Neuropsychologie

- Abb. 1
Der Schall gelangt über das Gehör zum Limbischen System (Nr. 2 in Abb.1).
Das Limbische System und der Thalamus (Gefühlszentrum des Gehirns, Nr. 2 in Abb.1) sind die Stationen, mit denen das Hörsignal zeitlich zuerst verbunden ist. Hier wird das "Hörsignal" zu einem "Hörerlebnis". Denn die Emotionen eilen den Inhalten voraus. Sogar Neugeborene speichern das Musikhören bereits. Sie können aus einem 20 Minuten Konzert immer die Teilstücke erkennen, die verändert wurden (Quelle 3).
Der Hippocampus Nr. 2a in Abb.1 (Teil des Limbischen Systems) ist der Hirnbereich, der zwischen dem Limbischen System und dem Neokortex (Nr. 3 in Abb.1) vermittelt. Es ist erwiesen, dass der Hippocampus Informationen des Tages zwischenspeichert und während des Schlafs in den Neokortex einspeichert (Quelle 1). Dabei werden bevorzugt die Informationen eingespeichert, die von Emotionen begleitet sind (Quelle 1).
Was für AUDIVA bedeutet: durch Musiktherapie in Phase A unseres Trainings mit dem HWT schaffen wir positiv emotionale Erlebnisse. Mehr Aufmerksamkeit und Konzentration, bessere Merkfähigkeit führen zu besserem Lernen und mehr Motivation.
Auch bei Sprachstörungen und LRS ist eine durch Musikhören vorbereitete Lernsituation DAS, was AUDIVA von herkömmlichen symtombezogenen Methoden unterscheidet.
Man hat herausgefunden, dass die Motivationssysteme oder auch Belohnungssysteme (englisch: reward systems) Glücksbotenstoffe abgeben und im Gehirn verteilen. Schöne Musik aktiviert diese Systeme und führt zu mehr Dopamin im Gehirn (Quelle 7). Musik ist auch in der Lage kooperatives und soziales Verhalten zu verstärken.
Da liegt die Frage nahe, wieso wendet man schöne Musik nicht bei ADS/ADHS konsequent an? Denn Ritalin, Medikinet u.a. hemmt die Rückführung von Dopamin, so dass es länger bestehen und aktiv bleibt. Daraus folgt, in einem ADS/ADHS - Gehirn wird entweder zuwenig Dopamin produziert oder zuviel abgebaut.
Da, wie wir jetzt wissen (seit Joachim Bauer: Prinzip Menschlichkeit), Dopamin ein durch gelungene soziale Beziehungen, Anerkennung - und Musik erzeugter Botenstoff ist, eine Psychostimulanzientherapie ein Defizit an diesen Lebensqualitäten künstlich auszugleichen versucht, ohne die Ursachen anzugehen.
Die neuropsychologische Forschung seit der 90er Jahren brachte diese neuen Erkenntnisse hervor, die ein besseres Verständnis der Hörwahrnehmungsstörungen ermöglichen. Bis dieses Wissen in die Lehrbücher der Audiologie oder der Pädiatrie einlass findet, wird es vielleicht noch einige Zeit dauern.
Der Grund, weshalb die Schulkinder nach der ersten Klasse zum großen Teil den Spass an der Schule verloren haben (siehe Fit für die Schule?), liegt wohl daran, das unser Schulsystem nicht in der Lage ist, den Stoff "positiv emotional" zu präsentieren. Wenn Schule zu einem Erlebnis wird, macht das Lernen wieder Spass (Bücher von Manfred Spitzer (Quelle 1 und 2) geben viele Anregungen und nennen Ursachen).
Literaturhinweise:
(1) Spitzer, M. (2003). Lernen: Gehirnforschung und Schule des Lebens. Spektrum Akad. Verl.
(2) Spitzer, M. (2002). Musik im Kopf: Hören Musizieren, Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk. Schattauer Verlag
(3) Trehub, Sandra E., Anna M. Unyk & Laurel J. Trainor. (1993). Adults identify infant-directed music across cultures. Infant Behavior & Developmen,t 16/2, 193-211.
(4) Zehentbauer, J. (1993). Körpereigene Drogen - die ungenutzten Fähigkeiten unseres Gehirns., München: Artemis & Winkler Verlag.
(5) Zenner, H.P. & Gitter, H. (1987). Die Schallverarbeitung des Ohres - ein Bericht über die aufregenden Experimente mit mikrochirugisch isolierten Haarzellen. Physik in unserer Zeit, 4, 97-105.
(6) Borg, E. & Zakrisson, J.E. (1975). The activity of the stapedius muscle in man during vocalization. Acta Otolaryngo,l 79, 325-333.
(7) Steven Brown (2004), Vinod Menon (2005) sowie Anne Blood u. Robert Zatorre (2001) zitiert in Joachim Bauer "Prinzip Menschlichkeit"


