Selbstverstärkende Wirkung von Musik-Emotionen

Die emotionale Sprache der Musik. Sie ist offensichtlich in der Struktur und Dynamik der Musikstücke selbst begründet. Denn wir können ein und dasselbe Stück wieder und wieder hören, ohne dass es seine emotionale Wirkung verliert.
Während die kognitiven Tätigkeiten hauptsächlich vom frontalen Kortex in Verbindung mit den Assoziationsfeldern gesteuert werden, stehen Motivation und Emotionen unter Kontrolle des limbischen Systems. Der Hypothalamus ist die Schaltzentrale des vegetativen Nervensystems (auch autonomes Nervensystem) und reguliert das neuroendokrine System, also die Ausschüttung von Hormonen und Neurotransmittern. Der Hypothalamus selbst untersteht und folgt damit dem limbischen System, also den Emotionen.

(Quelle: "Hören - Physiologie, Psychologie, Pathologie" von Jürgen Hellbrück und Wolfgang Ellermeier)

Zeitliche Feinanalyse

Bei der Musikwahrnehmung handelt es sich um Verarbeitungsprozesse, die eng mit denen der Sprachwahrnehmung zusammenhängen.

Musik wird zunächst ganzheitlich hinsichtlich der Melodiestruktur analysiert und zwar eher in der rechten Gehirnhälfte; in der linken Gehirnhälfte findet dann die Analyse von Rhythmen und Intervallen, also die zeitliche Feinanalyse, statt.
Bei der Wahrnehmung und dem Verstehen von Sprache und Musik vollbringt das auditorische System "absolute Höchstleistungen" (vgl. hierzu z.B. M.R. Jones & Yee, 1993; Krumhansl, 2000; Warren, 1993).

Hiermit kann man die oft überraschenden Erfolge durch HörWahrnehmungsTraining mit Musik in Phase A besser verstehen. Auch die Geschwindigkeit der auditiven Verarbeitung verbessert sich, was sich an einer verbesserten Ordnungsschwelle (Forschungsarbeit Dr. Lambeck) messen lässt.

Früher dachte man, Musik würde rechtshemisphärisch verarbeitet. Diese Annahme stimmt nun nicht mehr, da Musik aus Strukturen besteht, die in beiden Hemisphären verarbeitet werden.

Musik und Sprache - näher verwandt als vermutet!

Nach Forschungen (besonders von Stefan Koelsch) ist unsere Wahrnehmung von Haus aus auf die automatische Analyse von Dur / Moll Klängen eingerichtet. Menschen, mit oder ohne Musikerfahrung, die zufällig eingestreute falsche Klänge in einer Melodie vorgespielt bekamen, zeigten in den abgeleiteten Hirnpotentialen (EEG) deutliche Reaktionen auf den falschen Klang (nur ein falscher Ton im harmonischen 5-Ton Verlauf macht den gesamten Verlauf disharmonisch). Überraschenderweise fanden die Reaktionen in den gleichen Hirnarealen statt, in denen sonst Sprache verarbeitet wird.

(Koelsch, S. (u.a.); Brain indices of music-processing: "Nonmusicians" are musical; 1998 Max-Planck-Institute of Cognitive Neuroscience)

Forschung von Stefan Kölsch im Jahr 2000

Musik bringt Frieden

Musik war schon da, als die Menschen noch keine Sprache entwickelt hatten (Manfred Spitzer: "Musik im Kopf"). Musik prägt Stimmungen und soziales Verhalten (Joachim Bauer: "Prinzip Menschlichkeit"). Daher meiden Hooligans englische U-Bahnhöfe, wenn dort klassische Musik über die Lautsprecher erklingt. D.h. das Aggressionspotential kann nicht unter der Wirkung von harmonischer Musik ausgelebt werden. Dies bestätigt auch die Forschungsarbeit von Klaus Miehling: "Gewaltmusik - Musikgewalt" in der er nachweist, dass schon der Konsum vieler Arten von E-Musik die Gewaltbereitschaft begünstigt. Spiegelt also diese aktuelle Musik das Gewaltpotenzial der Gesellschaft wieder? Und wäre die Gesellschaft anders, wenn harmonische Musik mehr verbreitet wäre?  

Bahnhöfe befrieden bekannt seit 1998.

Musik Einsatz in der Psychiatrie: aufgrund von Einzelfällen bei (auto)aggressiven Patienten, die gut auf die AUDIVA® Musiktherapie angesprochen haben, empfehlen wir anstatt oder ergänzend zu Psychopharmaka, das HörWahrnehmungsTraining in Phase A (AUDIVA Musiktherapie) durchzuführen.
Die Wirkung beruht auf der durch die Hörsignale ausgelösten vermehrten Ausschüttung von Neurotransmittern wie Dopamin und Serotonin.

siehe auch Literatur

Joachim-Ernst Berendt

geb. 1922 in Berlin, gest. 2000 in Hamburg. 1945 Mitbegründer des Südwestfunks, Autor von 33 Büchern, die in 21 Sprachen übersetzt wurden. Seine "Nada Brahma" Radio-Sendungen sind die erfolgreichsten Kultursendungen, die der SWF jemals ausstrahlte. Danach gab es zahlreiche Plattenproduktionen und Auszeichnungen. Der "Papst" des Hörens.

Nach Lesung eines Interviews:

Als J.E.B. nach 42 Jahren beim SWR für seine letzte Ansage seine ersten 5 Worte wiederholen sollte, waren dies die einleitenden Worte seiner letzten Sendung: "Das Ohr ist der Weg". Das war auch die Botschaft seines zweiten Lebensweges.

Er zitierte Mendelssohn: "Das Wunderbare an der Musik ist, dass sie die Dinge nicht etwa weniger präzise fassen kann als die Künste des Wortes, sondern im Gegenteil sehr viel präziser."
So spiegelt die moderne Musik die Hektik des Alltags, die Enge der Räume und die Geradlinigkeit der Straßen wider. Die klassische Musik (für uns vor allem die Barock- und Mozartepoche) entwirft das Bild ruhiger Landschaften, weiter Räume und gewundener Flüsse.

das Audiva® Bild für unsere AMC CD Serie

Weitere Texte von J.E.B. aus dem Interview:

er zitiert Lorenz Oken:

Joachim Bauer zeigt in "Prinzip Menschlichkeit" worauf wir Menschen eigentlich programmiert sind:

Darwin bezeichnet das Geschehen in der Natur als "Krieg" (war of nature), in einem gegeneinander geführten Kampf ums Überleben und Selektion, wobei nur der Stärkere gewinnt und seine Gene weitergibt. Darwin ging sogar von einer unterschiedlichen Wertigkeit menschlicher Rassen aus und hielt gegenseitige Vernichtung für den normalen Lauf der Dinge.
So finden wir heute Konkurrenzkampf und Wettbewerbsvorteile als Ausdruck kapitalistischer Systeme, die ungezügelt und global grenzenlos tätig sind und den ewigen Hunger auf Gewinnmaximierung befriedigen, wobei die Aktienkurse steigen, sobald Menschen entlassen werden.

Im Gegensatz dazu macht Bauer deutlich, dass jüngste neurobiologische Beobachtungen den Menschen als ein Wesen beschreiben, dessen zentrale Motivation auf Zuwendung und gelingende mitmenschliche Beziehungen gerichtet ist.
Auch die Gene sind weder "egoistisch" noch "unveränderlich", im Gegenteil, Gene sind in ein biologisches Netzwerk eingebunden und kommunizieren permanent mit der Umwelt (über die Sensorik wie das Ohr, wo AUDIVA anknüpft). Sie sind die großen Kommunikatoren unseres Körpers. Daher gibt es neben der klassischen Vererbung eine davon unabhängige Weitergabe von biologischen und psychologischen Merkmalen von einer Generation zur nächsten (Epigenetik).

Insgesamt erscheint das, was uns die Gentechnik verheißen will, nicht die ganze Wahrheit zu sein und man könnte den Eindruck gewinnen, mit der Gentechnik will man uns in eine unverschämte Abhängigkeit bringen (siehe Genfood, genmanipuliertes Saatgut).

Eigene Homepage von Joachim Bauer

C.G. Jung begeistert von Musiktherapie:

in seinen letzten Lebensjahren hat C.G. Jung Bekanntschaft mit der Musiktherapie über Margarte Tilly machen können. Er beschreibt seine Eindrücke laut Zitat: "Die Musiktherapie eröffnet eine ganz neue Forschungsrichtung, von der ich mir nie hätte träumen lassen. Vor allem das, was ich konkret erlebt und gefühlt habe, lässt mich sagen, dass Musik [...] ein wesentlicher Anteil einer jeden Analyse sein müsste. Sie gelangt an die tiefen, archetypischen Muster zu der wir in unserer analytischen Arbeit nur selten gelangen." (R&Z 156/2009).