Lehrerfragebogen
4.4 ERGEBNISSE DES FRAGEBOGENS FÜR LEHRER/INNEN
4.4.1 VORGEHEN
Der eingesetzte vierseitige Fragebogen für Lehrer/innen enthielt Einzelitems zum Verhalten eines Kindes für sieben verschiedenen, potenziell problematischen Bereiche, in denen ein möglicher Einfluss des AUDIVA Trainings vermutet wird. Vorgegeben wurde ein vierstufiges Antwortformat (nie, manchmal, oft, immer). Die Einzelitems jedes Bereichs wurden zu einer Summenskala zusammengefasst, mit jeweils von der Anzahl der Items abhängigem Maximalwert. Die Reliabilität der Skalen wurde nach dem Vorliegen aller Daten mittels Cronbachs Alpha überprüft. Nur drei Items mussten entfernt werden.
Im Folgenden werden zunächst die endgültigen Skalen vorgestellt, danach die Ergebnisse der Berechnungen.
4.4.2 SKALEN
Für die zu Skalen zusammengefassten Einzelitems des Lehrerfragebogens gilt folgendes Antwortformat:
Immer (4) – Oft (3) – Manchmal (2) – Nie (1).
Das positive Item (Skala 4, Item 3) wurde umkodiert: Immer (1) – Oft (2) – Manchmal (3) – Nie (4).
Dementsprechend bedeuten hohe Werte Probleme in dem jeweiligen Bereich.
Für die Skalen ist das Minimum (der beste Wert) jeweils 1 (nie) x die Anzahl der Items, das Maximum (der schlechteste Wert) jeweils 4 (immer) x die Anzahl der Items.
Skala 1: Ausdauer –
Cronbachs Alpha = ,853
- Das Kind wird in der Schule im Verlauf des Vormittags zunehmend motorisch unruhig.
- Das Kind wird in der Schule im Verlauf des Vormittags zunehmend unkonzentriert.
- Das Kind wird in der Schule im Verlauf des Vormittags zunehmend ablenkbar.
- Das Kind wird in der Schule im Verlauf des Vormittags zunehmend müde.
- Das Kind wird in der Schule im Verlauf des Vormittags zunehmend überfordert.
- Das Kind zeigt einen deutlichen schulischen Leistungsabfall im Verlauf des Vormittags.
Minimum: 6 (bester Wert), Maximum: 4 x 6 = 24 (schlechtester Wert)
Skala 2: Lesen/Schreiben/Aussprache –
Cronbachs Alpha: = ,909
- Das Kind verwechselt Buchstaben beim Lesen (z.B. b und p, d und t, g und k usw.).
- Das Kind verwechselt Buchstaben beim Schreiben (z.B. b und p, d und t, g und k usw.).
- Das Kind hat Probleme beim Sprechen mancher Laute (z.B. s und sch, m und n usw.).
- Das Kind macht Fehler beim Schreiben nach Gehör.
- Das Kind verwechselt klangähnliche Wörter.
- Das Kind lässt bei Diktaten Wörter oder Wortteile aus.
- Das Kind fragt bei Diktaten nach.
Minimum: 7 (bester Wert), Maximum: 4 x 7 = 28 (schlechtester Wert)
Skala 3: Allgemeine Aufmerksamkeit/Vergesslichkeit –
Cronbachs Alpha = ,832
- Wie oft vergisst das Kind etwas, das Sie ihm sagen?
- Wenn Sie dem Kind etwas sagen, wie oft fragt es bei Ihnen noch mal nach?
- Wie oft vergisst das Kind etwas, das seine Mitschüler/innen ihm sagen?
- Wenn seine Mitschüler/innen dem Kind etwas sagen, wie oft fragt es bei diesen noch mal nach?
- Wie oft scheint das Kind etwas, das Sie oder seine Mitschüler/innen ihm sagen, nicht mitzubekommen?
Minimum: 5 (bester Wert), Maximum: 4 x 5 = 20 (schlechtester Wert)
Skala 4: Auditive Aufmerksamkeit/Konzentration –
Cronbachs Alpha = ,802
- Das Kind ist im Kopfrechnen schwächer als im schriftlichen Rechnen.
- Das Kind lernt Sachen nach einer schriftlichen Vorlage (Text) besser als nach mündlicher Vorlage.
- Das Kind kann gehörte Texte vollständig nacherzählen (umkodiert für Skala).
- Das Kind verliert das Interesse, wenn lange nur gesprochen wird (z.B. beim Vorlesen einer Geschichte oder bei längerem Erklären).
- Das Kind kommt in der Kleingruppe oder in Einzelsituationen besser mit als im großen Klassenverband.
- Das Kind orientiert sich bei Arbeitsaufträgen an seinen Mitschüler/innen.
- Das Kind gibt Antworten, die sich nicht auf die gestellte Frage beziehen.
- Das Kind versteht längere mündliche Anweisungen schlechter als kurze.
Minimum: 8 (bester Wert), Maximum: 4 x 8 = 32 (schlechtester Wert)
Skala 5: Auditive Sensibilität –
Cronbachs Alpha = ,871
- Das Kind ist leicht durch Geräusche ablenkbar.
- Das Kind kann nicht gleichzeitig auf mehr als eine/n Sprecher/in achten.
- Das Kind kommt bei Gruppengesprächen/Gruppenarbeit nicht mit.
- Das Kind kommt nicht mit, wenn durcheinander gesprochen wird.
- Das Kind findet Geräusche schnell zu laut.
- Das Kind bekommt leise Gesprochenes nicht mit.
- Das Kind scheint Vieles nicht richtig zu hören.
- Das Kind hält sich die Ohren zu.
- Das Kind kann nicht richtig zuhören.
- Das Kind versteht Informationen falsch.
- Das Kind erkennt nicht, aus welcher Richtung Sprache und/oder Geräusche kommen.
Minimum: 11 (bester Wert), Maximum: 4 x 11 = 44 (schlechtester Wert)
Skala 6: Rückzug –
Cronbachs Alpha = ,870
- Das Kind wird in der Schule im Verlauf des Vormittags zunehmend in sich gekehrt.
- Das Kind zieht sich zurück.
Minimum: 2 (bester Wert), Maximum: 4 x 2 = 8 (schlechtester Wert)
Skala 7: Sprache –
Cronbachs Alpha = ,721
- Das Kind spricht in kurzen Sätzen
- Das Kind spricht grammatikalisch falsch.
Minimum: 2 (bester Wert), Maximum: 4 x 2 = 8 (schlechtester Wert)
4.4.3 ERGEBNISSE
Bei Skala 1 wurden Kinder mit Summenwerten von 15 oder höher (erster Messzeitpunkt) zur Extremgruppe gezählt, bei Skala 2 mit Summenwerten von 17 oder höher, bei Skala 3 mit Summenwerten von 12 oder höher, bei Skala 4 mit Summenwerten von 20 oder höher, bei Skala 5 mit Summenwerten von 28 oder höher und bei Skala 6 und 7 mit Summenwerten von 5 oder höher.
Beim Vergleich der Gruppenmittelwerte von Messzeitpunkt eins und zwei mittels Wilcoxon-Test ergaben sich in der Extremgruppe für alle sieben Skalen des Fragebogens sehr bzw. hoch signifikante Verbesserungen des Verhaltens. In der Kontrollgruppe ist bei Skala 3 eine sehr signifikante Verbesserung, bei Skala 4 eine hoch signifikante Verschlechterung erkennbar. Bei den übrigen Skalen der Kontrollgruppe zeigte der Wilcoxon-Test keine statistisch bedeutsamen Veränderungen der Gruppenmittelwerte auf. (Alle Ergebnisse siehe Tabelle 8 und 9, Mittelwertsverläufe siehe Abbildung 15 – 21.)
Bei diesem Fragebogen muss berücksichtigt werden, dass die Motivation der Lehrerinnen zum Ausfüllen des Fragebogens zum zweiten und dritten Messzeitpunkt teilweise deutlich nachgelassen hat. Dies hat möglicherweise die Ergebnisse der Fragebögen mit einer ohnehin schon „subjektiven“ Einschätzung der Kinder durch die Lehrerinnen beeinflusst.
Dennoch gehen die Ergebnisse in dieselbe Richtung wie die Ergebnisse der in den vorherigen Unterkapiteln beschriebenen Tests und weisen somit ebenfalls auf eine Effektivität des AUDIVA Trainings hin.
Tabelle 8: Ergebnisse des Lehrerfragebogens für die Extrem- und Kontrollgruppe zu den beiden Messzeitpunkten – Teil 1:
EG = Extremgruppe, KG = Kontrollgruppe, MW = Summenmittelwert, SD = Standardabweichung, N = Häufigkeit, Z = Prüfgröße des Wilcoxon-Tests, p = Signifikanz (5% Niveau) Summenskala: Skala 1: 6 (bester Wert) – 24 (schlechtester Wert), Skala 2: 7 (bester Wert) – 28 (schlechtester Wert), Skala 3: 5 (bester Wert) – 20 (schlechtester Wert), Skala 4: 8 (bester Wert) – 32 (schlechtester Wert)
Tabelle 9: Ergebnisse des Lehrerfragebogens für die Extrem- und Kontrollgruppe zu den beiden Messzeitpunkten – Teil 2:
EG = Extremgruppe, KG = Kontrollgruppe, MW = Summenmittelwert, SD = Standardabweichung, N = Häufigkeit, Z = Prüfgröße des Wilcoxon-Tests, p = Signifikanz (5% Niveau) Summenskala: Skala 5: 11 (bester Wert) – 44 (schlechtester Wert), Skala 6 und 7: 2 (bester Wert) – 8 (schlechtester Wert)
Abbildung 15: Fragebogen für Lehrer/innen Skala 1: Ausdauer – für Extrem- und Kontrollgruppe.
Abbildung 16: Fragebogen für Lehrer/innen Skala 2: Lesen, Schreiben, Aussprache – für Extrem- und Kontrollgruppe.
Abbildung 17: Fragebogen für Lehrer/innen Skala 3: Allgemeine Aufmerksamkeit/Vergesslichkeit – Extrem- und Kontrollgruppe.
Abbildung 18: Fragebogen für Lehrer/innen Skala 4: Auditive Aufmerksamkeit/Konzentration – Extrem- und Kontrollgruppe.
Abbildung 19: Fragebogen für Lehrer/innen Skala 5: Auditive Sensibilität – Extrem- und Kontrollgruppe.
Abbildung 20: Fragebogen für Lehrer/innen Skala 6: Rückzug – Extrem- und Kontrollgruppe.
Abbildung 21: Fragebogen für Lehrer/innen Skala 7: Sprache – Extrem- und Kontrollgruppe.


