse betroffen:
 "Der […] Prozess der Verarbeitung, Wahrnehmung und Verwertung akustischer Signale ist ein eng ineinander verwobener […] Prozess, an dem eine Vielzahl von serialen, parallelen und verteilten neuronalen Netzwerken beteiligt ist." ( Prof. Dr. M. Ptok, Pädaudiologe) .

Die Berücksichtigung all dieser Zusammenhänge ist eine Grundlage der Arbeit von AUDIVA, die auch in unseren Seminaren vermittelt wird.

Anzeichen auditiver Wahrnehmungsprobleme

Folgende Auflistung gibt einen Überblick über Defizite, die auf Hörwahrnehmungsprobleme zurückzuführen sein können:

Da es sich also häufig um komplexere Störungsbilder und Symptome handelt, die zu Lern- und Leistungsstörungen führen, sollen im Folgenden einige typische Störungen aufgeführt und relevante Zusammenhänge aufgezeigt werden. Grob lassen sich die Defizite drei unterschiedlichen, aber eng miteinander verbundenen Teilleistungen zuordnen: den Aufmerksamkeitsdefiziten, den Sprach- und Sprechstörungen und den Hörwahrnehmungsproblemen.

Aufmerksamkeitsdefizite

Die Abkürzungen ADS oder ADHS stehen für die Aufmerksamkeits-Defizit-(Hyperaktivitäts-)Störung. Nach heutiger Auffassung lässt eine AD(H)S auf eine fehlerhafte Informationsverarbeitung und -weiterleitung zwischen einzelnen Hirnarealen schließen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei der Botenstoff Dopamin.
AD(H)S liegt vor, wenn unaufmerksames und impulsives Verhalten mit oder ohne deutliche Hyperaktivität ausgeprägt ist, nicht dem Alter und Entwicklungsstand entspricht und zu Beeinträchtigungen  im sozialen Kontext, der Wahrnehmung und im Leistungskontext in Schule und Beruf führt.
Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Der vorwiegend hyperaktiv-impulsive Typ (ADHS) tritt bei Jungen fünfmal öfter auf, während die Jungen-Mädchen-Relation beim vorwiegend unaufmerksamen Typ (ADS) ungefähr 2:1 beträgt. 
Bei ADHS wird eine fehlerhafte Informationsverarbeitung zwischen Frontalhirn und Basalganglien infolge von Störungen im Neurotransmitterstoffwechsel (vor allem Dopamin) als Ursache angenommen. Neurophysiologisch gesehen führt hier eine mangelnde Hemmung von Impulsen zu ungenügender Selbstregulation. Andere Quellen siedeln eine Störung zwischen Erregung und Hemmung im limbischen System an. Dort werden Emotionen und Aufmerksamkeitszuwendung gesteuert.
Weitere, sekundäre Faktoren, sind Unverträglichkeiten (Nahrungsmittel, Allergien, Stoffwechselprobleme) bis hin zu Elektrosmog (bei erhöhter Sensibilität).
In der Therapie wird durch Ritalin chemisch die Verfügbarkeit von Dopamin im Gehirn erhöht, was ein massiver Eingriff in den Neurotransmitter-Stoffwechsel ist. Das körpereigene Belohnungssystem kann auch auf andere und natürlichere Weise angeregt werden, z. B. durch Hörtraining mit Musik.
Da häufig AD(H)S gemeinsam mit gestörten auditiven Teilleistungen auftritt, sollten diese immer mit überprüft werden, bevor eine Einstellung auf Medikamente erfolgt. Bei mehreren auffälligen Teilleistungen kann ein Hörtraining die Behandlung mit Medikamenten entlasten. 

Eine Lernstörung kann mit Teilleistungsstörungen, ADS und ADHS zusammenhängen. Werden eine Lernstörung und ein verminderter IQ festgestellt, sollte das Ergebnis zunächst kritisch hinterfragt werden - ein reduzierter IQ muss nicht zwingend auf eine verminderte Intelligenz hindeuten. Da für die Lösung der Testaufgaben auch Aufmerksamkeits- und Sprachverständnisleistungen erforderlich sind, die weitgehend unabhängig von der Intelligenz sind, könnten beeinträchtigte Teilleistungen das niedrige IQ-Ergebnis hervorrufen. Ratsam ist in jedem Fall, mit Diagnoseverfahren zur auditiven Wahrnehmung zu überprüfen, ob der vermeintlich niedrige IQ nicht basalere Störungen andeutet, die zu einer Lernbeeinträchtigung führen. Entsprechende Diagnose- und Trainingsverfahren finden Sie in unserem Sortiment. Beachten Sie zur Überprüfung der Aufmerksamkeitsfähgkeit unser Aufmerksamkeits-Testgerät ADT 3000.

Auch ein verringertes allgemeines Aktivitäts- und Muskeltonus-Niveau kann der Fall sein und Auswirkungen auf die allgemeine Bewältigung von Lernsituationen haben; hier spricht man von Hypoaktivität. Die Kinder „lassen sich hängen“, was auch regelmäßig in der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsspanne zum Ausdruck kommt.

Sprach- und Sprechstörungen

Bei vielen Patienten hängt eine Störung im Bereich der Sprache und des Sprechens - damit sind Produktion und Rezeption gleichermaßen gemeint - mit der allgemeinen auditiven Verarbeitung zusammen. Eine zu langsame oder ineffiziente Wahrnehmung und Verarbeitung von Gehörtem kann neben psychischen Faktoren oder neuronalen Schädigungen die Ausbildung von Sprach- und Sprechstörungen begünstigen.
Im Folgenden werden einige der häufigeren Sprach- und Sprechstörungen näher beschrieben.

Die Dyslalie ist eine Störung der Artikulation, bei der das Kind einige Laute oder Lautverbindungen nicht bilden kann oder sie durch andere ersetzt. Neben der partiellen Dyslalie, die nur einen oder wenige Laute betrifft, handelt es sich bei der multiplen Dyslalie um ein umfassenderes phonetisch-phonologisches Problem, bei dem viele Laute im Artikulationssystem betroffen sind. Oftmals besteht dieses Problem nicht nur auf produktiver Ebene, sondern auch auf rezeptiver - die Kinder können zwei Laute auch passiv nicht voneinander unterscheiden. Unbehandelt kann dies schwere Auswirkungen auf die weitere Sprachentwicklung und selbstverständlich im Schulalter auch auf die Entwicklung der Lese-Rechtschreibfähigkeit haben.

Kinder mit einer eingeschränkten Kurz- und/oder Langzeitspeicherung (SES, Teilleistungsstörungen) sprechen oft dysgrammatisch. Es fällt ihnen schwer, grammatische Strukturen korrekt zu produzieren bzw. Wörter und Satzteile richtig zu ordnen. Die Problematik äußert sich typischerweise im Bereich der Pluralmarkierungen, der Verbstellung oder anhand von Inkongruenzen von Subjekt und Verb.

Eine Aphasie ist eine zentral bedingte erworbene Sprachstörung, die meist auf eine Sauerstoff-Unterversorgung des Gehirns zurückzuführen ist, die die Läsion einer sprachrelevanten Gehirnregion zur Folge hat. Dies ist beispielsweise nach einem Schlaganfall, Gehirnblutungen oder einem Schädel-Hirn-Trauma der Fall und daher zumeist ein Störungsbild, das bei Erwachsenen und älteren Menschen auftritt. Je nach Größe und Lokalisation der Läsion können verschiedene Modalitäten der Sprache beeinträchtigt sein, und je nach Art der Aphasie treten folglich Teilleistungsstörungen im auditiven Verarbeitungsprozess auf. Ein häufiges Symptom sind die Wortfindungsprobleme. Der Patient sucht auffällig oft nach den richtigen Worten, seine Äußerungen sind voller Alltagsfloskeln (da auf weniger frequente Wörter nicht zugegriffen werden kann) und er umschreibt häufig die Wörter, die ihm nicht einfallen wollen. 

Bei einer Stimmstörung werden häufig bestimmte Frequenzen oder Frequenzgruppen nicht richtig wahrgenommen. Folglich kann die Sprechmotorik nicht richtig gesteuert werden, was sich auf die Stimmkontrolle auswirkt.

Bei einer psychisch bedingten Kommunikationsunfähigkeit wie dem Mutismus spricht der Patient entweder bestimmten Personen gegenüber bzw. in bestimmten Situationen nicht (selektiver Mutismus) oder schweigt generell (totaler Mutismus). Die Störung ist häufig mit sozialer Angst, Rückzug oder Depressionen verbunden.

Beim Stottern handelt es sich im engeren Sinne um eine Redeflussstörung. Der Patient unterbricht den natürlichen Redefluss immer wieder, indem er Laute, Silben, Wörter oder ganze Phrasen mehrfach wiederholt oder sogenannte „Blocks“ auftreten, in denen die übermäßig angespannte Sprechmotorik ein Weitersprechen kurzzeitig verhindert.

Eine Person, die durch Poltern auffällt, charakterisiert sich durch ihre hohe Sprechgeschwindigkeit und ihre unsaubere Aussprache. Es werden Silben verschluckt, Wörter verkürzt, und auch die Sprechmelodie und der Sprechrhythmus leiden unter der „polternden Sprache“. Häufig besitzen Polterer ein Störungsbewusstsein insofern, als sie  bemerken, dass sie anders sprechen als andere. Wie die Unterschiede im Detail aussehen, vermögen sie nicht zu sagen. Sie können in der Sprechsituation nur schwer Kontrolle über ihr eigenes Sprechverhalten erlangen.
„Poltern ist häufig mit Störungen der Aufmerksamkeits- und Hörgedächtnisspanne, Sprachentwicklungsstörungen, monotoner Sprechmelodie, Aussprachestörung etc. vergesellschaftet.“ C. Iven vermutet, dass Poltern mit Störungen der auditiven Verarbeitung und Aufmerksamkeit zusammenhängt. Anhand einer Untersuchung an Polterern stellt sie folgende typische Symptomatik fest (hier Kurzfassung):

Neben der Dyskalkulie im Bereich der mathematischen Fähigkeiten ist auch die Legasthenie als Lese-Rechtscheib-Schwäche meist auf eine Kombination von Teilleistungsstörungen zurückzuführen. Die Alleindiagnose „Legasthenie“ kann daher für die Empfehlung bestimmter Trainingsmaßnahmen ungenügend sein. Verschiedene Teilleistungen können eine LRS bedingen. Wir empfehlen dringend, diese Teilleistungen einzeln zu überprüfen, um das Kind therapeutisch optimal fördern zu können.

Teilleistungsstörungen betreffen vorwiegend Jungen (Jungen:Mädchen = 6:1). Die allgemeine Häufigkeit wird auf 10-15% aller Schulkinder geschätzt. Andere Quellen sprechen von 5% LRS- und 5% ADHS-Kindern, wovon unter den LRS-Kindern 15-30% parallel ebenfalls ADHS-Symptome zeigen.
Eine grobe Unterteilung der Teilleistungsstörungen bei LRS lässt sich nach auditiven und visuellen Kriterien vornehmen.
Es sollte immer untersucht werden, ob das Kind auditiv einwandfrei entwickelt ist. Defizite fallen im Alltag nicht automatisch auf: Oftmals können Kinder über die ersten Schuljahre ihre auditiven Schwächen durch Ersatzstrategien kompensieren und unauffällig bleiben.

Beim Erwerb der Lese- und Schreibkompetenz allerdings ist es wichtig, dass visuelle Informationen (Schrift) in auditive umgesetzt werden können (Vorlesen), und umgekehrt auch auditive Informationen graphomotorisch realisiert werden können (Schreiben). Die Kopplung der auditiven Fähigkeiten mit visuellen und graphomotorischen stellt also eine wichtige Grundlage dar.
Auch die Entwicklung der visuellen Informationsverarbeitung spielt eine wichtige Rolle. Zur Überprüfung wird beim Facharzt zunächst die Sehschärfe der einzelnen Augen getestet, und anschließend das beidäugige Sehen, das entscheidend für das räumliche Sehen im Nah- und Fernbereich ist. Bei gestörter binokularer Fusion stimmen die Fokuspunkte beider Pupillen nicht überein, so dass zwei versetzte Bilder wahrgenommen werden (deshalb spricht man auch von Winkelfehlsichtigkeit). Die natürliche Reaktion auf diese Form der Fehlsichtigkeit ist, dass der Betroffene nun innerlich eines der Augen ausblendet, um keine Doppelbilder zu sehen. Die Vernachlässigung eines Auges wird zur Gewohnheit und behindert das räumliche Sehen. Kinder mit dieser Problematik schreiben häufig schief und halten den Kopf oder das Blatt schräg.
Bei Legasthenikern oder Kindern mit entsprechenden Teilleistungsstörungen zeigen sich auch häufig motorische Koordinationsprobleme. Ihnen fällt es oft schwer, Rhythmusfolgen mit den Fingern beider Hände abwechselnd nachzuahmen. Dürfen beide Hände gleichzeitig klopfen, fällt es ihnen leichter. Auch haben sie oft Störungen bei komplexen Fingerfunktionen.  

Hörwahrnehmungsprobleme

In einigen Fällen besteht die Verbindung einer Hyperaktivität mit einer Hyperakusis (Geräuschempfindlichkeit). Die Aufmerksamkeit kann durch eine Geräuschkulisse in der Umgebung beeinträchtigt werden, was bis zu einem gewissen Grad normal ist. Allerdings gibt es pathologische Formen der Geräuschempfindlichkeit. In solchen Fällen zeigen sich erhebliche Leistungsunterschiede zwischen Situationen mit und ohne Umgebungslärm. Diese können bei einer Überempfindlichkeit zu ausgeprägten Stresssymptomen führen, und durch die akustische Überforderung Überreaktionen hervorrufen.
Geräuschempfindlichkeit ist oftmals in Verbindung mit anderen Beeinträchtigungen (Schwerhörigkeit, Tinnitus, ...) zu finden und kann Verhaltensstörungen bei Kindern begünstigen (z.B. in Gruppensituationen). Dabei sind es meist bestimmte Arten unharmonischer Geräusche, die als Lärm wahrgenommen werden. Harmonische Klänge wirken in der Regel beruhigend. Eine Hyperakusis kommt bei Kindern oft im Zusammenhang mit Mittelohrproblemen vor, weiterhin bei Autisten, Mehrfachbehinderten und Spastikern.

Die klassische Schwerhörigkeit bei Kindern und Erwachsenen hingegen ist auf eine mangelnde Weiterleitung des Schalleindrucks vom Mittelohr an das Innenohr zurückzuführen. Mit zunehmendem Alter nimmt normalerweise auch die Schallintensität zu (Lautstärke), mit der ein Ton zur Wahrnehmung dargeboten werden muss. Man unterscheidet drei Formen der verminderten Hörfähigkeit: die leichte Schwerhörigkeit (Hörschwelle bei 25-40 dB), die mittelgradige Schwerhörigkeit (Hörschwelle bei 40-70 dB) und die starke Schwerhörigkeit (Hörschwelle bei 70-90 dB). 

Der Tinnitus beruht auf einer Störung der Hörfunktion und meint das Symptom einer subjektiven akustischen Wahrnehmung, die zusätzlich zum gehörten Schall präsent ist. Die Schallwahrnehmung tritt meist in Form eines hohen Pfeiftons auf, es gibt aber auch Zischen, Rauschen oder Knackgeräusche, über die Patienten klagen. 

Der Hörsturz ist ein plötzlich auftretender (meist einseitiger) Hörverlust, der einige oder alle Frequenzbereiche betreffen kann. Der Hörsturz tritt mit oder auch ohne erkennbare Ursache auf und äußert sich unter anderem in subjektiven Ohrgeräuschen, dumpfen Hörwahrnehmungen und sogar Schwindelgefühl. Nach einem Hörsturz bleiben oftmals Innenohrschäden zurück. Dadurch wird die verbale Kommunikation kurz- oder langfristig erheblich erschwert.