Erkenntnisse aus der neurologischen Forschung belegen, dass sensorische Reize aus allen Modalitäten biochemi­sche Stoffwechselprozesse in den stimulierten Gehirnarealen steuern, die die Vernetzung der Neuronen fördern. Der Mensch weist ca.100.000 zum Gehirn aufsteigende sensorische Nervenbahnen auf, die auf der gesamten Körperoberfläche verteilt sind (nach Spreng, Handbuch der Ergonomie, 1995). Er reagiert auf Druck, Berührung und Vibration durch Verformung der Haut, wodurch die Meissner-Pacini-Merkel Körperchen - Mechanorezeptoren der Haut – erregt werden. Des weiteren, führt Vibration lokal, je nach Kontaktbereich, im Fuß, in der Hand, im Gesäß oder in der Wirbelsäule zur Erregung der Oberflächen- und tiefensensiblen Zellen. Propiorezeptoren, die in den Gelenken lokalisiert sind, spüren sensorisch die Körperstellung, Muskelspannung und tiefensensiblen Druck und melden diese Aktivität über die Nervenbahnen dem Gehirn.

Im Gehirn werden all diese sensorisch-taktil eintreffenden Reize nach der Richtung, Seitigkeit und Stärke und bei Anregung durch Musik auch nach Rhythmus, Melodie und Emotion koordiniert und verarbeitet. In Folge reagiert das Gehirn auf die eintreffenden sensorischen Meldung durch die Vibration mit einer spontanen Muskeltonus-Anpassung. Das Gehirn registriert die Vibration z.B. an den Füßen. In Folge werden neuronale Prozesse eingelei­tet, die die Aufmerksamkeit auf den stimulierten Hirnbereich erhöhen. Die muskuläre Grundspannung reguliert sich. Dies geschieht durch Nervenbahnen die durch das Rückenmark in die Peripherie des Körpers verlaufen. Ein Bei­spiel: Patienten mit minimaler cerebraler Dysfunktion können nach innen rotierende Beine aufweisen. Sie können sich durch die von der Klangfühlbox übermittelte Vibration und multimodale Stimulation selbst regulieren und stehen spontan gerader (siehe die Fallbeispiele Sebastian auf Seite  Fehler: Referenz nicht gefunden und Nick auf Seite  Fehler: Referenz nicht gefunden).

Bei Wiederholung der Stimulation gewinnt das Gehirn an Erfahrung und kann die verbesserte Sensorik und Regu­lierung im Alltag integrieren.

Ein Muskeltonus Problem ist oft mit einem auditiven Problem und einer unzureichenden Hörverarbeitung verbunden. Nach Affolter sind viele Patienten mit auditiven Verarbeitungsstörungen taktil auffällig und werden in ihrer Therapie taktil-motorisch gefördert.

Das AUDIVA HörWahrnehmungsTraining (HWT) Phase A: Musik, regt nicht nur das Ohr an, sondern stimuliert automatisch auch das taktil-motorische System. Mozart, Bach und Vivaldi sowie Naturklänge werden über ein HWT-Gerät mit angereicherten hohen Frequenzen über Kopfhörer gehört. Diese Anregung bewirkt eine Aufrich­tung des Körpers durch die "Horch-Haltung", die sich beim Betroffenen von selbst von innen heraus ergibt und mit aufmerksamer Anspannung ohne Stress verknüpft ist.

Die sensorisch-taktile Anregung kombiniert mit Musik fördert die Verknüpfung mit dem Hörsinn und führt zu einer ganzheitlichen Wahrnehmung durch die übergreifende Integration aller beteiligten Sinne.

 

Die Klangfühlbox übermittelt dem Körper die Vibration der Musik.