Audiogramme bei Verdacht auf Hörprobleme:

Hörverluste von bis zu 30 dB werden seitens der HNO-Ärzte und Kinderärzte im Rahmen der U-Vorsorgeuntersuchungen als normales Gehör bezeichnet. Auch an Universitäten oder speziellen pädaudiologischen Beratungsstellen wird (noch) nicht anders interpretiert. Zudem fehlt im Bericht meist das Audiogramm (siehe Hörbeispiele, Bilder rechts).

Die kindliche Hirn- und Sprachentwicklung ist entsprechend dem Hörverlust geschwächt. Es entstehen weniger neuronale Verbindungen zu schwach gehörten Frequenzen. Deshalb sollte der Therapeut (Logopäde, Sprachtherapeut, oft auch der Ergotherapeut oder Psychologe) die Hörschwelle kennen und mit der Aufmerksamkeit, Hörverarbeitung, Sprachentwicklung und der Lese-Rechtschreib-Leistung in Beziehung setzen.

Schon leichte perifere Hörschwächen ab 20 dB beeinflussen die Entwicklung, je nachdem wie lange diese bestehen oder bestanden haben. Die Folge ist: Verwechselung von Lauten, eingeschränktes Sprachverständnis, geringe Merkfähigkeit, verlangsamte Reaktion usw. bis hin zu Diktatfehlern/Rechtschreibfehlern und Leseproblemen. In den meisten Fällen wird dann - ohne den Zusammenhang zu erkennen - eine auditive Wahrnehmungsstörung (AVWS oder AVS) oder zentralen Hörstörungen von anderen Stellen diagnostiziert.

Dieses Thema behandeln wir ausführlich auf den Audiva® Seminaren.

Wir empfehlen:

  • das Audiogramm selbst anzufordern und auf Hörschwächen zu untersuchen. Die Linie sollte bei allen Messtönen bei 0 dB liegen - also eine relativ gerade Linie ergeben. Abweichungen von 15 dB nach unten sehen wir bei parallelen Defiziten als bedeutsam an.
  • den Therapeuten zur Bestimmung der Hörschwelle unseren Hörscreener einzusetzen, um die Messung selbst durchzuführen.

Maßnahmen werden erst bei einer Hörbeeinträchtigung ab 35-40 dB ergriffen, (graues Band in den Bildern rechts) indem ein Hörgerät, welches alles lauter macht, eingesetzt wird oder ein FM System angewendet wird: Der Lehrer bekommt ein Mikrofon mit Sender, das Kind ein Empfänger und Ohrhörer.

Diese Methoden stellen kein Training der kindlichen Hörsituationen dar, sie machen einfach nur lauter.

Audiva® bietet ein HörWahrnehmungsTraining (HWT) für Ihr Kind oder Ihr Patient an.

Im HWT werden Gehör und Wahrnehmung anhand von Musik und Sprache angeregt sowie geschult. Die Folge ist eine besere Vernetzung im Gehirn und die Entwicklung wichtiger Regulierungen im Hörsystem. Defizite können ausgeglichen werden.

 

Online Katalog

Audiogramme und Hörbeispiele

Hören Sie sich zuerst den ersten Beispiel an. Stellen Sie sich die Lautstärke so ein, dass Sie den Text gut verstehen können. Danach hören Sie sich die unteren Beispiele an, ohne die Lautstärke zu verändern. Achten Sie dabei auf die Qualität, Verständlichkeit der einzelnen Laute und auf die Lautstärke der Konsonanten!

1. Normgerechte Hörschwelle

Die Messpunkte (rot) liegen alle auf der Nulllinie.
Abweichungen nach unten bis 15 dB wären in der Toleranz.

Hörbeispiel 1: So hört sich der Text an, wenn normal gehört wird:

2. Leichte, durchgehende Hörschwäche von 20 dB

Rote Messpunkte bei 20 dB = Abweichungen von der Norm.

20 dB Hörverlust auf allen Frequnzen von links nach rechts. Die Umwelt wird 4 mal leiser wahrgenommen (10 dB bedeuten etwa halbe wahrgenommene Lautstärke).

Hörbeispiel 2: Gleicher Text bei Hörverlust von 20 dB

3. Leichter Hochtonverlust: Hörverlust von 30 dB ab 3000 Hz

Rote Messpunkte bei 30 dB ab 3000 Hz = Abweichungen von der Norm. Solche Hörsituationen entstehen z.B. bei Mittelohrentzündungen.

Typischer Hochtonverlust, nur die hohen Töne werden leiser. Das bedeutet ein dumpfes Hören UND eine Dominanz der tiefen Töne, was zur Verdeckung der hohen Töne führt, also eine doppelte Belastung.

Hörbeispiel 3: Gleicher Text bei Hörverlust von 30 dB ab 3000 Hz an.