Hören und Verhalten bei Überempfindlichkeit auf Geräusche, Lärm und Gruppen

Oft haben Kinder mit Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis) eine normale Sprache aber ein auffälliges Verhalten bei Lärm oder bestimmten Geräuschen. Es können extreme Verhaltensmuster auftreten:

  • Schreien (zur eigenen Desensibilisierung, weil diesen Kindern der Lärm von außen Schmerzen verursacht)
  • Sich oft die Ohren zuhalten (Schutz)
  • Aggressivität gegenüber anderen Kindern oder Betreuern (auch unsoziales Verhalten)
  • Rückzug (in die Verträumtheit, inneres Abschalten, Kontakte vermeiden, Isolation)
  • autistische Züge oder Asperger Syndrom (wird manchmal als Erklärung in den Raum gestellt, oft zum Entsetzen der Eltern)

Ursachen und Verständnis:

Für dieses Verhalten wird bei Kindern meist nicht gleich die Ursache gefunden.

Eltern haben oft schon früh das Gefühl, dass mit ihrem Kind etwas nicht stimmt...bitte nicht verzweifeln - wir kennen die Situation und beraten Sie kompetent und einfach verständlich.   

Verzeihen Sie Ihrem Kind sein Verhalten. Versuchen Sie zu verstehen, was in ihm vorgeht!

Der kleine Mensch rechts deuted an, dass ihm die Welt zu laut ist.
Der erwachsene Mensch links hat seinen Blick bereits gesenkt und wirkt abgestumpft und teilnahmslos.
Wäre er der Vater, würde er die Probleme seines Sohnes zunächst nicht erkennen oder ernst nehmen....
So geschieht es täglich in Deutschland.

Die Grafik rechts veranschaulicht die Hörsituation bei Überempfindlichkeit. Die roten Linien stellen die Abweichung, die blauen Linien die normale HörSituation dar. Dabei handelt es sich nur um eine Verschiebung der Sensibilität zugunsten einer erhöhten Sensibilität.
Leider werden diese Abweichungen oft weder in der HNO Audiometrie noch in der Pädaudiologie erkannt, auch wenn die Untersuchung an Universitäten vorgenommen wird. Es gibt daher seitens der Fachleute auch keine andere Erklärung als die Aussage "Ihr Kind hört gut" oder "Alles nur Einbildung...", bis hin zur Schuldzuweisung an die Eltern "Sie machen sich zuviele Sorgen...".

Daraufhin erfolgt meist eine Überweisung zum Psychologen, der das Problem auch nicht erkennt und vorschnell die üblichen Psychopharmaka ( Ritalin, Medikinet usw.) zur Symptombekämpfung parat hat, um das unangepasste Verhalten zu regulieren. Dies dämpft die natürlichen Verhaltensmuster und verdrängt deren ursächliche Behandlung. So kommt dann auch die Verschiebung der Übersensibilität bis ins Erwachsenenalter.

Durch unsere Arbeit über 20 Jahre (seit 1993) ist uns gelungen HNO-Ärzte und Pädaudiologen in Deutschland zu sensibilisieren. Doch die Zahl ist noch zu gering, schätzungsweise 5 - 10%.

Eine sehr gute Hörempfindlichkeit stellt eigentlich eine nützliche Fähigkeit dar, jedoch in "normaler" Umweltsituation (Einkaufen, Strasse, Bahnhof, Stadt, Kindergruppe, Kindergarten, Schule, Konzert, Theater...) zur Überforderung des Nervensystem führt. Es treten dann ganz basale reflexartige Verhaltensmuster zum Schutz durch den Nervus Vagus in den Vordergrund des kindlichen Verhaltens. Diese angeborenen Schutzfunktionen des vegetativen Nervensystems werden bei Gefahr aktiviert. Für diese sensiblen Kinder bedeutet der alltägliche Lärm = Gefahr. Hinweise auf die Vernunft ("jetzt sei doch mal vernünftig", "jetzt hab dich nicht so") sind völlig nutzlos. Man muss verstehen, dass dieses Verhalten zum Fluchtprogramm des vegetativen Systems gehört und auf der anderen Seite auch aggressiv sein kann - je nach Charakter des Kindes. Der eine Typus zieht sich in sein Schneckenhaus zurück und schaltet ab (wirkt dann wie ein Fall mit ADS), der andere Typus geht nach Außen und wird aggressiv gegenüber seiner Umwelt (wirkt dann wie ein Fall mit ADHS). Daraus können sich extreme Missverständnisse mit Lehrern, Erziehern auch mit untersuchenden Ärzten (Kinderärzten, HNO Ärzten, Psychologen...) entwickeln, da die Hyperakusis noch immer nicht erkannt oder verstanden wird.

 

 

 

 

 

 

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Empfehlung

Das Audiva® HörWahrnehmungsTraining HWT mit Musik (Phase A) stellt hier eine ganzheitliche Methode dar, die an der Regulierung der Gehör - Gehirn Verbindung ansetzt.

Bereits Dr. Rosenkötter hat (vor seinem Ruhestand) in einer Studie die Desensibilisierung durch HörWahrnehmungsTraining HWT nachweisen können. Seinen Beitrag können Sie hier lesen. Diese Arbeit wurde jedoch nie in einem renomierten Fachmagazin veröffentlicht, was die breitere Anerkennung und Diskussion erleichtert hätte.

Wir empfehlen, das HWT Gerät für mind. 6 Wochen zu leihen. In dieser Zeit werden Sie den Effekt am Verhalten des Kindes bemerken. Sie können dann auf die vorgesehene Dauer von 12 Wochen verlängern oder sich für den Kauf desHWT Geräts entscheiden. In bestimmten Fällen macht es Sinn das HWT Gerät zu kaufen. Die Gebühr, die Sie für den Verleih einzahlen wirkt sich beim Kauf wie eine Ratenzahlung aus.
Die Durchführung des HWTs ist einfach: Ihr Kind hört über Kopfhörer die Musik, die über das HWT Gerät so verändert wird, dass die Hörverarbeitung angeregt wird neue Regulierungen vorzunehmen, die bei anderen Kindern selbstverständlich sind.

Das Training braucht mindestens 12 Wochen. In manchen Fällen auch länger, bzw. sind dann Auffrischungen / Wiederholungen nötig. 

Sie können sich das nötige Material hier bestellen und auch den Verleih nutzen. Sie brauchen nur das Material für Phase A, sofern Ihr Kind eine normale Sprachentwicklung hat. Falls seine Sprache, Sprachverständnis, Artikulation, Rechtschreibung und Lesen auch Thema sind - freunden sie sich mit Phase B an.

 

Differenzierung im Bereich Hyperakusis (nach Dr. Rosenkötter)

1. Hyperakusis (generelle Lautstärke intoleranz):

Hyperakusis ist eine subjektiv wahrgenommene Unlustempfindung, die als Absenkung der Schmerz- oder Unbehaglichkeitsschwelle in der Tonaudiometrie erfaßt werden kann (Grafik oben: untere rote Linie wird festgestellt). Dabei ist die Hörschwelle in der Tonaudiometrie normal (Grafik oben: obere blaue Linie wird festgestellt)

Es besteht im Alltag eine Überempfindlichkeit gegenüber Lärm und lauten Geräuschen: Haushaltsgeräte, Motoren in Autos, Rasenmähern, Handwerksmaschinen, Tierstimmen, laute Musik). Das betroffene Kind macht aber sehr häufig selbst viel Lärm oder hört Musik gerne bei großer Lautstärke. Symptomatisch entstehen Angst, Ablehnung, Ohren zuhalten, weggehen, sich abwenden, Aufmerksamkeitsverlust, „abschalten“.

2. Auditive Hypersensibilität (Inhaltsabhängige Überempfindlichkeit gegen Störschall):

Die Begriffe „auditive Hypersensibilität“ und „Phonophobie“ werden häufig synonym benutzt (10,7). Differenzierung: Maß des Mißempfinden gegenüber unangenehm wirkenden
Hintergrundgeräuschen, Stimmen und Klängen. (Hintergrundgeräusche in der Schulklasse, im Kindergarten, bei Festen und Menschenansammlungen, bei Musik- oder
Sportveranstaltungen, Heizungsventilen, fortgeleiteten Geräuschen in Wasserleitungen, Hintergrundgeräuschen im Kindergarten, bei Jahrmarkt, im Zirkus, in der Schule.)
Typische Symptome: Angst, Ablehnung, Ohren zuhalten, weggehen, sich abwenden, Aufmerksamkeitsverlust, „abschalten“, häufig Kopplung mit anderen Symptomen einer
auditiven Wahrnehmungsstörung (1).

Wenn diese Kinder Musik oder Kindergeschichten hören, nähern sie sich dem Lautsprecher sehr stark und fordern die Bezugspersonen zu Ruhe auf. Bei seitendifferenten Hörstörungen kann es in Gruppensituationen z.B. im Unterricht zu Separationsstörungen mit unterschiedlicher Lautheitsdifferenzierung kommen.
Die Diagnostik ist möglich mit einem Sprachtest mit Störschall: das Kind spricht die Wörter des Göttinger Sprachtests, die im freien Schallfeld mit 65 dB präsentiert werden,
nach. Dann wird ein zunehmend lautes Breitbandrauschen hinzugegeben. Dabei wird nicht nur die Störschall-Nutzschall-Filterfähigkeit untersucht, sondern die auditiv hypersensiblen Kinder beklagen auch frühzeitig (z.B. ab 50 dB) die Lautheit des Störschalls, wenden sich von der Aufgabe ab oder verweigern die weitere Mitarbeit.

3. Hyperakusis gegenüber Knallgeräuschen:

Gegenüber der oben beschriebenen Hyperakusis läßt sich noch eine eher phobische Reaktion gegen Knallgeräuschen abgrenzen (zu Sylvester, beim Fasching, beim Knallen von
Luftballons u.ä.) mit einer panikartige Symptomatik gegenüber nicht vorhersehbaren Hörbelastungen mit Knall oder Explosion.