Gruppenbildung

2.1.3 BEGRÜNDUNG DER GRUPPENBILDUNG

Der Grund für die Vortestung bei der dritten Gruppe bestand darin, eine sogenannte Kontrollgruppe zu bekommen.
Das Vorliegen einer Kontrollgruppe hat folgenden Grund: Testungen nur vor und nach einem Training (in einer Trainingsgruppe) reichen nicht aus, um den Effekt eines Trainings nachzuweisen. Mögliche Veränderungen können nicht eindeutig auf das Training zurückgeführt werden. Denkbar sind bei einfachen Vorher-Nachher-Testungen auch Veränderungen aufgrund von Testübungseffekten oder einfach aufgrund der natürlichen Entwicklung der Kinder in einem bestimmten Zeitraum..
Hat man aber eine Vergleichsgruppe, die in einem Abstand von drei Monaten ebenfalls zwei Mal getestet wird, ohne dass ein Training stattfindet, können diese beiden Messungen mit denen der Gruppe mit Training in Bezug gesetzt werden. Hierzu wird ein statistisches Verfahren (zweifaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung) angewendet, das die Verläufe vergleicht. Ein Trainingseffekt, auch Treatmenteffekt genannt, liegt dann vor, wenn die Verbesserungen in der Trainingsgruppe mathematisch nachgewiesen (d.h. statistisch signifikant) größer sind als in der Vergleichsgruppe ohne Training.

Üblicherweise wird hierzu eine Kontrollgruppe verwendet, die der Trainingsgruppe bezüglich der wichtigen Kriterien entspricht und zu denselben Zeitpunkten wie die Trainingsgruppe getestet wird, aber kein Training erhält. Aus ethischen und organisatorischen Gründen  war dies in dieser Untersuchung nicht möglich. Daher wurde in der zweiten Gruppe ein vorausgehender Messzeitpunkt eingeführt, d.h. die zweite Gruppe hat drei Monate auf ihr Training gewartet, weshalb sie für diesen Zeitraum auch als Wartegruppe bezeichnet wird. So können die Veränderungen vom vorausgehenden Messzeitpunkt (Messzeitpunkt 0) bis zum Messzeitpunkt 1 in der Wartegruppe mit den Veränderungen zwischen Messzeitpunkt 1 und Messzeitpunkt 2 der ersten und zweiten Gruppe verglichen und Rückschlüsse auf die Effektivität des Trainings gezogen werden.

2.1.4 ZUSAMMENSETZUNG DER GRUPPEN

Die erste Gruppe besteht aus 60 Kindern aus 8 Schulen, die zweite Gruppe aus 41 Kindern aus 5 Schulen. Von den 41 Kindern der zweiten Gruppe nahmen alle an den Tests der Messzeitpunkte 0 und 1 teil; 38 Kinder nahmen an den Tests der Messzeitpunkte 1 und 2 teil, weshalb sich die Wartegruppe (Gruppe 2: Messzeitpunkte 0 und 1) und die Trainingsgruppe 2 (Gruppe 2: Messzeitpunkte 1 und 2) etwas voneinander unterschieden.

Für die Auswertungen werden die Messzeitpunkte 1 und 2 für die beiden Trainingsgruppen (Gruppe 1 und 2) beibehalten. Die Wartegruppe wird von Trainingsgruppe 2 getrennt und als eigenständige Gruppe behandelt. Die Messzeitpunkte 0 und 1 der Wartegruppe werden, der Übersichtlichkeit in den Tabellen mit den mathematischen Auswertungen halber, umbenannt, ebenfalls in den ersten Messzeitpunkt der Wartegruppe (Messzeitpunkt 1) und den zweiten Messzeitpunkt der Wartegruppe (Messzeitpunkt 2). Auf diese Weise können von jeder Gruppe (Trainingsgruppe 1 und 2 sowie Wartegruppe) jeweils ein erster und ein zweiter Messzeitpunkt (mit jeweils ca. drei Monaten Abstand) in Bezug auf mögliche Veränderungen verglichen werden. Das in der „Landau-Studie“ verwendete statistische Verfahren hierzu ist die zweifaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung.
Von einem Treatmenteffekt dabei gesprochen, wenn die positiven Veränderungen in den Trainingsgruppen statistisch signifikant größer sind als in der Wartegruppe.