STUDIE ZUR EFFEKTIVITÄT DES AUDIVA TRAININGS FÜR KINDER

BERICHT ÜBER DIE ERGEBNISSE DER STATISTISCHEN BERECHNUNGEN MIT EXTREMGRUPPEN

Andrea Hinz, Dipl. Psych., August 2008

"Landau-Studie"

Einleitung

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Bildung im Kindes- und Jugendalter, Universität Koblenz-Landau wurde eine Studie an Grundschulkindern durchgeführt, um die Effektivität des AUDIVA Trainings (Musiktherapie Phase A) zu überprüfen. Die Ergebnisse wurden von den Professoren für Grundschulpädagogik: Prof. Günther und Prof. Petillon im März 2008 im Forschungsbericht "Erprobung und Evaluation des Hörtrainings: AUDIVA in dritten Schulklassen" vorgelegt.

Da einer der Professoren die Universität im Winter 2008 verließ, konnten keine weiteren Wünsche seitens AUDIVA bezüglich der Studienanalysen erfüllt werden.

Daher wurde die Verfasserin dieses Berichtes, die freiberuflich im Rahmen des AUDIVA Projekts für die Universität tätig war (u.a. mit Datenmanagement und -auswertung) und die statistischen Berechnungen für den ursprünglichen Bericht anhand der im Projekt erhobenen Daten geliefert hatte, im April 2008 von AUDIVA beauftragt, weitere Analysen mit diesen Daten durchzuführen.

Im Folgenden wird zunächst ein Überblick über die "Landau-Studie", die Messinstrumente, gebildete Gruppen, Forschungsdesign und Ablauf sowie die Ergebnisse gegeben, da diese die Grundlage für das weitere Vorgehen bilden. Danach wird auf die zusätzlichen Extremgruppenberechnungen eingegangen und deren Ergebnisse werden vorgestellt und diskutiert.

Messinstrumente

Um die Effektivität des AUDIVA Trainings zu überprüfen, wurde das Training in einem Zeitraum von drei Monaten in verschiedenen Schulen durchgeführt. Die teilnehmenden Kinder wurden von den Lehrerinnen ausgewählt. Die Lehrerinnen waren angehalten, diejenigen Kinder zu bestimmen, die von ihnen als allgemein förderbedürftig eingestuft wurden.

Zur Erfassung positiver Effekte des AUDIVA Trainings wurden in der "Landau-Studie" verschiedene Tests bzw. Fragebögen eingesetzt:

  1. Lehrerfragebogen – wurde von den Lehrerinnen der Kinder ausgefüllt.
  2. Elternfragebogen – wurde von den Eltern der Kinder ausgefüllt.
  3. Audiva Testbogen (Studie Landau) für Kinder – in diesen wurden von den Studentinnen die Antworten der Kinder auf die Aufgaben der Audiva Test-CD eingetragen. Dabei wurden nicht alle Tests der Audiva Test-CD verwendet, sondern für die Studie besonders geeignete Subtests ausgewählt (Nachsprechen von Nonsenssilben, drei verschiedene Lautunterscheidungstests, dichotischer Hörtest, Geschichte nacherzählen).
  4. Audiva Aufmerksamkeitstester für die Kinder.
  5. Audiva Hörscreener für die Kinder.
  6. Abschlussfragebogen für die Kinder.

Die entsprechenden Dokumente zu den verwendeten Testmaterialien sind im Internet kostenfrei verfügbar. Geben Sie "forschung.audiva.de" ein, und klicken Sie auf "Landauer Studie".

Vorgehen und zeitlicher Ablauf

Zwei Gruppen von Studentinnen führten mit Schülerinnen und Schülern das AUDIVA Training durch. Das Training der ersten Gruppe fand im Herbst 2006 statt, je nach organisatorischen Gegebenheiten in den Schulen entweder von September 2006 bis November 2006 oder von Oktober 2006 bis Dezember 2006.

Die Befragung mit dem Lehrerfragebogen und dem Elternfragebogen und die Testung der Kinder mit der Audiva-Test-CD, dem Audiva Aufmerksamkeitstester und dem Audiva Hörscreener wurde jeweils vor und nach dem Training vorgenommen:

Vor dem Training (Messzeitpunkt 1 = Mzp 1) je nach den schulischen Gegebenheiten entweder noch vor den Sommerferien 2006 (d.h. Juli 2006) oder im August bzw. September 2006, nach dem Training (Messzeitpunkt 2 = Mzp 2) im Dezember 2006 bzw. im Januar 2007.

In der zweiten Gruppe wurde das Training ebenfalls für einen Zeitraum von drei Monaten durchgeführt und zwar von ca. Mitte April 2007 bis ca. Mitte Juli 2007. Auch diese Gruppe führte vor und nach dem Training Befragungen mit dem Lehrer- und Elternfragebogen sowie Testungen der Kinder mit der Audiva Test-CD, dem Audiva-Aufmerksamkeitstester und dem Audiva Hörscreener durch. Nach dem Training erhielten die Kinder zusätzlich einen Abschlussfragebogen. Die Befragung und Testung vor dem Training (Messzeitpunkt 1) wurde je nach den organisatorischen Gegebenheiten im März 2007 oder im April 2007 vorgenommen, die Befragung und Testung nach dem Training (Messzeitpunkt 2) im Juli 2007.

Zusätzlich zu den beiden Befragungszeitpunkten vor und nach dem Training wurde in der zweiten Gruppe eine vorausgehende Befragung (Messzeitpunkt 0 = Mzp 0) der Eltern und Lehrer sowie eine Testung der Kinder mit den genannten Instrumenten durchgeführt, und zwar im Dezember 2006 bzw. im Januar 2007.

Insgesamt wurden also die Eltern, Lehrer und Kinder der zweiten Gruppe dreimal getestet bzw. befragt. (Zum genauen zeitlichen Ablauf siehe untenstehende Abbildung.)

Abb.: Zeitablauf der Testungen und Training für beide Gruppen 

 

HörScreening

ERGEBNISSE DES AUDIVA-HÖRSCREENERS

Beim Hörscreener wurden getrennt für das rechte und linke Ohr Sinustöne in 5 verschiedenen Frequenzen vorgegeben. Nach Einweisung des Kindes wurde der automatische Testablauf gestartet, bei dem der Versuchsleiter nicht mehr eingriff.
Begonnen wurde jede Frequenz bei 0dB (durchschnittliche erwartete Hörschwelle), dann in +5dB Schritten bis +30dB gesteigert. Erfolgte kein Tastendruck, begann die nächste Frequenz entsprechend. Wurde die Taste gedrückt, verringerte sich die Lautstärke solange (bis minimal -12dB), bis kein Tastendruck mehr erfolgte (ein Tastendruck bei -12dB führte zum Wechsel auf die nächste Frequenz). Dann erhöhte sich die Lautstärke erneut und erwartete die 2. Antwort, nach der zur nächsten Frequenz gewechselt wurde.  
Folgende dB Schritte standen zur Verfügung: -12, -8, -4, 0, 5, 10, 15, 20, 25, 30dB. Damit bei den Berechnungen auch diejenigen Kinder mit einbezogen werden konnten, die die Taste überhaupt nicht gedrückt hatten, erhielt das „Nichtdrücken“ den höchsten (fiktiven) Wert (35 dB).
Auch für den Hörscreener wurde Cronbachs Alpha berechnet: Einbezogen wurden alle fünf  Frequenzen beider Ohren. Dabei ergab sich ein Wert von ,897.

Aus den Ergebnissen des Hörscreeners ergeben sich pro Ohr und Frequenz zusätzlich zur Kontrollgruppe zwei weitere Gruppen:
Die Extremgruppe, der all diejenigen Kinder zugeordnet wurden, die zum ersten Messzeitpunkt den entsprechenden Ton erst bei 15 dB oder einer höheren dB-Zahl bzw. gar nicht gehört hatten sowie die Gruppe der Hochsensiblen, die zum ersten Messzeitpunkt den Ton noch bei einer der sehr niedrigen dB-Zahlen (-8 oder -12 dB) gehört hatten. Gemäß dem Ziel des AUDIVA Trainings sollten die dB-Zahlen nach dem Training in der Extremgruppe sinken, in der Gruppe der Hochsensiblen hingegen ansteigen.
Wie bei den anderen Tests auch, wurde die Extremgruppe der Kontrollgruppe gegenüber gestellt, wobei die Hochsensiblen nicht in die Berechnungen mit einbezogen wurden. Für die getrennt ausgewertete Gruppe der Hochsensiblen war die Bildung einer Kontrollgruppe nicht möglich, da die bereits in der Extremgruppe sehr geringe Anzahl der Hochsensiblen in der Kontrollgruppe deutlich zu niedrig war (i.d.R. 1-3 Personen) und die Kontrollgruppe per se sich zu einem Vergleich nicht eignet.

Zu den Ergebnissen ist zusätzlich anzumerken, dass eine Verbesserung entweder ein Hinweis auf besseres Hören oder ein Hinweis auf bessere „Hör“-Aufmerksamkeit sein kann.
 

VERGLEICH VON EXTREMGRUPPE UND KONTROLLGRUPPE

Bei allen fünf Frequenzen pro Ohr, insgesamt zehn, findet sich in der Extremgruppe eine signifikante, sehr signifikante oder hoch signifikante Verbesserung zwischen dem ersten und zweiten Messzeitpunkt (alle Ergebnisse siehe Tabelle 2 und 3, Mittelwertsverläufe Abbildung 3 – 6). In der Kontrollgruppe lässt sich eine signifikante Verbesserung bei zwei von zehn Frequenzen erkennen.
Ein Testübungseffekt kann daher nicht ausgeschlossen werden. Die deutliche Verbesserung in der Extremgruppe weist jedoch auf einen Effekt des AUDIVA Trainings hin.

Abbildung 3: Hörscreener: Extremgruppe linkes Ohr.                           Abbildung 4: Hörscreener Kontrollgruppe linkes Ohr.

Abbildung 5: Hörscreener: Extremgruppe rechtes Ohr.                        Abbildung 6: Hörscreener: Kontrollgruppe rechtes Ohr.

 

DIE GRUPPE DER „HOCHSENSIBLEN“

In der Gruppe der Hochsensiblen lässt sich bei all denjenigen Frequenzen, in denen die Anzahl der Kinder hoch genug für einen Mittelwertsvergleich der beiden Messzeitpunkte war, eine signifikante Verbesserung dahingehend erkennen, dass die durchschnittliche dB-Zahl ansteigt (alle Ergebnisse siehe Tabelle 4, Mittelwertsverläufe siehe Abbildung 7 und 8). Auch wenn die Anzahl der Kinder hier teilweise sehr gering ist, könnte dies doch, im Vergleich mit der Extremgruppe, der Vermutung bezüglich des Effekts des AUDIVA Trainings entsprechen und ein Hinweis auf dessen „ausgleichende“ Wirkung (Annäherung an 0 dB) sein.

Abbildung 7: Hörscreener: "Hochsensible" linkes Ohr.                         Abbildung 8: Hörscreener: "Hochsensible" rechtes Ohr.

 

LautunterscheidungsTest

Der Lautunterscheidungstest der Stufe 2 wurde einmal ohne und einmal mit Störgeräuschen durchgeführt. Pro Ohr wurden jeweils 16 Silben präsentiert. Die richtigen Antworten der Kinder wurden addiert. Insgesamt ergaben sich daraus pro Kind vier Summenskalen mit einem maximalen Wert von 16. Die Extremgruppen der vier Skalen setzen sich aus Kindern zusammen, die zum ersten Messzeitpunkt jeweils weniger als 12 richtige Antworten gaben.
Cronbachs Alpha für die Skala „Stufe 2 ohne Störgeräusch links“ beträgt ,632, für die Skala „Stufe 2 ohne Störgeräusch rechts“ ,636  Die Skala „Stufe 2 mit Störgeräusch links“ hat ein Cronbachs Alpha von ,642 die Skala „Stufe 2 mit Störgeräusch rechts“ ein Cronbachs Alpha von ,544.

In der Extrem- und in der Kontrollgruppe wurde pro Skala der Gruppenmittelwert zum ersten Messzeitpunkt mit dem Gruppenmittelwert zum zweiten Messzeitpunkt verglichen (Wilcoxon-Test). Alle Ergebnisse finden sich in Tabelle 5, die Verläufe der Mittelwerte in den Abbildungen 9 und 10. In der Extremgruppe erhöhte sich die durchschnittliche Anzahl richtiger Antworten bei allen vier Summenskalen statistisch signifikant bis hoch signifikant, in der Kontrollgruppe sind keine signifikanten Veränderungen erkennbar. Die deutlichen Verbesserungen in der Extremgruppe im Kontrast zu den gleichbleibenden Ergebnissen der Kontrollgruppe sprechen für einen Effekt des AUDIVA Trainings in der Extremgruppe.

 

Abbildung 9: Lautunterscheidungstest Stufe 2: Extremgruppe.             Abbildung 10: Lautunterscheidungstest Stufe 2: Kontrollgruppe.

Im Lautunterscheidungstest der Stufe 3 mit Störgeräusch wurden pro Ohr 16 Silben,  immer 2 nacheinander als Päärchen auf das linke/rechte Ohr vorgegeben, so dass achtmal zwei Silben nachgesprochen wurden. Die richtigen Antworten wurden addiert. Pro Kind ergaben sich daraus vier Summenskalen mit einem Maximum von acht richtigen Antworten. Diese Unterteilung (einzelne Skala für jede Silbe) wurde vorgenommen, damit mögliche Effekte der Reihenfolge, in der die Silben dargeboten werden, nicht in einem Gesamtmittelwert „untergehen“. Der Extremgruppe wurden diejenigen Kinder zugeordnet, von denen zum ersten Messzeitpunkt weniger als 6 richtige Antworten vorlagen.
Für die Skala „Stufe 3 links (1)“ ergab sich ein Cronbachs Alpha von ,347, für die Skala „Stufe 3 rechts (1) ein Cronbachs Alpha von ,536. Cronbachs Alpha für die Skala „Stufe 3 links (2)“ beträgt ,397, für die Skala Stufe 3 rechts (2) ,359. Trotz der niedrigen Werte wurde eine Summenskala gebildet, da eine Zusammenfassung wegen der Zugehörigkeit zur selben Aufgabe möglich und zudem die Auswertung von Einzelsilben wenig sinnvoll ist.
Für jede Gruppe wurde pro Summenskala der Gruppenmittelwert des ersten Messzeitpunktes mit dem des zweiten Messzeitpunktes verglichen (Wilcoxon-Test).
Die durchschnittliche Anzahl richtiger Antworten nahm in der Extremgruppe für alle vier Skalen sehr signifikant bzw. hoch signifikant zu. In der Kontrollgruppe zeigt sich bei einer Skala (Stufe 3 links – 2) eine sehr signifikante Zunahme richtiger Antworten; bei den restlichen drei Skalen ergab sich keine signifikante Veränderung (alle Ergebnisse siehe Tabelle 6, Mittelwertsverläufe siehe Abbildung 11 und 12).
Diese Ergebnisse liefern ebenfalls einen Hinweis auf die Effektivität des AUDIVA Trainings. Testübungseffekte können allerdings wegen der signifikanten Zunahme bei einer Skala der Kontrollgruppe nicht völlig ausgeschlossen werden.

Abbildung 11: Lautunterscheidungstest Stufe 3 mit Störgeräusch: Extremgruppe.  Abbildung 12: Lautunterscheidungstest Stufe 3 mit Störgeräusch: Kontrollgruppe.

Dichotischer Hörtest

Beim dichotischen Hörtest hörten die Kinder gleichzeitig ein aus zwei sinnvollen Wortteilen (Einzelwörter) zusammengesetztes zweisilbiges Wort auf dem linken Ohr und ein anderes, ebenfalls aus zwei sinnvollen Wortteile bestehendes Wort auf dem rechten Ohr. Dies wurde 25 Mal mit verschiedenen Wörtern durchgeführt. Die Anzahl richtiger Antworten pro Ohr (links/rechts) und Wortteil (Wortteil 1/ Wortteil 2) wurde für jedes Kind addiert, woraus sich vier Summenskalen mit einem Maximalwert von jeweils 25 richtigen Antworten ergaben. Auch hier wurden, analog zum Vorgehen beim Lautunterscheidungstest der Stufe 3 mit Störgeräusch, unabhängige Skalen für jeden Wortteil gebildet, um mögliche Effekte der Darbietungs-Reihenfolge zu berücksichtigen. Kinder mit weniger als 16 richtigen Antworten (pro Ohrseite und Wortteil) zum ersten Messzeitpunkt bilden die Extremgruppe der jeweiligen Summenskala.
Für die Summenskala „1. Wortteil links“ wurde ein Cronbachs Alpha von ,799 berechnet, für die Skala „2. Wortteil links“ ein Cronbachs Alpha von ,763, für die Skala „1. Wortteil rechts“ ergab sich ein Wert von ,821 und für die Skala „2. Wortteil rechts“ ein Wert von ,840.

Die Gruppenmittelwerte der vier Skalen für den ersten Messzeitpunkt wurden für Extrem- und Kontrollgruppe mit den Gruppenmittelwerten für den zweiten Messzeitpunkt verglichen. Alle Ergebnisse finden sich in Tabelle 7, die Mittelwertsverläufe in den Abbildungen 13 und 14.
Für die Extremgruppe zeigen die Testergebnisse bei allen vier Summenskalen eine statistisch mindestens sehr signifikante Zunahme der durchschnittlichen Anzahl richtiger Antworten, für die Kontrollgruppe fand sich bei einer Skala (1. Wortteil links) eine signifikante Zunahme, bei den drei übrigen Skalen nicht.
Auch hier kann, analog zu Punkt 4.2, ein Testübungseffekt nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Die Ergebnisse sprechen aber dennoch für eine Wirkung des AUDIVA Trainings in der Extremgruppe.

 

Abbildung 13: Dichotischer Hörtest: Extremgruppe.                           Abbildung 14: Dichotischer Hörtest: Kontrollgruppe.

Lehrerfragebogen

Der eingesetzte vierseitige Fragebogen für Lehrer/innen enthielt Einzelitems zum Verhalten eines Kindes für sieben verschiedenen, potenziell problematischen Bereiche, in denen ein möglicher Einfluss des AUDIVA Trainings vermutet wird. Vorgegeben wurde ein vierstufiges Antwortformat (nie, manchmal, oft, immer). Die Einzelitems jedes Bereichs wurden zu einer Summenskala zusammengefasst, mit jeweils von der Anzahl der Items abhängigem Maximalwert. Die Reliabilität der Skalen wurde nach dem Vorliegen aller Daten mittels Cronbachs Alpha überprüft. Nur drei Items mussten entfernt werden.
Im Folgenden werden zunächst die endgültigen Skalen vorgestellt, danach die Ergebnisse der Berechnungen.

SKALEN

Für die zu Skalen zusammengefassten Einzelitems des Lehrerfragebogens gilt folgendes Antwortformat:
Immer (4) – Oft (3) – Manchmal (2) – Nie (1). Das positive Item (Skala 4, Item 3) wurde umkodiert: Immer (1) – Oft (2) – Manchmal (3) – Nie (4).
Dementsprechend bedeuten hohe Werte Probleme in dem jeweiligen Bereich. Für die Skalen ist das Minimum (der beste Wert) jeweils 1 (nie) x die Anzahl der Items, das Maximum (der schlechteste Wert) jeweils 4 (immer) x die Anzahl der Items.

ERGEBNISSE

Bei Skala 1 wurden Kinder mit Summenwerten von 15 oder höher (erster Messzeitpunkt) zur Extremgruppe gezählt, bei Skala 2 mit Summenwerten von 17 oder höher, bei Skala 3 mit Summenwerten von 12 oder höher, bei Skala 4 mit Summenwerten von 20 oder höher, bei Skala 5 mit Summenwerten von 28 oder höher und bei Skala 6 und 7 mit Summenwerten von 5 oder höher.
Beim Vergleich der Gruppenmittelwerte von Messzeitpunkt eins und zwei mittels Wilcoxon-Test ergaben sich in der Extremgruppe für alle sieben Skalen des Fragebogens sehr bzw. hoch signifikante Verbesserungen des Verhaltens. In der Kontrollgruppe ist bei Skala 3 eine sehr signifikante Verbesserung, bei Skala 4 eine hoch signifikante Verschlechterung erkennbar. Bei den übrigen Skalen der Kontrollgruppe zeigte der Wilcoxon-Test keine statistisch bedeutsamen Veränderungen der Gruppenmittelwerte auf. (Alle Ergebnisse siehe Tabelle 8 und 9, Mittelwertsverläufe siehe Abbildung 15 – 21.)
Bei diesem Fragebogen muss berücksichtigt werden, dass die Motivation der Lehrerinnen zum Ausfüllen des Fragebogens zum zweiten und dritten Messzeitpunkt teilweise deutlich nachgelassen hat. Dies hat möglicherweise die Ergebnisse der Fragebögen mit einer ohnehin schon „subjektiven“ Einschätzung der Kinder durch die Lehrerinnen beeinflusst.
Dennoch gehen die Ergebnisse in dieselbe Richtung wie die Ergebnisse der in den vorherigen Unterkapiteln beschriebenen Tests und weisen somit ebenfalls auf eine Effektivität des AUDIVA Trainings hin.

Abbildung 16: Fragebogen für Lehrer/innen Skala 2: Lesen, Schreiben, Aussprache – für Extrem- und Kontrollgruppe.

Abbildung 17: Fragebogen für Lehrer/innen Skala 3: Allgemeine Aufmerksamkeit/Vergesslichkeit – Extrem- und Kontrollgruppe. 

Abbildung 18: Fragebogen für Lehrer/innen Skala 4: Auditive Aufmerksamkeit/Konzentration – Extrem- und Kontrollgruppe.

Abbildung 19: Fragebogen für Lehrer/innen Skala 5: Auditive Sensibilität – Extrem- und Kontrollgruppe.

Abbildung 20: Fragebogen für Lehrer/innen Skala 6: Rückzug – Extrem- und Kontrollgruppe.

Abbildung 21: Fragebogen für Lehrer/innen Skala 7: Sprache – Extrem- und Kontrollgruppe.

Kinderfragebogen

Im Abschlussfragebogen wurden die Kinder nach ihrer Bewertung des AUDIVA Trainings (Musikhören) anhand vorgegebener Antworten befragt sowie in offenen Fragen danach, was ihnen besonders bzw. nicht so gut gefallen hatte und was sie gern anders gehabt hätten. Der Fragebogen konnte aus organisatorischen Gründen nicht an alle Kinder ausgeteilt werden (teilnehmende Kinder: 44).
Von diesen gaben 37 an, das Musikhören hätte ihnen sehr gut gefallen. Drei Kindern hatte das Musikhören gut gefallen, vier Kinder kreuzten „geht so“ an. Die schlechteste Kategorie – „gar nicht“ gefallen – wurde von keinem Kind genannt (alle Antworten siehe Tabelle 10).
Tabelle 10: Wie hat dir das Musikhören gefallen?

Diskussion

Wie in der Einführung beschrieben, konnte die Extremgruppe nicht mit einer entsprechenden Kontrollgruppe verglichen werden. Diese Ungleichheit der Gruppen bedeutet eine Einschränkung der Gültigkeit der Ergebnisse, da die unterschiedlichen Verläufe nicht mit 100%iger Sicherheit auf einen Treatmenteffekt zurückgeführt werden können. Zudem waren die Grundvoraussetzungen für die zweifaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholung nicht erfüllt, so dass kein direkter Vergleich der Verläufe der beiden Gruppen vorgenommen konnte. Hier sollte eine weitere Studie mit parallelisierten Gruppen und ausreichend vielen Kindern durchgeführt und dabei zusätzlich darauf geachtet werden, nur Kinder auszuwählen, die zur Extremgruppe zu zählen sind. Die Auswahl sollte möglichst durch geschulte Therapeuten anhand der Ergebnisse der Kinder in den Tests und Fragebögen erfolgen.
Des Weiteren sollte sichergestellt sein, dass das AUDIVA Training regelmäßig, d.h. möglichst täglich, durchgeführt wird und dass Lehrer/innen bzw. Eltern engagiert dabei sind. Hier waren in der Studie teilweise deutliche Einschränkungen vorhanden, die sich möglicherweise auf die Ergebnisse ausgewirkt haben.
In Zukunft sollte die anhand der Reliabilitätsberechnungen erstellte leicht veränderte Version des Fragebogens für Lehrer/innen (einschließlich mehrerer noch zu konstruierender neuer Items mit Schwerpunkt der „direkteren“ Abfrage von Konzentration und Hörfähigkeit) eingesetzt werden. Bei der Audiva-Test-CD sollten die Lautunterscheidungstests mit Cronbachs Alpha < ,600 verbessert werden, z.B. indem der Schwierigkeitsgrad erhöht oder die Lautstärke bzw. Art des Störgeräusches verändert wird. Zudem wäre es interessant, mit einer größeren Gruppe von Kindern zusätzlich zum Audiva-Aufmerksamkeitstester und –Hörscreener einen geeigneten „fremden“ Aufmerksamkeitstest und Hörtest durchzuführen, um eine externe Validierung vornehmen zu können.
In der vorliegenden Studie fehlte eine Katamnese, d.h. eine Nachtestung im Abstand von mehreren Monaten, mit der die Dauerhaftigkeit von Effekten überprüft werden kann. In weiteren Studien sollte mindestens eine solche Nachtestung durchgeführt werden.

FAZIT

Die Ergebnisse weisen auf positive Effekte des AUDIVA Trainings für die Extremgruppe in den verschiedenen Bereichen hin. Hierfür spricht vor allem, dass sich die durchschnittlichen Leistungen in der Kontrollgruppe vom ersten zum zweiten Messzeitpunkt fast nie signifikant verbesserten, in der Extremgruppe hingegen fast immer eine mindestens signifikante, oft auch sehr oder hoch signifikante Verbesserung der durchschnittlichen Leistung sichtbar wird.
Nach den Antworten der Kinder im Abschlussfragebogen der Gruppe 2 zum Messzeitpunkt 2, also am Ende des Musik-Hörtrainings ergaben sich sehr positive Bewertungen der dargebotenen Musik (meist Mozart), so dass es (zumindest aus Sicht der Kinder) in einer Folgestudie eine angenehme Fördersituation geben wird.

 

Download komplett

Referenzen:

Trainingsplan für die Studentinnen

Diagnostikbogen für die Studentinnen

Lehrerfragebogen (verwendete Version - nicht neu verwenden)

Lehrerfragebogen (verbessert nach Cronbachs Alpha für Folgestudie)