Der Nervus vagus (kurz: Vagus) ist der zehnte Hirnnerv. Er ist der größte Nerv des Parasympathikus und an der Regulation der Tätigkeit fast aller inneren Organe beteiligt. Daher gehen vegetative Wirkungen vom Nervus Vagus aus. Der Nervus vagus versorgt motorisch das Gaumensegel sowie die oberen Atem- und Speisewege und ist damit auch für das Sprechen und Singen aktiv, in der Bildung der Vokale und Konsonanten der Stimme.

Sensibel ist er am äußeren Gehörgang, im Rachen, Luftröhre, Schlund, Speiseröhre und Magen.
Seine Sensibilität im Gehörgang und Trommelfell bedingt, dass er durch Hörsignale stimuliert wird, genauso wie durch das Essen und Trinken.
Das Hören stimuliert also immer auch den Nervus Vagus.

Folgende Qualitäten beschreiben den Nervus Vagus :

Willkürmotorisch/Somatomotorisch (Vermittlung von Reflexen), sensibel/somatosensibel (bewusst wahrnehmbar), sensorisch (Geschmack) und vegetativ-parasympathisch.
Die Aktivitätsmessung des Nervus Vagus erfolgt durch Messung des Herzfrequenz-Spektrums in Ruhe.
Mit Hilfe der Herzfrequenzvariabilitätsanalyse ist es möglich, die Aktivität des Vagus aus der Herzfrequenz zu berechnen. Das Kurvenmaximum im Herzfrequenzband repräsentiert die Aktivität des Vagus. Erfolgt die Pulsmessung in körperlicher Ruhe befindet sich der Vagus im Frequenzbereich zwischen 0,15 Hz - 0,4 Hz.
Quellen:
www.neuro24.de/hirnnerven_vagus.htm
de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/1010109
de.wikipedia.org/wiki/Nervus_vagus

Therapeutisches Singen und Tönen

Die beruhigende und ausgleichende Wirkung des Singens von Tönen auf das vegetative Nervensystem wird auch mit dem direkten Bezug des nervus vagus zum äußeren Gehörgang und der Trommelfellmuskulatur begründet. (nach: Das Tönen, der fünfte Regenerationsweg nach Schlaffhorst-Andersen)
Quelle:
Burger, "Integrative Horchtherapie. Entfaltung der musikalischen Talente bei Musikern und Sängern", Erschienen in "das Orchester" 04/1998, Seite 27

Verwandte Hirnnerven

Der 9. Hirnnerv (Nervus glossopharyngicus)

Der Nervus glossopharyngicus verläßt zusammen mit den Nervus vagus und dem Nervus accessorius durch das Foramen jugulare den Schädel. Der 9. Hirnnerv ist ein stark gemischter Nerv.
Für uns wichtig: er ist sensibel für das Mittelohr und die eustachsche Röhre (Tuba Eustachii).
Weitere Informationen: http://www.neuro24.de/hirnnerven_vagus.htm

Nervus facialis

Der Nervus facialis innerviert den Musculus stapedius (Steigbügelmuskel) im Mittelohr. Dieser kleinste Muskel ist einer der beiden Muskeln, welche die Kette der Gehörknöchelchen in ihrem Schwingungsverhalten beeinflussen und damit die Schallleitung – oberhalb der Unbehaglichkeitsschwelle (bei großem Lärm) – herabsetzen. Eine erhöhte Schallempfindlichkeit (Hyperakusis) kann bei einer Schädigung des Nervus facialis und damit des N. stapedius auftreten.
de.wikipedia.org/wiki/Nervus_facialis

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Therapeutische Hinweise durch die Tomatis Hörtherapie

Durch das Wahrnehmen hoher Frequenzen wird für die Versorgung der Hirnrinde mit Energie gesorgt. Um uns zu entwickeln und zu sein, brauchen wir Stimuli aus allen Sinnesorganen, die als elektrische Potentiale zum Gehirn gelangen. An dieser ursprünglichen Art von Stimulierung ist das Ohr (durch Gleichgewichtsorgan und Hörschnecke) mit ca. 90% beteiligt.

Auch unser vegetatives Gleichgewicht wird vom Hören der hohen Frequenzen bestimmt. Im äußeren Gehörgang und am Trommelfell kommen sensible Fasern des Nervus Vagus an die Hautoberfläche und werden durch Hörereignisse stimuliert. Der Nervus Vagus versorgt als wichtigster parasympathischer Nerv die inneren Organe.
Deshalb können psychosomatische Symptome durch Hörtherapie positiv beeinflusst werden.

Der Schall beeinflusst das vegetative Gleichgewicht, indem er das Trommelfell in Schwingung versetzt. Tiefe Frequenzen lassen das Trommelfell mit größerer Amplitude vibrieren und haben daher eine stärkere Auswirkung bis in die tiefsten Eingeweide hinein. Tiefe Töne sind jedoch eher angstauslösend, weil Sie naturgemäß Gefahr signalisieren. Wer sich tiefen Tönen zu sehr hingibt, stresst durch psychosomatische Verbindungen seine Organfunktionen.
Nimmt das Ohr die hohen Frequenzen auf, spannt sich das Trommelfell und vibriert nur ganz gering, dafür mit hoher Frequenz.

(Quelle: http://www.analytische-hoertherapie.de/uploads/tx_templavoila/Ohr_als_Tor_zur_Seele.pdf )

Vegetative Wirkungen nach Frequenz

Hohe Frequenzen (ausgleichend, harmonisierend) sind vornehmlich vorhanden bei:

Tiefe Frequenzen (angst-/ stresserzeugend) sind vornehmlich vorhanden bei:

Vegetative Wirkungen der AUDIVA® HörWahrnehmungsTrainings HWT

Viele Hinweise deuten daraufhin, dass das Hören die Neurotransmittern und andere Botenstoffen steuert. Beim derzeitigen Erkenntnisstand wird allein aufgrund der geschilderten Phänomene kein Hörtraining verordnet, jedoch sind unsere Erfahrungen in diesem Bereich bemerkenswert:

Das autonome Nervensystem

Das autonome Nervensystem, bestehend aus Sympathikus und Parasympathikus, regelt nicht nur Herzschlag, Verdauung, Hautfeuchtigkeit usw.
Parasympathisch geregelt werden auch höhere Systeme des sozialen Kontakts, wie mimische Muskulatur, Mittelohrmuskulatur, Kopfdreher, Kehlkopf und Rachenmuskulatur, also grundlegende Mechanismen der menschlichen Kommunikation - das Hören, Sprechen, die Zuwendung zum anderen und die Mimik.
Ebenfalls parasympathisch geschaltet werden auch die "primitiveren" Reaktion von Flucht und Kampf und der Totstellreflex.
Diese Programme werden von unterschiedlichen Teilen des autonomen Nervensystems kontrolliert, deren Funktionen in heutiger Zeit unsinnig erscheinen, jedoch weiterhin existieren und auch ablaufen, z.B. bei Kindern/Erwachsenen mit ADHS.
Eine grundlegende Erforschung im Lichte des modernen Menschen hat dabei der US-Amerikanische Forscher Stephen Porges erbracht, der das System der parasympathischen Regulation klar dargelegt hat (polyvagale Theorie). Für mehr Informationen, siehe www.stephenporges.com.

Grundsätzlich dienen all diese Programme zum Erhalt des eigenen Lebens und sind grundsätzlich positiv. Der Überlebensreflex des Menschen bewirkt oftmals Handlungen, die der Vernunft wiedersinnig erscheinen. Dennoch haben sie immer eine positive Absicht und es ist hilfreich für das Zusammenleben, diese Aktionen der Betroffenen entsprechend einzuordnen!

Die archaischen Programme wie Flucht, Kampf und Totstellen kommen in der heutigen Zeit dann zum Einsatz, wenn höhere Systeme wie das kognitive (z.B. Vernunft) zu langsam sind oder keine Lösung parat haben. Dann laufen diese uralten menschlichen Programme ab und übernehmen die Verhaltenssteuerung.
Beispiele:

Es muss abgewogen werden: Die Handlungen des autonomen Nervensystems laufen nicht allein ab, sondern sind überlagert mit anderen Verhaltensprogrammen, die in anderer Umgebung, mit anderen Menschen, wie zu Hause vs. Schule/Kindergarten völlig unterschiedlich sein können. Dadurch kommt es zu Überschneidungen von "Störungsbildern".
Dies macht die Diagnose so schwierig!
Welches Handlungsmuster vom Kind/Erwachsenen gewählt wird, hängt von seinem Charakter (Summe der Vorerfahrungen seit Mutterleib) und Geschlecht ab. Grundsätzlich sind Jungen/Männer typischerweise eher vom Typ "aggressiv", aber Ausnahmen bestätigen die Regel.

Schlussfolgerungen: Nervus Vagus und HörWahrnehmungsTraining (HWT)

Alle Höreindrücke stimulieren über das Trommelfell die sensiblen Nervenfasern des Nervus Vagus. Aufgrund dieser Tatsache wirkt das HWT immer auch neurovegetativ regulierend. Sie brauchen keine extra teuren Methoden, die behaupten, nur diese kann das bewirken.
Es gibt eine Methode, die sich damit vorstellt, die deutsche Handball Nationalmannschaft zum Sieg geführt zu haben. Das ist auch sehr lobenswert. Doch auch diese Mannschaft hat dies nur einmal knapp geschafft. Dann war die Erfolgsserie vorüber.