Neue Ansätze einer begleitenden nicht-medikamentösen Therapie

Bei der Parkinson Krankheit sterben fortschreitend jene Nervenzellen im Gehirn ab, die für die Produktion des wichtigen Botenstoffs Dopamin zuständig sind. Dopamin ist maßgeblich an den Steuerungsvorgängen von Bewegungen beteiligt. Die typischen Beschwerden der Parkinson-Krankheit, wie Bewegungsverlangsamung, Muskelversteifung, Zittern und Sprachstörungen machen sich bemerkbar, wenn ca. 70% der Dopamin herstellenden Zellen, vorwiegend in der sogenannten schwarzen Substanz (Substantia nigra) im Gehirn zerstört sind.

Grundsätzlich ist die Parkinson-Krankheit behandelbar, jedoch noch nicht heilbar. Die klassische Therapie erfolgt durch den Einsatz von Medikamenten, mit dem Ziel dier Dopaminproduktion zu steuern und seine Wirkung im Gehirn zu erhöhen.

Mit unserem Hörwahrnehmungstrainingverfahren (HWT) werden Gehör und Wahrnehmung anhand von Musik (Phase A) und Sprache (Phase B) angeregt sowie geschult. Wir setzen ausschließlich harmonische und speziell ausgesuchte Musik, Naturklänge und Sprecherstimmen ein, die als angenehm empfunden werden. Neue Untersuchungen belegen deutlich, dass angenehm empfundene Musik beim Hören unser „Belohnungssystem“ anspricht und Dopamin verstärkt ausgeschüttet wird. Unsere aktuellen Forschungsergebnisse über die Wirkung des HWTs bei Kindern (Studie Dr. Früchtenich) deuten darauf hin, dass das die Phase A (Musik) des HWTs die Dopaminroduktion anregt. Darüber hinaus zeigt unsere langjährige Erfahrung und der Austausch mit HWT-Anwendern, dass das HWT einen deutlichen Einfluss auf den Muskeltonus und auf die Grundspannung im Körper hat, die natürlicherweise u. a. über das Ohr angetrieben wird. Wir beobachten auch eine Aufrichtung der Wirbelsäule. Aus unseren Klangerfahrungen wissen wir, dass hohe Klänge den Körper aufrichten und tiefe Klänge ihn erschlaffen lassen. Hohe Töne machen wach (Wecker) und haben eine konzentrationsfördernde Wirkung, tiefe Klänge (dunkle, dumpfe Geräusche wie z.B. Donner, Erdbeben, Baumaschinenlärm) werden meistens als bedrohlich und Angsteinflößend empfunden und verursachen eine verkrampfte Haltung. Erschlafft die Muskulatur im Ohr, erschlafft auch der Körper. Der Betroffene geht in Kompensation und merkt, dass seine Muskeln nicht mehr gehorchen. Er strengt sich immer mehr an, hat jedoch keine Kraft mehr, präzise Bewegungen auszuführen. Kraftlose Muskeln beginnen zu zittern, wenn sie überfordert werden.

Diese Zusammenhänge haben uns motiviert, den Einsatz unserer AUDIVA-Verfahren bei der Parkinson-Therapie zu empfehlen.

Wir sehen drei Möglichkeiten, um bei der Parkinson Krankheit fördernd einzuwirken:

1. HWT Phase A (Musik)

bedeutet entspanntes Hören von Musik über ein HWT - Gerät. Mozart, Bach und Vivaldi sowie Naturklänge werden mit angereicherten hohen Frequenzen über Kopfhörer und gegebenenfalls zur Verstärkung auch über Knochenhörer gehört.

Diese Anregung bewirkt eine Aufrichtung des Körpers durch die "Horch-Haltung". Diese Haltung ergibt sich beim Betroffenen von selbst von innen heraus. Die Hörfähigkeit sollte bei dieser Methode jedoch noch natürlich erhalten sein. Ist die Ohrmuskulatur bereits erschlafft und ein Hörgerät im Einsatz, wäre in dem Falle in erster Linie die Schwerhörigkeit zu behandeln.

2. HWT Phase B (Sprachtraining)

Die Parkinson-Krankheit beeinträchtigt auch die Funktion der Muskeln, die für die Stimmbildung verantwortlich sind. Die Folge sind Sprechstörungen, die sich als langsames, leises, monotones und undeutliches Sprechen äußern (Dysarthrie).

Ein gezieltes Sprechtraining sollte bei Parkinson-Patienten möglichst frühzeitig begonnen werden.

In dieser Phase trainieren wir mit verschiedenen Übungen und Materialien (Hörbücher, Bücher). Der Patient spricht ins Mikrofon und hört seine eigene Stimme über das HWT-Gerät und über Kopfhörer.

3. Die Klangfühlbox

Hier sitzt oder steht der Betroffene auf einer vibrierenden Fläche, die von der Musik angetrieben wird, die auch im Raum über Lautsprecher zu hören ist. Der Patient spürt die Musik in seinem Körper, der durch die Vibration mit Energie durchflutet wird.

Diese Förderung bewirkt eine Anregung der Muskelaktivität zunächst von außen. Es kommt durch die Weiterleitung der Vibration ans Gehirn zu einer körpereigenen Antwort auf die Stimulation. Eigene kleine Bewegungen setzen von selbst ein und stellen eine spontane Antwort des Körpers auf die Vibration der Musik dar.

Schon sind wir in der Therapie und können gespannt beobachten, was weiter geschieht, und was der Betroffene rückmeldet. Die verbalen Rückmeldungen sind je nach Befindlichkeit des Betroffenen mehr oder weniger deutlich. Deshalb ist es besonders aufschlussreich, seine Emotionen, seine Mimik, kleine Veränderungen in seiner Körperhaltung (mehr aufrecht?) und spontane Bewegungen zu beobachten.

Bildquelle Wikipedia - Parkinson