Hören und Verhalten bei Überempfindlichkeit auf Geräusche, Lärm und Gruppen

Oft haben Kinder mit Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis) eine normale Sprache aber ein auffälliges Verhalten bei Lärm oder bestimmten Geräuschen:

  • Schreien (zur eigenen Desensibilisierung, weil diesen Kindern der Lärm von außen Schmerzen verursacht)
  • Sich oft die Ohren zuhalten (Schutz)
  • Angst
  • Aggressivität gegenüber anderen Kindern oder Betreuern (auch unsoziales Verhalten)
  • Rückzug (in die Verträumtheit, inneres Abschalten, Kontakte vermeiden, Isolation)
  • autistische Züge oder Asperger Syndrom (wird manchmal als Erklärung in den Raum gestellt, oft zum Entsetzen der Eltern)

Kinder mit auditiven Hypersensibilität (Inhaltsabhängige Überempfindlichkeit gegen Störschall)

Wenn diese Kinder Musik oder Kindergeschichten hören, nähern sie sich dem Lautsprecher sehr stark an und fordern die Bezugspersonen zur Ruhe auf. Bei seitendifferenten Hörstörungen kann es in Gruppensituationen z.B. im Unterricht zu Separationsstörungen mit unterschiedlicher Lautheitsdifferenzierung kommen.

Die Diagnostik ist möglich mit einem Sprachtest mit Störschall: das Kind spricht die Wörter des Göttinger Sprachtests, die im freien Schallfeld mit 65 dB präsentiert werden, nach. Dann wird ein zunehmend lautes Breitbandrauschen hinzugegeben.

Auditiv hypersensiblen Kinder beklagen bei der Untersuchung der Störschall-Nutzschall-Filterfähigkeit frühzeitig (z.B. ab 50 dB) die Lautheit des Störschalls, wenden sich von der Aufgabe ab oder verweigern die weitere Mitarbeit.

Ursachen und Verständnis zur Hörempfindlichkeit:

Für das auffällige Verhalten bei Kindern mit Hörempfindlichkeit wirst meist nicht gleich die Ursache gefunden.

Eltern haben oft früh das Gefühl, dass mit ihrem Kind etwas nicht stimmt...bitte nicht verzweifeln - wir kennen die Situation und beraten Sie kompetent und einfach verständlich.   

Verzeihen Sie Ihrem Kind sein Verhalten. Versuchen Sie zu verstehen, was in ihm vorgeht!

Die Grafik rechts veranschaulicht die Hörsituation bei Überempfindlichkeit Dabei handelt es sich nur um eine Verschiebung der Sensibilität zugunsten einer erhöhten Sensibilität.

Leider werden diese Abweichungen oft weder in der HNO Audiometrie noch in der Pädaudiologie erkannt, auch wenn die Untersuchung an Universitäten vorgenommen wird. Es gibt daher seitens der Fachleute auch keine andere Erklärung als die Aussage "Ihr Kind hört gut" oder "Alles nur Einbildung...", bis hin zur Schuldzuweisung an die Eltern "Sie machen sich zuviele Sorgen...".

Daraufhin erfolgt meist eine Überweisung zum Psychologen, der das Problem auch nicht erkennt und vorschnell die üblichen Psychopharmaka (Ritalin, Medikinet usw.) zur Symptombekämpfung parat hat, um das unangepasste Verhalten zu regulieren. Dies dämpft die natürlichen Verhaltensmuster und verdrängt deren ursächliche Behandlung. So kommt dann auch die Verschiebung der Übersensibilität bis ins Erwachsenenalter.

Durch unsere Arbeit über 20 Jahre (seit 1993) ist uns gelungen HNO-Ärzte und Pädaudiologen in Deutschland zu sensibilisieren. Doch die Zahl ist noch zu gering, schätzungsweise 5 - 10%.

Kinder mir einer Hörempfindlichkeit werden in "normaler" Umweltsituation (Einkaufen, Strasse, Bahnhof, Stadt, Kindergruppe, Kindergarten, Schule) schnell überfordert. Es treten dann ganz basale reflexartige Verhaltensmuster zum Schutz durch den Nervus Vagus in den Vordergrund des kindlichen Verhaltens. Diese angeborenen Schutzfunktionen des vegetativen Nervensystems werden bei Gefahr aktiviert. Für diese sensiblen Kinder bedeutet der alltägliche Lärm = Gefahr. Hinweise auf die Vernunft ("jetzt sei doch mal vernünftig", "jetzt hab dich nicht so") sind völlig nutzlos. Man muss verstehen, dass dieses Verhalten zum Fluchtprogramm des vegetativen Systems gehört und auf der anderen Seite auch aggressiv sein kann - je nach Charakter des Kindes. Der eine Typus zieht sich in sein Schneckenhaus zurück und schaltet ab (wirkt dann wie ein Fall mit ADS), der andere Typus geht nach Außen und wird aggressiv gegenüber seiner Umwelt (wirkt dann wie ein Fall mit ADHS). Daraus können sich extreme Missverständnisse mit Lehrern, Erziehern auch mit untersuchenden Ärzten (Kinderärzten, HNO Ärzten, Psychologen...) entwickeln, da die Hyperakusis noch immer nicht erkannt oder verstanden wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Per Klick vergrößerbar.

Die roten Linien stellen die Abweichung, die blauen Linien die normale Hörsituation dar.

Empfehlung: Das Audiva® HörWahrnehmungsTraining HWT für Kinder

Das Audiva® HörWahrnehmungsTraining HWT mit Musik (Phase A) stellt hier eine ganzheitliche Methode dar, die an der Regulierung der Gehör - Gehirn Verbindung ansetzt.

Die Desensibilisierung der Geräuschempfindlichkeit durch unser HörWahrnehmungsTraining wurde in einer Kooperation mit Prof. Dr. Rosenkötter (vor seinem Ruhestand) in einer Studie nachgeweisen. Seinen Beitrag können Sie hier lesen.

Wir empfehlen, das HWT-Gerät für mind. 6 Wochen zu leihen.  In dieser Zeit werden Sie den Effekt am Verhalten des Kindes bemerken. Sie können dann auf die vorgesehene Dauer von 12 Wochen verlängern oder sich für den Kauf des HWT-Geräts entscheiden. In bestimmten Fällen macht es Sinn das HWT-Gerät zu kaufen. Die Gebühr, die Sie für den Verleih einzahlen wirkt sich beim Kauf wie eine Ratenzahlung aus. In manchen Fällen dauert das HWT auch länger, bzw. sind Auffrischungen / Wiederholungen nötig.

Die Durchführung des HWTs ist einfach: Ihr Kind hört über Kopfhörer die Musik, die über das HWT-Gerät (HWT-home) so verändert wird, dass die Hörverarbeitung angeregt wird neue Regulierungen vorzunehmen, die bei anderen Kindern selbstverständlich sind.

Siehe:

Hintergrundinformationen zum HWT.

Fachliche Grundlagen zum HWT

Zubehör zum HWT.

Sie können sich das nötige Material in unserem Onlineshop bestellen.

Sie brauchen nur das Material für HWT Phase A, sofern Ihr Kind eine normale Sprachentwicklung hat. Falls seine Sprache, Sprachverständnis, Artikulation, Rechtschreibung und Lesen auch Thema sind  -brauchen Sie das Material Phase B.