Der Gang zum Hörtest

So sollte der Hörtest bei einem KIND eigentlich aussehen (+/- 5 bis MAX. 10 dB nach oben und unten abweichend.)

HNO-Ärzte, Pädaudiologische Beratungsstellen, Phoniater, Kinderärzte, Hörakustiker usw. führen Hörtests durch, indem die Hörschwelle gemessen wird.

Das Ergebnis lautet oft "Kind hört gut", obwohl offensichtliche Schwächen im Hören seitens der Eltern oder Erzieher/Lehrer/Therapeuten beobachtet werden.

Das Problem ist die Interpretation der Hörschwelle. Fachleute sind meist der Meinung, Kinder haben erst bei mehr als 30dB Hörverlust ein Problem. Beachtet man folgende Hinweise, erscheint es angebracht, die Hörkurve differenzierter zu interpretieren:

  1. ADS, ADHS und ADD durch einen leichten Hörverlust? Untersuchungen aus den USA zeigen, dass Aufmerksamkeits-, Konzentrations-, Verhaltens-, Lern probleme mit geringen Hörverlusten einhergehen. 
  2. Hörverlust durch Hörtraining ausgleichen? Siehe unsere Landau Studie.
  3. Psychoakustik: eine Lautstärkeveränderung von 10dB - im Audiogramm eine Zeile - bewirkt in der Wahrnehmung eine Halbierung der Lautstärke. Bei z.B. 30 dB Verlust bleiben also noch 12,5 % von 100% übrig. Allein diese Zahlen machen verständlich, dass man dies bei Kindern nicht hinnehmen kann.
  4. Reifung des Gehörs: beim Neugeborenen sind es noch 80dB, beim 2-Jährigen 20dB und mit 4 Jahren 10dB Verlust (Wirth). Die Hörempfindlichkeit entwickelt sich also mit dem Alter. Reifungsprozesse können gestört werden (Mittelohrentzündungen (MOE), Erkältungen,  Geburtsprobleme, ungünstige Umgebungsreize, uvm.) und sollten durch entsprechende Hör-Therapie aufgeholt werden. Der Erfolg kann im verbesserten Audiogramm abgelesen werden (neben Verbesserungen im gesamten Kommunikationsverhalten). Das Audiogramm zeigt bei Kindern also NICHT unbedingt einen Verlust an Haarzellen im Innenohr an, sondern ein Reifungsdefizit.
  5. Auswirkungen auf die Schullaufbahn: Studien aus den USA: "Research has shown that between 11.3% and 14.9% of school-age children have a hearing loss that affects their learning and development (Bess, Dodd-Murphy & Parker, 1998; Niskar et al, 1998). Carney & Moeller (1998) reported that the impact of early-onset sensorineural hearing loss has a multitude of consequences on a child's development."

Wie können wir in unserer Gesellschaft einerseits die kindlichen Hörverluste unterbewerten und andererseits uns darüber beklagen, wenn sich ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom), LRS (Lese-Rechtschreib-Störung) entwickelt oder schlechte PISA Ergebnisse gefunden werden?

Daher setzten wir uns dafür ein, dass hörauffällige Kinder erkannt werden und die Therapie bekommen, die ihnen zusteht. Siehe HörscreenerPresse.

Unser Rat: bestehen Sie auf einen Kopie des Hörtests. Achten Sie darauf, dass Sie eine Kopie des Diagramms bekommen. Zu erkennen: sie Bild unten. Nehmen Sie diesen mit zu Ihrem Therapeuten (falls Sie einen Therapeuten suchen, siehe Therapeuten Adressliste) oder senden Sie den Bericht hilfsweise für eine telefonische Besprechung an uns.

Ein typisches Beispiel:

Hörtest eines 5-jährigen Kindes:

"Kind hört gut"

Dieses Kind hört alle Frequenzen (von links nach rechts) mit fast 30 dB Verlust (Linie bei fast 30 dB durchgängig), d.h. das Kind benötigt 30 dB mehr Schall, wie normalhörende Kinder, wird jedoch als "Kind hört gut" eingestuft.

30 dB Hörverlust bedeutet jedoch, dass das Kind noch 12,5% der Informationen hört, wie andere Kinder!!!

Es ist 5 Jahre alt. Da sich das Hören mit dem Reifen beim Älterwerden verbessert, ist zu vermuten, dass hier eine Störung des Reifungsprozesses vorlag. Hinweise zur Ursachenfindung liefert die Anamnese:

  • auffälliges Verhalten, es hat soziale Probleme im Umgang: es wird aggressiv und haut andere Kinder wenn es zu laut wird. Denn es ist auch geräuschempfindlich (Hyperakusis, typisch bei Hörentwicklungsstörung, Hörreifungs-defizit). Außerdem hat es einen niedrigen Tonus, es ist schlaff in der Körperhaltung.
  • Es hat auch Qualitäten: es weiß schon mit 5 Jahren viel über Tiere und deren Verhaltensweisen. Es ist ein kluges Kind, kann jedoch über sein Gehör den Bezug zur Umwelt nicht regulieren.

Aber wie soll es erst werden, wenn es in die Schule kommt?

Die Frage stellen oder stellten sich tausende Eltern in Deutschland, die ein Hörproblem vermuten oder vermutet haben (nachdem laut Arztbefund "Kind hört gut" festgestellt wurde).

So werden aus Vorschulkindern Schulkinder und die Probleme können sich verdichten:

  • Verhaltensauffälligkeiten in Richtung Aggressivität: das Kind stört andere Kinder, da es dem Unterricht wegen der Nebengeräusche nicht folgen kann. Es ist zu Hause ein "gutes" Kind, jedoch in der Schule fällt es auf. Da die Eltern ja bescheinigt bekommen haben, ihr Kind hört gut, versuchen sie den Druck auf das Kind zu erhöhen. Unverständnis beim Kind, die Eltern-Kind Beziehung verschlechtert sich. Die Spirale nimmt ihren Lauf... Das muss nicht sein !
  • Verhaltensauffälligkeiten in Richtung Verträumtheit: das Kind schaltet einfach ab. Es träumt in der Klasse und ist beim Ansprechen nicht in der Lage, am aktuellen Unterricht teilzunehmen.
    Dies ist eine Schutzfunktion des kindlichen Gehirns. Wenn es durch die Flut von Hörinformationen überlastet wird, die es nicht ordnen kann, schaltet es ab. Dann zeigt das Kind typische ADS-Merkmale und bekommt vielleicht Ritalin verschrieben (obwohl es ein Hör-Wahrnehmungsproblem hat).
    Zu Hause kann das Kind wieder ganz normal und fröhlich sein. Es wird jedoch viele Dinge aus dem Unterricht vergessen haben... Da können Sie tausendmal sagen "konzentrier dich", das Kind weiß gar nicht was Konzentration im Sinne von dauerhafter geistiger Hör-Aufmerksamkeit eigentlich bedeutet, da es nie wirklich mit den Ohren "Online, im Jetzt" war.

Ob ein Kind sich nun in die eine oder andere Richtung verhält, ist abhängig vom Charakter (natürlich auch Veranlagung). Von der ursächlichen genetischen Programmierung her, gehen Jungen eher Richtung Aggressivität und Mädchen eher in Richtung Verträumtheit. Das kann sich in Ihrem individuellen Fall jedoch auch andersherum  zeigen.

Außerdem gibt es Ereignisse im Leben eines ungeborenen bis z.B. 6-jährigen Kindes, die stark bestimmend sind, für die zukünftigen Verhaltensweisen - auch was das Hören und Hören wollen betrifft !

Fragebogen dazu (siehe Anamnesebogen):

  • Thema Ohren
  • Schwangerschaft und Geburt

sind entscheident.

Wir möchten auf jeden Fall vermeiden, dass Kinder wegen ihres Gehörs, dem daraus resultierenden Verhalten, der daraus weiter resultierenden Beurteilung (ohne das Hören richtig getestet zu haben) eine Verabreichung von Ritalin oder anderen Drogen erfolgt. Darüber freut sich nur die Industrie, wieder einen Dauergast empfangen zu haben, der von der Kasse bereitwillig seine Pillen bekommt. Das Hörtraining dagegen, ist eine Einzelfallentscheidung der Kassen ...

RAT:

Wenn Sie als Mutter oder Vater bei Ihrem Kind Entwicklungsdefizite sehen und Ihr Arzt sagt Ihnen "warten Sie ab ...", dann sollten Sie DAS nicht hinnehmen !!! vor allem wenn das Abwarten nichts entscheident verändert.

Wenn sich nach empfohlenen Abwarten später eine weitere Störung entwickelt und/oder das Kind gar x-Therapien bekommt, die alle am Ziel vorbeigehen, dann sollte man in Erwägung ziehen, die Ursachen-Beratung-Verantwortungsfrage zu klären. Sind die Ärzte für frühere Empfehlungen des Nichtstuns zur Verantwortung zu ziehen ?

Wir sind gerne bereit, Ihnen kostenfreies Infomaterial zu schicken, damit Sie etwas in der Hand halten. Siehe Kontakt

Mein Kind hört tatsächlich gut

Wenn Ihr Kind tatsächlich gut hört, laut Hörtest (+/- 5 bis MAX. 10 dB Abweichung von der Null-Linie):

entweder ist es übersensibel auf laute Geräusche (Anzeichen dafür sind Messpunkte im Hörtest/Audiogramm, die über der Null-Linie liegen). Dann finden wir auch im Anamnese-Fragebogen entsprechende Hinweise.

oder

es hat seine Probleme nicht wegen des Gehörs (dem Innenohr, der Cochlea), sondern wegen der Hörauswertung, der Wahrnehmung (Z.B. Diagnose AVWS). Hierzu finden Sie auf den folgenden Seiten viele Informationen.

Wieso ist das nicht bekannt?

Sie werden sich ev. fragen, wieso weiß mein Arzt oder Facharzt darüber nicht Bescheid?  Das ist ganz einfach: Man hat in den 60-80er Jahren Kindesentwicklung beim Hören nicht getrennt von den Erwachsenen untersucht und bewertet. Man hat einfach hingenommen, das wenn mehr als 30-40dB Hörverlust vorliegt ein Hörgerät verschrieben wird - so wie bei älteren Erwachsenen, die Probleme mit dem Hören bekommen.  Dass das Gehör eines Kindes jedoch erst heranreift, ist erst in den letzten 10-20 Jahren durch neuropsychologische Forschungen bekannt geworden und noch nicht in der ärztlichen Fachliteratur integriert.

Zudem haben Kinderärzte und HNO-Ärzte in ihrer Ausbildung auch kein Pflichtfach im Bereich HörWAHRNEHMUNG. Sie sind vor allem auf körperliche, organbezogene Diagnosen geschult und wissen über neuronale Entwicklungskonzepte des Menschen wenig...