In vielen Fällen werden Hörverluste von bis zu 30 dB seitens der HNO-Ärzte und Kinderärzte im Rahmen der U-Vorsorgeuntersuchungen als normal interpretiert. (Siehe Fallbeispiel, Bild rechts. Informationen bezüglich des Audiogramms erhlaten die unter den Links: Audiogramm und Audiogramm Interpretation und Hörbeispiele.)

Die Relevanz einer Hörminderung von bis zu 30 dB wird zwar festgestellt aber nicht ernst genommen. Dabei ist ein durchgehender Hochtonverlust von 30 dB mit enormen Einschnitte in der Verständlichkeit der Sprache verbunden! Vergleichen Sie dazu die Hörbeispiele 1. Normgerechte Hörschwelle und 3. Hörverlust von 30 dB ab 3000 Hz zu Audiogramm Interpretation!

Einteilung der World Health Organization (WHO) von 2001:

Grad der Hörschädigung Dezibel
Keine Beeinträchtigung ≤ 25 dB

Geringe Beeinträchtigung

26 - 40 dB

Mittlere Beeinträchtigung/Mittlere Schwerhörigkeit

41 - 60 dB

Starke Beeinträchtigung/Starke Schwerhörigkeit

61 - 80 dB
Hochgradige Beeinträchtigung ≥ 81 dB

 

Kinder bauen, im Unterschied zu Erwachsenen, ihre Spracherfahrung erst auf. Die kindliche Gehirn- und Sprachentwicklung ist entsprechend dem Hörverlust geschwächt. Es entstehen weniger neuronale Verbindungen zu schwach gehörten Frequenzen. Schon leichte perifere Hörschwächen ab 20 dB beeinflussen die Entwicklung, je nachdem wie lange diese bestehen oder bestanden haben. Die Folge ist: Verwechselung von Lauten, eingeschränktes Sprachverständnis, geringe Merkfähigkeit, verlangsamte Reaktion usw. bis hin zu Diktatfehlern/Rechtschreibfehlern und Leseproblemen. Daher sollten alle Hörminderungen ab 15 dB bei gleichzeitiger Entwicklungsstörung auch zu einer therapeutischen Konsequenz führen.

Hörminderungen begünstigen die Hör-Verarbeitungs- und Wahrnehmungsschwäche (AVWS/AVS) und Aufmerksamkeitsdefizite (ADS). Es kommt vor, dass derart betroffene Kinder bis zur 2. oder 3. Klasse gut im Unterricht mitkommen und sich erst dann ihre schulischen Leistungen erheblich vermindern. Wird dies nicht beachtet, kommt es zu einer Verschleppung des Problems, mit den Folgen einer Sprachentwicklungsstörung, einer Geräusch- oder Lärmempfindlichkeit oder psychische Probleme.

Wir empfehlen das Audiogramm anzufordern und auf Hörschwächen zu untersuchen. Bei einer normalen Hörfähigkeit sollte die Linie bei allen Messtönen bei 0 dB liegen (siehe Beispiel Referenz, rechts) - also eine relativ gerade Linie ergeben. Abweichungen von 15 dB nach unten sehen wir bei parallelen Defiziten als bedeutsam an. Die Hörschwelle soll mit der Aufmerksamkeit, Hörverarbeitung, Sprachentwicklung und der Lese-Rechtschreib-Leistung in Beziehung gesetzt werden, um eine genaue Diagnose zu stellen.

Wir empfehlen den Therapeuten zur Bestimmung der Hörschwelle unseren Hörscreener einzusetzen, um die Messung selbst durchzuführen.

Einige Zusammenhänge und Ursachen der Hörschädigung:

  • häufige Mittelohrenentzündungen im Alter bis 5 Jahre.
  • Bei Verschleimung des Mittelohrs wird von HNO-Ärzten das Trommelfell geschlitzt und Röhrchen eingesetzt. Leider auch wiederholt, was im Resultat ein vernarbtes Trommelfell mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit nach sich zieht.
    Da es sich um eine Schleimhautreaktion handelt, können Allergien eine Rolle spielen (z.B. Milch-, Weizen- oder Zuckerallergie). Hier ist unbedingt zu empfehlen, einen entsprechenden Arzt oder Heilpraktiker aufzusuchen.
  • Fehlende Nachsorge bei äußerlich verheilter Mittelohrproblematik. Die zähen Schleim- und Eiterreste können die feinen Knochen und Muskeln im Mittelohr noch bedecken und die Schalleitung vermindern.
  • häufige oder chronische Erkältungen
    Ausgelöst durch Allergien oder durch eine Abwehrschwäche. Diese Probleme können mit dem Älterwerden verschwinden. Was bleibt, ist womöglich eine periphere Hörschwäche oder eine Entwicklungsschwäche in der Hörverarbeitung und Wahrnehmung.

Bei einer Hörbeeinträchtigung von 35-40 dB wird ein Hörgerät eigesetzt, welches alles lauter macht. Oft wird ein FM-System angewendet: Der Lehrer bekommt ein Mikrofon mit Sender, das Kind ein Empfänger und Ohrhörer.

Diese Methoden stellen kein Training der kindlichen Hörsituationen dar, sie machen einfach nur lauter!

Bei leichter bis mittlerer Schwerhörigkeit und um die Auswirkungen chronischer Mittelohrprobleme auszugleichen bietet Audiva® ein HörWahrnehmungsTraining (HWT) für Ihr Kind oder Ihr Patient an.

 

Das HWT umfasst folgende Methoden:

Anregung mit Musik in Phase A:

  • Anregung der neuronalen Entwicklung durch musikalische Entwicklungsimpulse, die verteilt in zahlreichen Hirnregionen verarbeitet werden, welche auch für Sprache wichtig sind (siehe Trainingsprogramm Phase A)
  • besonders starke Anregung der hohen Frequenzen,
    • um durch Mikromassage der Mittelohrmuskulatur die Knochen und Muskeln von Sekretrückständen zu befreien.
    • um die Weiterleitung hoher Frequenzen an die Hirnrinde zu verbessern, damit analog die Sprachfrequenzen besser wahrgenommen werden.
  • Lateralisierung (Klangbewegung links-rechts),
    • um die Mittelohrmuskulatur wechselseitig in Bewegung zu bringen.
    • um beide Hörbahnen besser miteinander zu verbinden (besonders bei einseitiger Mittelohrstörung).
  • Auf diese Weise können Sie Verbesserungen der Hörschwelle von 10 bis 30 dB erreichen. Wichtig ist dabei, dass Sie nicht zu lange warten. Bei Fünfjährigen sind die Erfolge schneller zu erwarten als bei 10 Jährigen, wenn beide mit 3-4 Jahren Mittelohrprobleme hatten.

Sprach- und Lesetherapie in Phase B:

Im Audiva® Verfahren wird immer erst Phase A durchgeführt um die grundlegenden Verbindungen zwischen Ohr und Gehirn zu verbessern. Sind nach 6 bis 12 Wochen Phase A noch Sprach-, Lese- und/oder Rechtschreibprobleme (je nach Alter) aufzuholen, wird Phase B durchgeführt. Oft steht aufgrund des geringen Entwicklungsstandes fest, dass Phase A und B schon zu Beginn im Therapieplan stehen.
In Phase B stehen vor allem sprachliche Aspekte: Hören von Sprache (Hörbücher), Sprechen (sich selbst hören), Lesen und Schreiben (Hörbücher und Übungsordner) im Vordergrund (siehe Trainingsprogramm Phase B).

Realität der Hörprüfungen an einer Uniklinik:

Fallbeispiel wie oft in der Beratung vorkommend: Die Mutter vermutet wegen langsamer Reaktionen, Vergessen von Anweisungen, Verträumtheit bzw. Abwesenheit, dass bei ihrem Kind mit dem Hören etwas nicht stimmt. Daher geht sie zu einer pädaudiologischen Beratungsstelle. Dort wird folgendes Audiogramm erstellt:

Der anschließende Bericht des Arztes sagt aus "O.B." (ohne Befund): Ihr Kind hört normal. Machen Sie sich keine Sorgen... so beginnt eine Odyssee!

Vergleichen Sie dazu die Hörbeispiele 1. und 3. zu Audiogramm Interpretation!

Beispiel - Referenz:

So sieht ein normales Audiogramm aus. Rote Messpunkte bei 0 dB = keine Abweichungen von der Norm.