Erfurt und Winnenden
Die Presse hebt die mustergültigen Reaktionen der beteiligten in Winnenden hervor. Die Politik meint "man kann politisch nichts weiter bewirken" so sinngemäss Kurt Beck.
Dabei hat unser System versagt. Im aktuellen Fall Winnenden: wer fragt nach:
- welche Musik hat sich der Täter angehört - nicht erst mit 17, nein seit er sich selbstständig Musik aussuchen durfte! Betrachte man bitte doch die entwicklungspsychologische Wirkung von Musik auf das Gehirn.
Wieso wird an Bahnhöfen nachts oft Mozart, Bach, Vivaldi gespielt? Weil dadurch die Kriminalität deutlich zurückgeht!
Spielen wir in Schulen auch Mozart, Bach und Vivaldi, werden solche Amokläufe der Vergangenheit angehören.
Dass Musiktherapie im Unterricht integriert werden kann und schwache Kinder besser werden lässt, zeigen unsere Studien.
Es gibt seit 2006 eine Diskussion um Gewalt durch Musik, durch Dr. Klaus Miehling. Würde das ernst genommen, gäbe es Verbote für gewaltverherrlichende Musik und Texte.
Eigentlich weiss man längst, dass über das Ohr emotionale Prozesse viel stärker programmmiert werden als über das Auge (Stummfilm vs Tonfilm).
Aus der Wissenschaft:
An der Universität Potsdam wurde in einer Langzeitstudie festgestellt, daß der Einfluß von aggressiven Videospielen auf die Aggressivität höher ist als umgekehrt der Einfluß der Persönlichkeit auf die Neigung, solche Spiele zu spielen: http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2006/773/ Möglicherweise ist dies auf aggressive Musik übertragbar. Jedenfalls widerlegt es diejenigen, die den negativen Einfluß von Mediengewalt noch immer abstreiten.
ROSENBAUM & PRINSKY stellten fest, daß Heavy Metal- und Rap-Stücke mit gewalttätigen Texten zu 95 % auch als gewalttätig erkannt werden, während Stücke mit nicht gewalttätigen Texten immerhin zu 37 % gleichwohl als gewalttätig interpretiert werden. Das belegt, daß „harmlose” Texte im Gewand aggressiver Musik umgedeutet werden können. Daher genügt es nicht, nur die Texte aggressiver Musik kritisch zu betrachten. (Rosenbaum, Jill Leslie u. Prinsky, Lorraine: The Presumtion of Influence: Recent Responses to Popular Muisc Subcultures; in: Crime & Delinquency 37/1991/4, S. 528-35.)
„Häufig singende Vorschulkinder schneiden laut einer Studie bei Untersuchungen der Schultauglichkeit in einigen Bereichen besser ab als wenig oder gar nicht singende Gleichaltrige. Der Vorsprung zeige sich unter anderem in der Entwicklung der Sprache und der sozialen Kompetenz, sagte der Münstersche Soziologe Thomas Blank und bestätigte einen Bericht der ‘Apotheken Umschau’. Für die mit dem Gesundheitsamt Münster erarbeitete Untersuchung wurden in den Jahren 2001/2002 erhobene Tests auf Schulfähigkeit von knapp 500 Jungen und Mädchen ausgewertet. Die Daten wurden zur Häufigkeit gemeinschaftlichen Singens in Bezug gesetzt. Anhand einer Gesangsaufnahme bewerteten Fachleute, ob die Kinder oft singen. Zudem wurden die Eltern befragt. ‘Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Kind altersgemäß entwickelt und damit schulfähig ist, ist größer, wenn es singt’, sagte Blank. Unter anderem hätten diese Kinder Vorteile in der Sprachentwicklung und im emotionalen Verhalten. Es sei aber nicht auszuschließen, dass andere Faktoren eine Rolle spielten. ‘Wichtig ist, dass Singen eine eigenständige Bedeutung hat und einen mit einer positiven Zuwendung zum Kind verbundenen Erziehungsstil unterstützt’, sagte er.” (magazine.web.de, 9. 1. 2008)
„In den letzten 15 Jahren hat eine Revolution in der Tonstudiotechnologie stattgefunden. Musik wird heute anders produziert, abgemischt und gemastert als früher - fast durchweg zu ihrem Nachteil. Produzenten und Toningenieure sprechen vom ‘Loudness-Krieg’, und dieser Krieg hat den Klang praktisch jedes neuen Pop- oder Rockalbums verändert. Der Grund: die Tonleute arbeiten mit Dynamik-Kompression, die den Abstand zwischen den lautesten und den leisesten Momenten in einem Song reduziert. Das Ergebnis: durch zu viel Kompression gehen klangliche Details unter, die Musik verliert an emotionaler Kraft und ermüdet unsere Ohren.” (RS, Feb. 2008, S. 9). Der ganze Artikel: http://www.pure.de/topic_detail/28059-HIFI
Behne, Klaus-Ernst: „Der Ring” - Ein exploratives Filmmusik-Experiment, Ms. 1992 (alle Zitate nach Bullerjahn, S. 250): Ein Film zeigt „eine junge Frau, die nach einem Verkaufsgespräch in einem Juweliergeschäft sich im Besitz eines wertvollen Rings befindet. Der Film läßt offen, wie der Ring in den Besitz der Frau gelangt ist.” Der Film wurde Schülern der 5. bis 10. Klasse in zwei Versionen vorgespielt: „mit einer eigens komponierten, synthesizererzeugten Musik im Popidiom (Version A), andererseits mit Ausschnitten aus den ‘Ungarischen Tänzen’ von Johannes Brahms (Version B) [...]”. Die Schüler sollten nun spekulieren, was in der Geschichte vorgefallen ist: „Es ließ sich eine hoch signifikante Wirkung der Musik auf die Narration nachweisen, wobei dieser Effekt besonders deutlich für jüngere Schüler ausfiel: Bei Schülern der 5. und 6. Klasse ist in Version A die Nennung der Diebstähle [d.h. daß die Frau den Ringe gestohlen habe] deutlich am häufigsten (44 %), in Version B dagegen am seltensten (6 %).” Das Ergebnis zeigt, daß Popmusik von den Schülern mit kriminellem Verhalten assoziiert wurde, Klassik dagegen kaum.
Entnommen aus Gewaltmusik Nachrichtenbriefen von Klaus Miehling


