Hörtraining im Kindergarten
Von Kaija Früchtenicht, Dipl. Sprachheilpädagogin, Bremen
Frau Früchtenicht leitet eine Studie zum Hörwahrnehmungstraining nach dem AUDIVA Verfahren in vier Kindergärten im Landkreis OHZ. Siehe das Exposé im Bereich
Forschung. Wie das Hörtraining in Kindergartengruppen durchgeführt wird, sehen Sie
hier.
Fälle, die in dieser Studie nicht aufgenommen werden konnten, weil das Störungsbild nicht den Studienanforderungen entspricht, finden Sie im Folgenden:
Einzelfallbeschreibungen
Hörwahrnehmungstraining nach dem AUDIVA Verfahren, Phase A, Musiktherapie
Ein Mädchen mit einer Sprachentwicklungsstörung, das als Integrationskind einen Integrationskindergarten besucht und dort logopädisch betreut wird. Sie litt im Säuglings- und Kleinkindalter häufig an Mittelohrentzündungen.
Alter des Mädchens zu Beginn des Trainings: 4 Jahre 7 Monate.
Zeitraum des Trainings 27.10. 2009 - 19.1.2010.
Der Sprachbeauftragte des Landkreises hatte im Juni 09 folgendes diagnostiziert: Mehrwortäußerungen mit erheblichen syntaktischen und morphologischen Defiziten. Kurze Äußerungslänge ohne komplexe Satzstrukturen.
Artikulation: erhebliche phonetisch-phonologische Auffälligkeiten mit erheblichen Unsicherheiten bei der Produktion komplexer Wortgestalten.
Eingeschränkter aktiver Wortschatz insbesondere bei den Verben. Sprachverständnis kontextverbunden.
Vor den Sommerferien wurde während der Therapie ca. 10 Mal das Hörwahrnehmungstraining durchgeführt. Ab 27.10.09 konnte die Praktikantin des Kindergartens das Hörwahrnehmungstraining mit einigen Kindern 4 Mal in der Woche durchführen. Es fanden insgesamt 40 Sitzungen statt. Wegen der Weihnachtsferien gab es eine Pause von 14 Tagen. Vor Beginn dieses Trainings, erzielte das Mädchen folgende Ergebnisse bei den durchgeführten Tests bzw. Screenings:
- TROG-D (Test zur Überprüfung des Grammatikverständnisses): Prozentrang 18
- AUDIVA Test-CD: Hochtonverstehen 4000 Hz: 0/10 3000Hz: 0/10 2000 Hz: 8/10
- Mottier-Test: Zweisilbige Nonsense-Wörter 5/10, Dreisilbige Nonsense-Wörter 0/10
- Sprachstand vor Beginn des Trainings: AVAK: mehrere phonologische Prozesse inkonstante Auslassungen von unbetonten Silben und Endlauten, Reduktion von Mehrfachkonsonanzen, inkonstante und inkonsequente Ersetzungen und Reduktionen von Lauten. Z.B. Spiegel > fiedel, zweimal > feimal, Schwein > Fein /schal /> sal, Inkonstante Ersetzung von /k/, und /g/ mit /t/ bzw. /d/ Assimilationen. Elefant > Efefant. Silbensegmentieren bis 2 Silben, keine Reimworterkennung Keine Nebensätze.
- Zählt bis 4
Nach 36 Sitzungen Hörwahrnehmungstraining á 30 Minuten und 11 weiteren Therapieeinheiten hat das Mädchen folgende Ergebnisse erzielt
- TROG-D: Prozentrang 86
- AUDIVA Test-CD:Hochtonverstehen 4000 Hz : 8/10, 3000Hz 10/10
- Mottiertest: alle 10 zweisilbigen Nonsense-Wörter, dreisilbigen Nonsense-Wörtern 8/10, wobei sie ihre Fehler bemerkte und sagte, das das nicht richtig war. Das Mädchen spricht in wohlgeformten Sätzen, zählt bis 12, erkennt Reime, und erfindet selbst welche. Sämtliche phonologischen Prozesse konnten in der Therapie systematisch angegangen werden, nachdem das Mädchen ca. 20 Mal an dem Hörtraining teilgenommen hatte.
Als Restsymptomatik wurde am 19.1. 2010 festgehalten: Die konstante Ersetzung von /sch/ mit /s/. Die konstante Ersetzung vom stimmhaften / s / mit /s/ . Es wurde eine Therapiepause und eine Wiedervorstellung nach 3 Monaten vereinbart. Bei der Kontrolle waren keinerlei sprachlichen Auffälligkeiten mehr zu beobachten.
Ein halbes Jahr nach dem Training ist das Mädchen sprachlich weiterhin unauffällig.
Einzelfallbeschreibung
Junge 6 Jahre alt
Hörwahrnehmungstraining nach dem AUDIVA Verfahren: Musiktherapie A zu Hause mit gleichzeitiger Therapie.
Diagnose:
- Auditive Differenzierungsschwäche zwischen /sch/ und /s/,
- Geräuschüberempfindlichkeit. Die Mutter berichtete, dass ihr Sohn aus der Küche flüchtete, wenn sie den Mixer benutzte, und dass er das Geräusch des Haartrockners nicht ertrug.
- Der Junge konnte zu Beginn der Therapie den /sch/ Laut bilden aber nicht differenzieren.
- Es wurde die Überprüfung einiger auditiver Funktionen mit der AUDIVA Test-CD durchgeführt:
- Hochtonverstehen: 4000 Hz 0/10, 3000 Hz 0/10, 2000 Hz 8/10
- Die Lautunterscheidungstests unter Störgeräusch konnten nicht durchgeführt werden, weil der Junge das Rauschen nicht ertrug.
Den Eltern wurde die Musiktherapie nach dem AUDIVA Verfahren empfohlen. Daraufhin mieteten sie das Gerät für 12 Wochen und führten die Musiktherapie zuhause täglich durch.
Während dieser Zeit fanden 10 Therapieeinheiten in der Praxis statt. Der Schwerpunkt lag an der auditiven Differenzierung der Laute /sch/ und /s/ in allen Wortpositionen.
Nach 8 Wochen Musiktherapie berichtete die Mutter überglücklich, dass ihr Sohn zum ersten Mal in seinem Leben der Mutter beim Kuchenbacken geholfen und den Mixer selbst gehalten hatte. Vor dem Haartrockner habe er auch keine Angst mehr.
Gleichzeitig wurde der Junge bei der Lautdifferenzierung immer sicherer.
Der Test für die auditiven Funktionen wurde wiederholt:
- Beim Hochtonverstehen hat der Junge alle Wörter bei 4000 Hz verstanden.
- Mit dem Störgeräusch beim Lautunterscheidungstest hatte er keine Probleme mehr.
Die Therapie konnte nach 15 Einheiten erfolgreich abgeschlossen werden.


