Audiogramm - die natürliche Hörkurve

Ein Audiogramm entsteht durch die Hörprüfung mit einem Audiometer. Ein Audiometer verfügt über eine Reihe von vorgegebenen Messtönen, die über einen geschlossenen Kopfhörer abgegeben werden.

Wird bei der Messung über Kopfhörer (Luftschall) eine Höreinbuße festgestellt, so erfolgt in der Regel eine weitere Messung über Knochenhörer (Knochenschall), um festzustellen, ob eine Mittelohrproblematik vorliegt - bei Differenz zwischen Luft- und Knochenschall.

In der Diagnostik nach Tomatis wird eine spezielle Interpretation dieser Differenzen vorgenommen: nach speziell nach Tomatis geeichten Audiometern wird die Luftleitung in Bezug zur Knochenleitung gesetzt. Interessant ist z.B., dass schallüberempfindliche Kinder oft eine hohe Sensibilität in der Knochenleitung bei hohen Frequenzen ab 1.000 Hz zeigen; sie spüren (Knochenschall) den Schall stärker als dass sie ihn hören (Luftschall). Dies scheint auch mit persistierenden Reflexen einherzugehen. 

Bild 1: Die untere Linie im oberen Diagramm "natürliche Hörschwelle" ist die Schwelle für die mindestens erforderliche Lautstärke, die nötig ist, damit der Ton mit der jeweiligen Frequenz gerade gehört werden kann.
Das untere Diagramm zeigt ein leeres Audiogramm für einen Hörtest. Durch die Verbindungslinien zur natürlichen Hörschwelle wird deutlich, dass die natürliche Hörschwelle geschwungen ist, während die dazugehörige 0-Linie im Audiogramm gerade ist.

Daraus ergeben sich folgende Zusammenhänge:

  • Unser Gehör (natürliche Hörkurve) besitzt zwischen 2.000-5.000 Hz die beste Empfindlichkeit. In diesem Bereich liegen die Hauptfrequenzen der Konsonanten und die Formanten (Obertöne) der Vokale und ist daher für unsere sprachliche Kommunikation am wichtigsten. Diesen Zusammenhang nutzen wir im Hochtontraining.
  • Unser Gehör nimmt tiefe Frequenzen besonders schlecht wahr. Auch die Grundtöne des Sprachbereichs (100 bis 300 Hz) sind für das sprachliche Verständnis nicht wichtig, geben jedoch der Stimme wie auch der Musik das Fundament.
    In der modernen Musik wird jedoch der Tieftonbereich (Bass bei 10 bis 100 Hz) extrem verstärkt angeboten.
  • Laute tiefe Töne können höhere Töne verdecken.
  • Die Klarheit der Sprache nimmt durch Hochtonanhebung zu. Diese Erkenntnisse werden seit Jahrzehnten im Studiobereich eingesetzt, um Werbestimmen möglichst prägnant zu machen (Exciter-Technik). 
  • Lautstärkenänderungen von 6-10 dB (je nach Quelle) werden als eine Verdoppelung bzw. Halbierung der Lautstärke empfunden.
  • Höreinbußen von 10-30 dB werden meist als unauffällig eingestuft (und das kann ein Problem sein, siehe Hörtest bei Kindern), während 30-40 dB als leichte, 40-60 dB als mittlere und 60 dB und mehr als starke Schwerhörigkeit eingestuft wird.
  • AUDIVA hat den ärztlich weitgehend unbeachteten Bereich von Hörstörungen bis 30 dB zum Forschungsthema benannt (siehe Presse). Es gibt viele Anzeichen für eine Relevanz dieses Bereiches bei einem Teil der AVWS, ADS, und LRS Kinder. 

Quellen:

Loudness function derived from data on electrical discharge rates in auditory nerve fibers; W.L. Howes; Acustica Vol. 30, 1974, No.5
Handbuch der Tonstudiotechnik; Dickreiter; 1987; Saur Verlag München
Hals-Nasen-Ohrenheilkunde; Boenninghaus; 1986; Springer Verlag
u.a. (siehe auch Literaturliste)

 

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